Durch zahlreiche öffentliche Denkmale, Fresken, Altarbilder und Druckgrafiken wurde der hl. Johannes von Nepomuk zu einer allgegenwärtigen Figur im Barockkatholizismus. Besonders Bildstöcke, Brückenfiguren und kleinen Kapellen prägten – und prägen zum Teil bis heute – die mitteleuropäische Sakrallandschaft zu einem wesentlichen Teil. Als Johannes von Nepomuk am 19. März 1729 – nur wenige Jahre nach seiner Seligsprechung 1721 – in Rom heiliggesprochen wurde, zählte er längst zu den bekanntesten und beliebtesten Heiligen des Barock. Die Verehrung des böhmischen Märtyrers hatte bereits mit seinem Tod im 14. Jahrhundert eingesetzt, und verbreitete sich bis ins frühe 18. Jahrhundert in ganz Mitteleuropa. Aufgrund seines Martyriums erlangte der Heilige vor allem als „Brückenheiliger“ große Bekanntheit.

Der Forschungsschwerpunkt der Arbeitsgruppe „Habsburgische Repräsentation“ des IHB hat sich zum Ziel gesetzt, der Frage nachzugehen, wie der böhmische Märtyrer im 18. Jahrhundert zu einem „Hausheiligen“ der habsburgischen Dynastie und zu einem „Schutzpatron Wiens“ wurde und welche Rolle den unterschiedlichen Bild- und Textmedien in diesem Prozess zukam.

Die von den böhmischen Eliten, Kaiser Karl VI. und den Jesuiten forcierte Selig- und Heiligsprechung des hl. Johannes von Nepomuk legitimierte bereits bestehende Verehrungstraditionen und beförderte neue Kultformen. Besondere Berücksichtigung findet im laufenden Forschungsschwerpunkt das latente Spannungsverhältnis zwischen regionalen und transregionalen Vereinnahmungen des Heiligen sowie dessen Doppelfunktion als Hausheiliger der Habsburger und Landespatron Böhmens. Es wird daher verstärkt der Frage nachgegangen werden, welche konkreten Aktionen das Herrscherhaus – über die bereits bekannten Initiativen anlässlich des Kanonisationsprozesses – setzte, um den Heiligen als Patron der habsburgischen Länder zu implementieren und seine Verehrung zu fördern.

Als Wahrer des Beichtgeheimnisses und Prediger verkörperte der hl. Johannes von Nepomuk, verstärkt durch eine zumeist uniforme Darstellungsweise, das Ideal eines katholischen Priesters. Zugleich sind Sternenkranz und Zunge charakteristische Heiligenattribute, die zu seiner einzigartigen Profilierung beitrugen. Untersucht werden daher unterschiedliche Image- und Typenbildungen in öffentlichen Denkmalen und Kirchenausstattungen. Darüber hinaus nimmt das Projekt auch Nepomuk-Predigten in den Fokus, um mithilfe qualitativer und quantitativer Auswertungen Aussagen über Ordensvereinnahmungen, Prediger und Predigtorte sowie inhaltliche Beziehungen zu Bildmedien treffen zu können.