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Bearbeiter: Albrecht Diem Kontakt

Forschungsaktivitäten am Institut für Mittelalterforschung


Zusammenfassung des Artikels

‚The Rule of an Iro-Egyptian monk in Gaul. Jonas of Bobbio’s Vita Iohannis and the construction of monastic identity’

erscheint in Revue Mabillon

Jonas von Bobbio konstruierte in seiner Vita Iohannis anhand eines weitgehend fiktiven Heiligen eine neues Konzept monastische Identität durch das Zusammenfügen unterschiedlicher Textschichten, in denen er seinem Heiligen einerseits Qualitäten der Wüstenväter (insbesondere des Antonius) verleiht, ihm ein historisch-politisches Umfeld verschafft, das aus dem Werk Gregors von Tours übernommen ist, ihm eine monastische Theologie zuschreibt die sich auf Johannes Cassian beruft, und ihn dann

als perfekten Columbanischen Abt handeln lässt.

Damit schafft Jonas dem Columbanischen Klosterwesen mit all seinen Innovationen eine glaubwürdige kontinentale Vergangenheit und Identität.

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Zusammenfassung des Artikels

‚Monks, kings and the transformation of sanctity’

erscheint im Speculum, Juli 2007

Jonas’ Vita Columbani wird als wichtigster programmatischer Text des für die weitere Entwicklung der mittelalterlichen Klosterwesen zentralen columbanischen Klosterbewegung analysiert. Zu den wichtigsten Innovationen, die in diesem Text propagiert werden, gehört das Konzept der Unschändbarkeit des klösterlichen Raumes und des klösterlichen Besitzes, das Konzept des Klosters als königliche und adelige Gründung und Institution stellvertretenden Gebetes. Jonas erklärt den Schutz und die Unzugänglichkeit des Klosters (als Basis für Kontinuitätssicherung) vor allem aus einer Übertragung von Heiligkeit und (strafender) Wundermacht vom ‚Holy Man’ Columbanus auf die klösterliche Gemeinschaft. Klöster werden auf diese Weise zu Orten organisierbarer Heiligkeit. Wichtig ist, daß Jonas diese Entwicklung nachdrücklich mit den politischen Entwicklungen im Fränkischen Reich verbindet. Der Niedergang der Dynastie der Brunichildis ist als eine Folge des falschen Umgangs mit klösterlicher Macht beschrieben; der Aufstieg von Chlothar II wird von Jonas nicht zuletzt als Folge seiner Klosterpolitik dargestellt.

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Zusammenfassung des Vortrages

,Disciplining emotions in early medieval monasticism’

Der Vortrag wurde gehalten am 28.Oktober 2005. Eine erweiterte Fassung mit neuen Ergebnissen wird gehalten am 12. Juli 2006 beim International Medieval Congress in Leeds. Die Publikation des Vortrages ist geplant.

In meinem Beitrag diskutiere ich die Frage, inwieweit sich der Übergang vom spätantiken zum mittelalterlichen Klosterwesen ausgewirkt hat auf die klösterlichen Techniken der Disziplinierung von Emotionalität. Dabei will ich anknüpfen an die in meiner Dissertation untersuchten Techniken der Prävention sexuellen Handelns und Formen demonstrativer Keuschheit. Die in diesem Zusammenhang wichtige Frage der Kontrolle von caritas/amor (gleichzeitig notwendig und gefährlich) soll gespiegelt werden mit der entgegengesetzten potentiell gemeinschaftsschädlichen Emotion, nämlich dem Zorn.

Ich konzentriere mich in meinem Beitrag vor allem auf Material aus Klosterregeln, dieses aber im breiteren Kontext hagiographischer und anderer monastisch-programmatischer Quellentexte interpretieren. Sowohl zu (richtiger und falscher) caritas als auch zu ira besteht eine spätantike Tradition, auf die frühmittelalterliche programmatische und normierende Texte aufbaut, beide Aspekte müssen allerdings aufgrund der ‚asketischen Transformation des 7. Jahrhunderts’ (wie ich sie nennen würde) neu definiert und neuen Rahmenbedingungen angepasst werden.

