Veṅkaṭanātha (Vedāntadeśika), traditionell datiert auf 1268–1369 n. Chr., ist einer der wichtigsten Vertreter der Tradition des Viśiṣṭādvaita Vedānta nach Rāmānuja. Sein umfang­reiches Werk umfasst Quellen in Sanskrit, Maṇipravāḷa, Tamil und Prakrit. Er ist nicht nur als Systematiker der Lehren Rāmānujas bekannt, sondern bezieht sich auch auf Rāmānujas Nach­folger, behandelt ihre Lehren und kritisiert sie. Ebenso knüpft er an die Lehren der Āḻvārs an, die Autoren der „Viertausend Himmlischen Ver­se“ (Nālāyirat Tivyappirapantam), und greift sie in seinen in Maṇipravāḷa verfassten Werken auf. Schließlich sind seine Lehren auch für die historische Entwicklung nach ihm von Bedeutung, denn sie bilden den Aus­gangs­punkt für die Entwicklung der sogenannten Vaṭakalai-Schule, der „nördlichen“ Schule der Tradition.

Veṅkaṭanāthas Werk wird in mehrfacher Hinsicht erschlossen. Im Vordergrund steht die systematische Darstellung seiner Lehren, vor allem der Lehren über den  Gott Viṣṇu-Nārāyaṇa und die Seele, denen er in seinen Sanskrit-Werken Nyāyasiddhāñjana, Tattvamuktākalāpa, Paramata­bhaṅga sowie Rahasyatrayasāra je ein eigenes Kapitel bzw. längere Abschnitte widmet. Über die systematische Darstellung und die Übersetzungen relevanter Textpassagen hinaus werden beide Themen, Gott und Seele, auch in Hinblick auf die Entwicklung dieser Lehren sowohl innerhalb der eigenen Schultradition als auch in ihrer kritischen Auseinandersetzung mit anderen Schulen (Advaita Vedānta, Nyāya, Vaiśeṣika, Sāṃkhya) untersucht. Einen weiteren Schwerpunkt bilden die noch wenig erforschten Parallelen zur Tradition des Madhva Vedānta. Dies betrifft vor allem die umfangreiche Rezeption der Lehren Rāmānujas und Veṅkaṭanāthas sowohl bei dem Madhva-Schüler Jayatīrtha (1365-1388) als auch Vyāsatīrtha (1460-1539).