Periurbane Form in den Peruanischen Anden

Kleinbäuerliche Wahrnehmung und Performanz

Laufzeit: 
November 2019–Oktober 2023

Finanzierung: 
FWF (P 31855-G) 

Projektleitung: 
Andreas Haller

Während der Globalisierung der letzten drei Jahrzehnte waren die Zersiedelung und der Verlust von Agrarland durch Siedlungswachstum bedeutende Prozesse im Hinterland vieler Städte. Diese Prozesse hatten und haben sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf periurbane Landwirte. In Gebirgstälern, zum Beispiel in den peruanischen Anden, wo seit den 1980er Jahren die produktivsten Flächen von periurbanen Talböden zunehmend urbanisiert werden, wird dies besonders klar: Erstens, weil die Talböden im Gegensatz zu den Hängen und Hochebenen bewässert werden und so bedeutend für die agrarische Produktion – und die Schaffung von Einkommen – während der Trockenzeit sind, und zweitens, weil das Land am Talboden oft nur von Bauern gepachtet wird. Die eigentlichen Landeigentümer weigern sich zunehmend, Land weiterhin zu verpachten, weil sie in Erwartung hoher Bodenpreise mit dem Verkauf von Grundstücken an Immobilienentwickler spekulieren.

Unterschiedliche Formen des Städtewachstums in Andentälern wirken sich verschieden auf die periurbanen Kleinbauern aus. Diese bevorzugen allerdings keineswegs ausschließlich kompaktes Wachstum, sondern finden durchaus auch die Zersiedelung am Talboden vorteilhaft. Diese ermöglicht es ihnen, von den Vorteilen der Verstädterung/Urbanisierung (z. B. verbesserte Infrastruktur) zu profitieren und gleichzeitig Landwirtschaft betreiben zu können. Diese Tatsache wurde von der Wissenschaft weitestgehend ignoriert.

Das Projekt zielt darauf ab, die Veränderungen der Stadtgestalt sowie der Landbedeckung für die drei andinen Städte Cajamarca, Huancayo und Cusco (einschließlich dem jeweiligen Umland) zu beschreiben und zu erklären. Der zeitliche Fokus liegt dabei auf den letzten drei Jahrzehnten. Es werden die Wahrnehmungen periurbaner Kleinbauern hinsichtlich dieser Veränderung erfasst und die Konsequenzen für die vertikale agrarische Landnutzung analysiert. Schließlich identifiziert das Projekt die von Kleinbauern bevorzugten Formen des Städtewachstums und erarbeitet in einem kollaborativen Prozess potentielle „performance zones“, die auf Grundlage von gemeinschaftlich definierten Qualitätskriterien die flexible Raumplanung des Übergangsbereichs von Stadt und Land sowie Tal und Berg ermöglichen könnten.

Das Projekt stellt insgesamt einen wichtigen Beitrag zu einem besseren Verständnis der Probleme andiner Kleinbauern, die an der Peripherie wachsender Städte leben, dar. Zugleich ist es ein vielversprechender Versuch, periurbane Gebiete in Gebirgsräumen des Globalen Südens gerechter und zukunftsfähiger zu machen.