Es entstehen neue Rekrutierungstechniken, neue Motivationen zum Klostereintritt, neue monastische Lebensweisen, veränderte innere Strukturen, neue Interessen der Außenwelt etc. Dies schlägt sich, so meine Vermutung, massiv nieder in Formen der Benennung und Disziplinierung von Emotionalität.

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Zusammenfassung des Vortrages

,Transformationen von Heiligkeit: Jonas von Bobbio und der Beginn des mittelalterlichen Klosterwesens’

Der Vortrag wurde gehalten am 19. November 2005 bei der Tagung Das Charisma. Funktionen und Symbolische Repräsentationen, organisiert von der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Heidelberg. Die Publikation einer bearbeiten Fassung ist geplant.

Die beiden monastischen Heiligenleben des Jonas von Bobbio (Vita Columbani und Vita Iohannis), entstanden in der Mitte des siebten Jahrhunderts, sind zugleich als Hauptquelle und als programmatisches Manifest für die Transformation diverser asketisch-monastischer Lebensformen zum ‚mittelalterlichen’ Klosterwesen zu betrachten. Das Webersche Modell der Institutionalisierung von Charisma erweist sich (neben Peter Browns Modell des Holy Man) als überaus nützliches Hilfsmittel zum Begreifen dieses für die gesamte mittelalterliche Geschichte prägenden Transformationsprozesses. Eine eingehende Analyse der Texte und ihres textlichen und historischen Umfeldes zeigt jedoch auch die Grenzen des Weberschen Modells. Neben grundsätzlicher Kritik, vor allem daran, dass Weber die Rolle des Textes selbst in Prozessen der Institutionalisierung von Charisma nicht beachtet, liefert Jonas’ Werk die Möglichkeit einer verfeinerten Analyse von Institutionalisierungsprozessen, die sich auf Aspekte wie die Rolle von Ort, Raum, räumliche Grenzen, Reinheit, individueller und gemeinschaftlicher Wundertätigkeit etc. erstrecken.

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Kurzzusammenfassung des Buchprojekts

Shaping an Ideal Community. The Regula cuiusdam ad virgines and the Rise of Western Monasticism

Dieses Buchprojekt beruht auf der bereits fertig gestellten kritischen und breit kommentierten Edition der Regula cuiusdam ad virgines (Mitte 7. Jahrhundert). Dieser Text, die letzte selbständig verfasste Klosterregel des Frühmittelalters soll aus Ausgangspunkt genommen werden für eine Reihe von Längsschnitten, die sich mit bislang wenig untersuchten, doch meiner Ansicht nach für das Verstehen des klösterlichen Institutionalisierungsprozesses zentralen Problemen befasst, u.a.:

• Die Rolle von Raum und Grenzen

• Nachlässigkeit, Motivation und Liebe

• Transformationen der Askese: Vom geregelten Fasten zum geregelten Essen

• Beichte, Buße, Schweigen und das Management der eigenen Sündigkeit

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Abstract der Session Regulating Emotions in Early medieval Monasticism beim International Medieval Congress, Leeds, 12. Juli 2006 

Monastic communities were complicated and extremely delicate forms of closed communities, constantly endangered by internal conflicts or by a decline of motivation and discipline. For keeping these communities alive, an effective 'emotional management' was absolutely necessary. Organizing monastic life required much more than simply regulating behavior by  order and prohibition. For controlling negative emotions such as hate and envy, for stimulating motivation, and for fulfilling emotional desires such as warmth, security, and love, one needed more advanced disciplining and organizing techniques. The three speakers of this session focus on three monastic genres that played a decisive role in this ‘emotional management’, and on three specific sets of emotions. Albrecht Diem gives a survey of techniques used to control and discipline sinful/dangerous emotions, such as hate, envy and pride in early monastic rules. Julian Hendrix focuses on the emotion of grief and the way of controlling and expressing it in liturgical ordines. Matthew Ponesse investigates the necessity and limits of fraternal love on the basis of Smaragdus’ Commentary on the Regula Benedicti.

