VI.

 Identitäts
spuren

WittgensteinProjekt 2005-2010

 

 

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In diesem Schwerpunkt soll der Horizont der Mittelalterforschung überschritten werden. Dabei geht es zum einen um die Zusammenarbeit mit Nachbardisziplinen und die methodischen Probleme, die sich dabei ergeben, zum anderen um den Vergleich zwischen Zeiten und Kulturen. In Zusammenarbeit mit wiener- und ausländischen Kollegen und Kolleginnen sollen Workshops veranstaltet, und wo sinnvoll, gemeinsame Publikationen erarbeitet werden; angestrebt werden auch gemeinsame interdisziplinäre Lehrveranstaltungen.

 
Methodische Probleme der Erforschung historischer Identitäten:
 
Begegnungen zwischen den Disziplinen
 
Archäologische Befunde und historische Deutungen
Wie können Zeichen und Spuren vergangener Identitäten gedeutet werden? Die aktuellen Debatten um die ethnische Deutung archäologischer Befunde sollen hier in einen weiteren methodischen Kontext gestellt werden. Möglichkeiten und Grenzen einer Entzifferung von Symbolen und Ritualen, Prestigegütern und Gebrauchsgegenständen, kurz einer ‚Archäologie der Identitäten’, sollen im interdisziplinären Gespräch gemeinsam mit Archäologen, Ethnologen, Philologen, Kulturwissenschaftern und anderen erörtert werden.
 

Biologische Fährten: Körperliche Prägungen und kulturelle Identitäten
Ganz neue Herausforderungen bieten die naturwissenschaftlichen Methoden, mit denen die Bewegungen menschlicher Bevölkerungen rekonstruiert werden können: vor allem die Genforschung, aber auch Spurenelement-Analysen oder die Untersuchung von Krankheiten und Immunitäten. Dabei wurde jedoch oft vorschnell von genetisch (oder linguistisch) definierten ‘Bevölkerungen’ auf historische ‘Völker’ geschlossen, was die Gefahr einer Rückkehr zur so verhängnisvollen rassisch-biologischen Definition ethnischer Identitäten birgt. Hier soll eine interdisziplinäre Methodendiskussion begonnen werden, um Möglichkeiten und Grenzen der Genforschung für die historischen Disziplinen auszuloten.

Die politische Rolle ethnischer Identitäten im Kulturvergleich
Welche Rolle spielten Völker in der politischen Landschaft, wie wurden ethnische Identitäten verstanden? Dabei ist besonders der Vergleich des lateinischen Europa mit den anderen nachantiken Kulturen des Mittelmeerraumes, Byzanz und der islamischen Zivilisation, wichtig. Warum wurden im lateinischen Westen während des Mittelalters Völker zu Trägern politischer Herrschaft, während ethnische Bindungen etwa in der islamischen Welt oder in Byzanz eine ganz andere Rolle spielten? Aber auch der Vergleich zwischen den Zeiten – mit der klassischen Antike, und mit dem Spätmittelalter und der frühen Neuzeit – kann viele neue Erkenntnisse bringen. War die starke politische Rolle der Völker eine abendländische Besonderheit? Diese Frage soll in Zusammenarbeit mit Vertretern anderer Wissenschaften diskutiert werden.