Die Untersuchung der Repräsentation von Herrschaft kann auch auf dem Gebiet der historischen Kartographie in den habsburgisch regierten Ländern ergebnisreich entwickelt werden. Die zweidimensionalen Stadt- und Landkarten des 16. – 18. Jahrhunderts bieten hiefür einen exzellenten Objektfundus.

Karten sind Objekte, die auf „textbildliche“ Weise öffentliche Räume mit grafischen Zeichen, Buchstaben, Texten und Symbolen beschreiben. Als kulturelle Texte sind sie hochgradig geeignet für die Analyse und versprechen großen Erkenntnisgewinn hinsichtlich des Kontextes von Raum und visualisierter Macht in den Habsburgischen Ländern (Ungarn, Böhmen, Österreich). Das Forschungsinteresse ist dabei gelenkt vom – gerade durch die jüngste Forschung gestützten – Wissen um die intermediale Beschaffenheit der Landkarten, deren genuine Aufgabe es u.a. ist, Herrschaftsräume abzubilden und zuzuordnen. Von großer Bedeutung für die Kartenproduktion war zweifellos das ungarische Gebiet (inkl. Kroatien, Slowakei, Siebenbürgen etc.), das wechselseitig Herrschafts- wie Anspruchsraum der Habsburgischen und Osmanischen Dynastie war.

Zur Erfassung von Funktion und Bedeutung der Länderkarten (der einzelnen Erblande, Ungarns, Böhmens oder Mährens) als Medium ist das Wissen um die jeweiligen Auftraggeber – als Adressanten, die bestimmte Interessen mit der Publikation und Verbreitung des Mediums verbinden – Voraussetzung: Auftraggeber werden im Regelfall der Landesfürst, die Landstände oder die Stadtregierung sein, aber auch international agierende, vorrangig am Verkauf der Karten interessierte Verleger. Gerade in der Präzisierung der Auftraggeberschaft liegt ein beachtliches Potential für eine kommunikationshistorische Untersuchung: Welches konkrete Interesse an der Produktion und Verbreitung einer Karte hat deren Auftraggeber und auf welche Weise wird dieses Interesse auf der Karte zur Darstellung gebracht?

Ziel ist die Erarbeitung einer Grundlage für die Bild- und Herrschaftsgeschichte der Land- und Stadtkarten der habsburgischen Länder im gegenständlichen Zeitraum.

Am 5. und 6. Oktober 2017 fand an der ÖAW ein Internationaler Workshop zum Thema "Kartographie im frühneuzeitlichen Mitteleuropa (Raum – Herrschaft – Methode)"statt.

2017/18 wurde ein vom Land Wien ko-finanziertes Projekt zur Recherche von Land- und Stadtkarten Mitteleuropas mit Schwerpunkt Wien in der Frühen Neuzeit durchgeführt; und zwar: in den Beständen der Kartensammlung der ÖNB, der Sammlung Woldan der ÖAW, im Wien Museum, dem Wiener Stadt- und Landesarchiv und dem Haus-, Hof- und Staatsarchiv.

Ein weiterer Workshop zum Thema "Herrschaft kartieren. Schriftbildliche Darstellungen der habsburgischen Lande im Zeitalter des Humanismus", der im Jänner 2021 in Wien stattfinden soll, wird gemeinsam mit Martina Stercken, Historisches Seminar/ZHM der Universität Zürich, vorbereitet.