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Rewriting the Regula Benedicti: Intertextuality and the Use of Monastic Rules

Vortrag wird gehalten am 5. August 2006 bei der Konferenz Interpreting Latin Texts in the Middle Ages (ca. 500 – ca. 1500). Fifth International Congress on Medieval Latin Studies, Toronto

My paper focuses on the Regula cuiusdam ad virgines (written c. 650), one of the earliest pieces of evidence that the Regula Benedicti was known in Francia.  Traditional historiography usually rechons that about 60% of the text is inspired by the Regula Benedicti. What does 60% Regula Benedicti really mean?

I will present results from a detailed comparison of Benedict’s Rule with the Regula cuiusdam focusing especially on the techniques of réécriture applied by the author of the Regula cuiusdam, who managed to use words, phrases and ideas from Benedict’s Rule and occasionally from other monastic texts to create a highly original and innovative monastic program.

I will show that aspects such as the choice and arrangement of topics (and the omission of other ones), the – sometimes manifest, sometimes very subtle – modifications and the transformation/translation of specific monastic terminology provide a unique key for the understanding of the development of the monastic institution in the Early Middle Ages.

The selective adaptation of the Regula Benedicti gives insights in the authority, the normative function and the actual use of monastic rules, calling into question traditional notions of textual observance. It provides information on how different monastic landscapes communicated and reveals the development of different ‘monastic language’ which reflected both changes in social circumstances and theological developments. Moreover, comparing both texts, one written for a community of monks, the other one for a female ascetic community presents us with new insights in the still open question how ‘gendered’ was early medieval monasticism.

In a second approach I will compare this specific act of réécriture with other forms of intertextuality in monastic rules. There is a general tendency in early medieval monastic rules to use ‘old words’, established terminology, phrases or complete sections of old and established texts, to say ‘new things’, that is to formulate organizational innovations or programmatic changes. Based on this evidence I will try to draw some general conclusions on the question which role a textualized monastic tradition played for the development of a monastic identity.

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Summary of Das monastische Experiment. Die Rolle der Keuschheit im frühen westlichen Klosterwesen: LIT-Verlag 2005 (Vita Regularis, vol. 24, red. Gerd Melville, University of Dresden).

In this book, I investigate the origins and the early development of the monastic idea and institution in Western Europe, especially in late antique Gaul and in the early medieval Frankish kingdoms. It focuses on one central aspect of this development: the monastic discourse on chastity, sexual desire and ritual purity. Sexual abstinence always formed a conditio sine qua non for every ascetic or monastic lifestyle. However, the ways of describing, categorising and contextualising sexual desire and the techniques of ‘organising’ chastity give a fruitful access not only to major developments of monastic theology and anthropology but also to the integration of monasteries in political and ecclesiastical structures.

The first chapter gives an overview of the texts that were ‘on the bookshelf’ of the first Western monastic founding fathers, i.e. the written heritage of the desert fathers as far as it was preserved in Latin: late antic monastic rules and hagiographic texts, such as the Vita Antonii, and the saints’ lives written by Jerome and especially collections of sayings and anecdotes of the desert fathers. The chapter ends with a study on the theories on chastity developed by John Cassian and on the reception of Cassian in the Early Middle Ages. The main conclision of this investigation is that the desert fathers regarded ascetic life as a lifelong struggle against one’s inborn sexual desire; John Cassian especially developed a highly elaborate and still fascinating psychological program in order to provid support for this struggle.

The second chapter, the central part of the book, investigates the development of the monastic ideal as a continuous social experiment that can be reconstructed on the basis of the corpus of early medieval monastic rules. The focus on chastity reveals insights into the development of concepts of the monastery as a sacred space, the rise of intercessory prayer and the refinement of techniques of power and control within monastic communities. Comparing monastic rules reveals a general shift of interest from techniques used in individual battles against sexual desire to those used to organise monastic communities and monastic spaces as pure and sacred spaces safeguarded by the absence of sexual acts. An important result is that medieval monasticism in that sense is rooted much more in the tradition of enclosed urban communities of praying virgins and widows than in desert father monasticism.

