Amenity Migration

Finanzierung:
Tiroler Wissenschaftsfonds

Laufzeit:
2010–2011

Leitung:
Dr. Sigrun Kanitscheider

Wohlstandsmigranten („amenity migrants“) suchen ihre künftigen Wohnstandorte nach unterschiedlichen Kriterien wie landschaftlicher Attraktivität, klimatischer Gunst und interessantem sozialen, kulturellen und/oder touristischen Infrastrukturangebot aus. Der Bezirk Osttirol als Beispiel für den peripheren alpinen Raum bietet viele der gefragten Charakteristika und stellt damit ein potentielles Ziel für Wohlstandsmigranten im fortgeschrittenen Alter dar, obwohl er aufgrund seiner peripheren Lage in Bezug auf die größeren städtischen Zentren mit dem entsprechenden Bildungs- und Arbeitsplatzangebot sowie seiner auf Landwirtschaft und Tourismus basierenden Wirtschaftsstruktur zu den Abwanderungsregionen der ökonomisch aktiven Bevölkerung zählt. Unter Berücksichtigung des demographischen Wandels wird „Amenity Migration“ in Europa in dem kommenden Jahrzehnten zunehmend an Bedeutung gewinnen und damit für die Zielregionen der Migrationsströme in höchsten Maße wettbewerbsrelevant sein.

Ziel des Projektes ist daher die Untersuchung des regionalwirtschaftlichen Entwicklungspotentials von älteren Zuwanderern (Best Age Rural Pioneers, BARPs) in den Bezirk Osttirol. Dabei wird zunächst anhand der bereits Zugewanderten die gegenwärtige Situation in verschiedenen Gemeinden analysiert. Mit Hilfe von leitfadenorientierten Interviews mit Zugewanderten werden die Wanderungsmotive, die Nutzung der lokalen Infrastruktur, spezielle Interessen und Bedürfnisse erfasst. Die Befragung von lokalen Wirtschaftsakteuren und Gemeindepolitikern, aber auch der BARPs selbst wird Aufschluss über die ökonomische Relevanz, mögliche Nutzungskonkurrenzen von beschränkten Ressourcen sowie die soziale Integration der Zugewanderten geben.

In Zusammenarbeit mit allen Befragten wird in der Folge erarbeitet, ob ältere Zuwanderer mit ihren spezifischen Bedürfnissen und Interessen für die ausgewählten Gemeinden Osttirols einen wirtschaftlichen Faktor darstellen können, der im Interesse der Region ausgebaut werden sollte. Im positiven Fall werden anschließend mögliche Strategien erarbeitet, wie die Osttiroler Gemeinden BARPs in Zukunft vermehrt zur Ansiedlung bewegen können.

Anhand von ausgewählten Beispielorten wird in enger Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung geprüft, ob und unter welchen Bedingungen ältere Zuwanderer für die Gemeinden Osttirols eine attraktive Möglichkeit zur ökonomischen Diversifizierung unter Nutzung und/oder Ergänzung vorhandener touristischer Infrastruktur sein könnte. Dabei wird insbesondere der Aspekt des Erhaltes von regionalen Strukturen der (Land-)Wirtschaft, aber auch der Gesellschaft berücksichtigt. Mit den Ergebnissen des Projektes sollen den Osttiroler Gemeinden im speziellen, im weiteren Sinne jedoch auch anderen Gemeinden des ländlichen alpinen Raumes eine fundierte Analyse der Bedürfnisse und Interessen älterer Wohlstandsmigranten sowie der aus der Zuwanderung resultierenden Chancen und Risiken für die einzelnen Gemeinden zur Verfügung gestellt werden.

Mit der Untersuchung nachhaltiger regionaler Entwicklungsmöglichkeiten einer alpinen ländlichen Region unter den gegenwärtigen, vor allem in gesellschaftlicher Hinsicht dem Global Change unterworfenen Rahmenbedingungen orientiert sich das Projekt inhaltlich an dem Forschungsförderungsschwerpunkt Umwelt/Nachhaltigkeit: Alpine Raum/Globaler Wandel der LFU Innsbruck. Die Bedingungen, die in den Herkunftsregionen zur Wohlstandmigration führen, wie etwa die typischen Wanderungsmotive, die wirtschaftliche Möglichkeiten, das Know-how etc.) erwachsen erst aus dem Globalen Wandel.

Erste Ergebnisse wurden in folgendem Artikel veröffentlicht, weitere Publikationen sind in Vorbereitung:

Bender, O. & S. Kanitscheider (2012): New Immigration Into the European Alps: Emerging Research Issues. In: Mountain Research and Development 32 (2), S. 235–241.