Die Jātaka-Inschriften im Kloster Zha lu

Während mehrerer Besuche des Klosters Zha lu (Zentraltibet) zwischen 1996 und 1998 konnte der Projektleiter einen umfangreichen Zyklus von Inschriften fotografisch dokumentieren. Die Inschriften befinden sich an den Außenwänden des “großen Umwandlunggangs” (skor lam chen mo), der die Versammlungshalle und die an sie angrenzenden Kapellen umgibt. Die 95 noch erhaltenen Inschriftenpaneele (von ursprünglich 103) sind mit Wandmalereien kombiniert und enthalten Auszüge aus einem Werk, das unter dem Titel Skyes rabs brgya pa bekannt ist. Dieser Text besteht aus zwei Teilen:

1) Dieselbe tibetische Übersetzung von Āryaśūras Jātakamālā, die auch in den derzeit verfügbaren Tanjur-Sammlungen von Cone (C), Derge (D), Ganden (G), Narthang (N) und Peking (P) enthalten ist, und

2) eine (tibetische) Komposition des dritten Karma pa Rang byung rdo rje (1284–1339), die weitere 66 Jātakas und eine abschließende Beschreibung der Hauptereignisse im Leben des Buddha Śākyamuni enthält.

Historische Quellen und der Stil der Malereien deuten darauf hin, dass der gesamte Zyklus von Inschriften und Malereien kurz vor der im Jahre 1334 von Bu ston durchgeführten Kompilation des oft als “editio princeps” des Tanjur bezeichneten Corpus von Texten entstand.

Die ersten acht Paneele, die den Prolog und Auszüge aus den ersten sieben Erzählungen von Āryaśūras Jātakamālā enthalten, wurden bereits in einer 2005 publizierten Monographie ediert, ins Deutsche übersetzt und einer detaillierten text-kritischen Studie unterzogen (K. Tropper: Die Jātaka-Inschriften im skor lam chen mo des Klosters Zha lu). Für diese Studie wurde auch ein Blockdruck (Z) des Skyes rabs brgya pa kollationiert, dessen Druckstöcke 1542/43 geschnitzt wurden und jetzt im Sman rtsis khang (‘Institut für Medizin und Astronomie’) in Lhasa aufbewahrt werden. Wie gezeigt werden konnte, enthalten sowohl die Inschriften in Zha lu als auch Z an Stellen, die in allen fünf Tanjur-Versionen verderbt sind, korrekte, ursprüngliche Lesarten, und sie sind deshalb wertvolle Zeugen, die dazu beitragen können, dem ursprünglichen Wortlaut der tibetischen Übersetzung der Jātakamālā näher zu kommen. Die Ergebnisse der textkritischen Studie haben weiters gezeigt, dass der Befund der Inschriften und Z auch an den Stellen von großer Bedeutung ist, an denen die zwei Zweige der Tanjur-Überlieferung (i.e., CD und GNP) verschiedene Lesarten aufweisen und der Sanskrittext keine Entscheidung zulässt.

In dem gegenständlichen Projekt werden die Paneele 9–35 ediert, ins Englische übersetzt und einer text-kritischen Studie unterzogen. Damit wird die Bearbeitung derjenigen Paneele, die Auszüge aus Āryaśūra’s Jātakamālā enthalten, zum Abschluss gebracht.

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