The third chapter compares these results with the evidence given by other early medieval sources, especially the acts of episcopal councils and early medieval hagiography. Episcopal councils reveal interactions between the development of clerical celibacy and monastic chastity; hagiographic sources confirm the major shift in the notion of sexuality that could be found in ascetic and monastic programmatic texts. The monastic ideal as it is proclaimed in Merovingian hagiography is determined by the complete absence of sexual desire and a rather performative chastity – a feature that was quite different from late antique holy men who always were aware of the threatening presence of their own sexual desire and who had to fight a lifelong battle for chastity.

Since I intended to take the textual transmission and the reception history of all the major sources into account, my theses can also be used as a repertoire of both the Latin heritage of desert father monasticism and early medieval programmatic monastic texts. In order to provide access to the textual world of early medieval monasticism, I document a list of about 150 descriptions of early medieval manuscripts containing programmatic monastic texts.

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Zusammenfassung des Artikels

Was the first medieval monk a woman?

Dieser Artikel behandelt das Spannungsfeld zwischen der sich in frühmittelalterlichen monastischen Texten manifestierenden historischen Eigenwahrnehmung als einer in der Wüstenväteraskese wurzelnden Bewegung, und der Tatsache, daß viele programmatische und organisatorische Aspekte des mittelalterlichen Klosterwesens sich gerade nicht auf das das Wüstenmönchtum der Spätantike zurückführen lassen. Die vielfältige Tradition spätantiken asketischen Lebens von Frauen wird zwar den Texten im lateinischen Klosterwesen nicht als Teil der eigenen Geschichte wahrgenommen, erweist sich aber trotzdem in vielerlei Hinsicht als der Nährboden aus dem die 'mittelalterlichen' Aspekte des mittelalterlichen Klosterwesens hervorgehen. Ein Moment der Übertragung findet in der Gründung des Nonnenklosters von Arles durch Bischof Caesarius zu Beginn des sechsten Jahrhunderts statt. Ob der erste mittelalterliche Mönch eine Frau war, darüber lässt sich streiten, gesicherter ist hingegen, daß das erste mittelalterliche Kloster ein Frauenkloster war.

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Monastic Landscapes and Political Strucutres International Medieval Congress, Leeds

Session:

TEXTS AND IDENTITIES: MONASTIC LANDSCAPES AND POLITICAL STRUCTURES IN LATE ANTIQUITY AND THE EARLY MIDDLE AGES 1
Sponsor: Institut für Mittelalterforschung der Österreichischen
Akademie der Wissenschaften / Utrecht Centre for Medieval Studies,
Universiteit Utrecht / Faculty of History, University of Cambridge
Organisers: Albrecht Diem, Maximilian Diesenberger, Gerda Heydemann, Rob Meens,
Moderator: Helmut Reimitz

  • 1st paper: Ways of Interaction between Emperor and Monks at Constantinople in the Fifth Century A.D, Kai Trampedach,
    Fachgruppe Geschichte, Universität Konstanz

  • 2nd paper: Cities transformed: Bishops, poor relief and the emergence of urban monasticism in late antique Gaul, Steffen Diefenbach,
    Lehrstuhl für Alte Geschichte, Universität Augsburg

  • 3rd paper: Celebrating Diversity? Gregory of Tours on monasticism, Albrecht Diem,
    Institut für Mittelalterforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien

Session:

TEXTS AND IDENTITIES: MONASTIC LANDSCAPES AND POLITICAL STRUCTURES IN LATE ANTIQUITY AND THE EARLY MIDDLE AGES 2
Sponsor: Institut für Mittelalterforschung der Österreichischen
Akademie der Wissenschaften / Utrecht Centre for Medieval Studies,
Universiteit Utrecht / Faculty of History, University of Cambridge
Moderator: Mayke de Jong, University of Utrecht

  • 1st paper: A monastery between royal and local politics. The case of St. Gallen, Bernhard Zeller, Institut für Mittelalterforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien

