Jovan Ritopečkis fotografische Dokumentation der jugoslawischen Arbeitsmigration in Österreich (1970-1989)


Das Forschungsprojekt nimmt fotografische Repräsentationen der jugoslawischen Arbeitsmigration im Österreich der 1970er und 1980er Jahre in den Blick. Damit schließt es eine evidente Forschungslücke im österreichischen Kontext, da die Bildwelten, die diese Geschichte hervorgebracht hat, bis heute weder wissenschaftlich untersucht noch fotografische Quellen zum Thema systematisch aufgearbeitet wurden.

Ausgangspunkt der Untersuchung bildet die erstmalige Bearbeitung des fotografischen Nachlasses des jugoslawischen Fotografen Jovan Ritopečki (1923-1989), der 1966 von Belgrad nach Wien eingewandert war und sich zu Beginn der 1970er Jahre als Pressefotograf selbstständig machte. Untersucht wird, wie die jugoslawische Migration in seinen Fotografien visualisiert und durch die zeitgenössischen gesellschaftlichen Kontexte sowie Verwendungsweisen geprägt wurde.

Der Nachlass stellt dafür eine reiche Quellenbasis dar: Ritopečki dokumentierte wie kein anderer Fotograf in Österreich über eine Zeitspanne von 20 Jahren die Lebensverhältnisse jugoslawischer Migrant_innen. Eine daran anknüpfende Ausgangshypothese lautet, dass Ritopečkis Fotografien aufgrund der sozialen Positionierung des Fotografen, seiner umfangreichen fotografischen Produktion und der Gebrauchs- und Verwendungsweisen seiner Fotografien Einblicke in bisher kaum beachtete Dimensionen des sozialen Lebens und Alltags von jugoslawischen Arbeitsmigrant_innen geben und so eine Perspektivenverschiebung auf die Geschichte der jugoslawischen Migration nach Österreich ermöglichen.
Für die Bildanalyse wird auf die Methode der seriell-ikonografischen Fotoanalyse zurückgegriffen.

Anhand der Untersuchung zentraler Themen und Motive im historischen Längsschnitt sollen die Dominanten und historischen Veränderungen und Verschiebungen in der fotografischen Arbeit Ritopečkis festgestellt sowie ihre Wechselbeziehung zu gesellschaftlichen Entwicklungen nachgezeichnet werden. Von Interesse ist, inwiefern Ritopečkis Fotografien auch als sozialkritische Reflexion der Lebensverhältnisse jugoslawischer Migrant_innen in Österreich lesbar gemacht werden können. Weitere Analyseebenen betreffen genderspezifischen Aspekte der Repräsentation, die transkulturelle und translokale Dimension seiner Bildproduktion sowie Fragen zur identitäts- und gemeinschaftsstiftenden Dimension von Ritopečkis Fotografien für die Selbstverortung und -repräsentation jugoslawischer Migrant_innen in Österreich.

Anhand der Fallstudie sollen neue Bildquellen der Forschung und Öffentlichkeit verfügbar gemacht werden. Einen integralen Bestandteil des Projektes stellt die Digitalisierung und öffentliche Präsentation eines repräsentativen Bestandes aus dem Fotonachlass Ritopečki im virtuellen Visual Archive Southeastern Europe (VASE) dar. Die digitale Sammlung wird in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Informationsmodellierung – Austrian Centre for Digital Humanities an der Karl-Franzens-Universität Graz entwickelt.

 

 

 

Websites der Projektpartner:

Visual Archive Southeastern Europe
Zentrum für Informationsmodellierung der Universität Graz

Kontakt

Dr. Vida Bakondy


Laufzeit

13.1.2020-12.01.2024


Finanzierung

Fonds zur Förderung wissenschaftlicher Forschung (FWF): Projektnummer T 1083-G

Hertha-Firnberg-Programm