Die Wahrheiten der Edlen in der buddhistischen Erkenntnistheorie des alten Indien

Die Wahrheiten der Edlen, nämlich die Lehren des Buddha zu Leiden und zur Befreiung von Leiden, stellen ein Hauptthema in der Geschichte des Buddhismus dar und sind auffällig in philosophischen Debatten Südasiens vertreten. Der indische Philosoph Dharmakīrti (6.-7.? Jahrhundert), einer der einflussreichsten Vertreter der buddhistischen erkenntnistheoretischen Tradition, diskutiert die vier Wahrheiten in seinem Erstlingswerk (Pramāṇavārttika) im Rahmen eines Beweises von der Autorität des Buddha als Mittel für gültige Erkenntnis. Das vorliegende Projekt wird diese Diskussion eingehend studieren anhand der Interpretation Manorathanandins (vermutlich 11. Jahrhundert), der den letzten Kommentar zu Dharmakīrtis Text auf Sanskrit verfasste. Eine kritische Edition und begleitende englische Übersetzung relevanter Abschnitte in dem Pramāṇavārttika und Manorathanandins Kommentar zu ebendiesem dienen als Grundlage der Studie. Für die kritische Edition der Sanskrittexte werden erhaltene Manuskripte, die diese Werke umfassen, sowie zugehörige tibetische Übersetzungen verwendet.

Ergänzt wird die historisch-philologische Methode des Projekts durch einen philosophischen Ansatz. Die Synergie zwischen beiden Betrachtungen wird Aufschluss geben über Dharmakīrtis geistige Agenda und die Rezeptionsgeschichte seines Werks. Zugleich wird diese Synergie eine detaillierte Analyse zu einem Hauptaspekts der Philosophie Südasiens hervorbringen, nämlich, wie philosophische Konzepte, in sowohl intra- als auch inter-doktrinellen Debatten, mit soteriologischen Themen verknüpft sind. Auf diese Weise wird das Projekt unser Verständnis von der Geisteswelt Südasiens in der vormodernen Zeit bereichern. Darüber hinaus vermittelt das Projekt durch den Fokus auf die kommentierende Interpretation eines philosophischen Werks ein ausgereifteres Bild von der hermeneutischen Tradition in Südasien und leistet einen Beitrag zu den jüngsten Aufforderungen nach Studien zur Geschichte der Philologie Südasiens. In der Tat bietet die philologische Aktivität, die in ebenjenen kommentierenden Erzeugnissen zu Dharmakīrtis Werk reflektiert wird, reichhaltig Material für derartige Untersuchungen.

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