  • 2nd paper: Minsters and monasteries in the Wessex of King Ine, 688-726, John Clay,  Department of History, University of York

  • 3rd paper: The creation of sacred space in the foundation stories of Franconian Benedicine abbeys from the ninth and tenth century, Christopher Zwanzig, Institut für Geschichte, Universität, Erlangen-Nürnberg

Respondent: Conrad Leyser, University of Manchester

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Zusammenfassung des Aufsatzes Van liefde, vrees en zwijgen

Dieser Aufsatz geht davon aus, daß die Kontrolle und Beherrschung negativer Emotionen (vor allem Wut/Aggression, Neid, Unzufriedenheit) ein notwendiger Aspekt klösterlicher Disziplinierung ist und deshalb in fast allen Klosterregeln eine bedeutende Rolle spielt. Während die meisten Klosterregeln sich darauf beschränken, die Manifestation unerwünschter Emotionen zu verbieten und gegebenenfalls zu bestrafen, lassen sich bei vier Klosterregeln (der Regula Benedicti, der Regula magistri, der Nonnenregel des Caesarius und der Regula cuisdam ad virgines) unterschiedlicher Formen eines ‚emotionalen Managements’ erkennen, das darauf zielt, nicht nur die Manifestationen negativer Emotionen zu disziplinieren, sondern bereits bei der Entwicklung von Emotionen anzusetzen. Die hierbei verwandten Techniken liefern in ihrer Unterschiedlichkeit einen weiteren Beweis dafür, welch vielfältige Formen klösterliches Leben in seiner frühen, experimentellen Phase angenommen hat.

Während die Regula Beneidicti und die Regula magistri vor allem zum Ziel haben, jegliches individuelle Handeln als Akt von Demut und Gehorsam zu definieren und den Eigenwillen des Mönchs zu unterdrücken, setzt Caesarius’ Nonnenregel darauf, daß die Klostermauer als Grenze zwischen Gemeinschaft und Außenwelt auf die Dauer die individuelle Grenze zwischen innerer Motivation und äußerem Handeln ersetzt. Die Regula cuiusdam verknüpft das Augustinische Ideal des Klosters als Liebesgemeinschaft mit der Vorstellung, daß die gegenseitige Liebe eine zentrale Rolle in der Sicherung des Seelenheils spielt. So sehr wie in der Regula Benedicti jegliches Handeln von Demut, Gehorsam und Furcht bestimmt sein mußte, zielt die Regula cuiusdam darauf, daß alle sozialen Interaktionen Akt und Ausdruck der Liebe sind.


Zusammenfassung des Aufsatzes ‚A classicizing friar at work

Dieser Aufsatz behandelt das Thema der mittelalterlichen Rezeption klassischer Literatur und des Umgangs mit antiken Konzepten von Moral im christlichen Kontext. Untersucht wird das Breviloquium de virtutibus des Johannes Guallensis/John of Wales, eine Sammlung von ca. 280 meist klassischen Exempeln. Nach einer Situierung dieses Werkes innerhalb der Tradition von Traktaten über die Kardinaltugenden wird untersucht, welche Quellen John of Wales systematisch verwendet hat und von welchen er lediglich ‚Zufallsfunde’ aufgenommen hat. Eine Analyse der Bearbeitungstechniken ergibt, daß John of Wales ungewöhnlich respektvoll mit dem Text seiner Quellen umgegangen ist, und daß die Bewahrung und Verbreitung klassischer Literatur neben der pastoralen Unterweisung zumindest auch ein Grund für die Abfassung des Werkes gewesen sein muß. Aus der Handschriftenverbreitung und der Rezeption des Werkes in anderen Texten (vor allem späteren Exempelsammlungen) ergibt sich, daß das Breviloquium in erster Linie als Pastoraltext verwendet wurde, daneben aber durchaus auch als Anthologie klassischer Literatur verstanden wurde. Der Artikel schließt mit einer Tabelle mit einer Kurzbeschreibung aller Exempla einschließlich des Verweises auf die jeweiligen Originalquellen.