Diplomata-Abteilung

 

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Dr. Andrea Rzihacek • 51581/7210 • e-Mail: Andrea.Rzihacek

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Projekt:

Die Edition der Urkunden
PHILIPPS VON SCHWABEN

(1198-1208)

 

Die Edition der Urkunden KÖNIG PHILIPPS VON SCHWABEN für die Monumenta Germaniae Historica (MGH) ist ein Projekt der Arbeitsgruppe Wiener Diplomata-Abteilung der MGH am Institut für Mittelalterforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

 

DAS URKUNDENWESEN PHILIPPS VON SCHWABEN ist maßgeblich vom deutschen Thronstreit geprägt. Der geographische Rahmen der von Philipp von Schwaben ausgestellten Urkunden ist durch die Anerkennung seines Königtums innerhalb der deutschen und burgundischen Reichsteile und durch den Handlungsradius, der von seinen militärischen und politischen Erfolgen im Thronstreit abhängig war, definiert. Philipp betrat nach dem Tod Heinrichs VI., als die deutsche Herrschaft sowohl im normannischen Reich als auch in Oberitalien zusammenbrach, nie mehr italienischen Boden.

 

Durch die Bündnisse Ottos IV. mit dem englischen und Philipps mit dem französischen König erlangte der deutsche Thronstreit nahezu gesamteuropäische Dimension. Innerhalb des Reiches versuchten beide Gegenspieler, bestehende Bündnisse zu festigen und neue Bündnispartner zu gewinnen. Die Ergebnisse der militärischen Aktionen und diplomatischen Verhandlungen spiegeln sich dabei häufig in den ausgestellten Urkunden wieder.

 

Die Edition der Urkundentexte wird ferner vor allem für die Untersuchung der Wirkungsgeschichte der von Philipp ausgestellten Urkunden eine unentbehrliche Basis bilden und wichtige Impulse liefern. Dies ist besonders im Hinblick auf die damals in ein wichtiges Stadium getretene Entwicklung der Städte zu erwarten, die von Philipp wichtige Privilegierungen erhielten.

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VORARBEITEN UND Stand DER EDITION

Seit März 2002 arbeitet die Diplomata-Arbeitsgruppe im Auftrag der Zentraldirektion der MGH in München an der Vorbereitung der Edition der Diplome Philipps von Schwaben.

Die Edition wird nach heutigem Stand ca. 190 Urkunden und 30 Deperdita umfassen, sowie eine Urkunde der Gemahlin Philipps, der Königin Maria (Irene). Rund 120 Urkunden sind im Original erhalten, der Rest in mittelalterlichen und neuzeitlichen Abschriften unterschiedlicher Qualität.

Nach der Übernahme der von Paul Zinsmaier und Rainer-Maria Herkenrath gesammelten Materialien begann der systematische Aufbau eines Apparats, basierend auf den in der Literatur zu findenden Hinweisen auf handschriftliche Überlieferungen, Drucke, Regesten und Sekundärliteratur zu den einzelnen Urkunden.

 

Zum aktuellen Zeitpunkt wird die Materialsammlung durch Archivreisen systematisch ergänzt. Die Kenntnis von der handschriftlichen Überlieferung der einzelnen Stücke wird dabei maßgeblich vervollständigt werden. Dies trifft vor allem auf die heute als verloren geltenden Stücke (Deperdita) zu, sowie auf jene, die bisher nur unzureichend – etwa fehlerhaft, nur in Auszügen, in neuzeitlichen Abschriften oder Drucken – überliefert sind. Damit soll die Grundlage für die zu erstellenden Urkundentexte wesentlich verbessert werden.

 

Neben der Erstellung der Texte mit kritischem Anmerkungsapparat wird, wie bei den Diplomata-Editionen der MGH üblich, die kanzleigeschichtliche Einordnung der Stücke - basierend auf den Vorarbeiten Zinsmaiers - eine wesentliche Rolle spielen. Weiters wird in den kommentierenden Vorbemerkungen die rechts- und verfassungsgeschichtliche Interpretation der durch die Urkunden festgehaltenen Rechtsvorgänge ihren Niederschlag finden.

 

Eine zusammenfassende kanzleigeschichtliche Einleitung wird den Urkundenbestand analysieren, sowie das Kanzleiwesen als auch die inneren und äußeren Merkmale der Urkunden Philipps, etwa die Siegel, behandeln.

 

Grundlage für die Edition der Urkunden Philipps von Schwaben bilden die 1881 – 1901 erschienenen Regesten des Kaiserreiches Böhmer – Fickers und Winkelmanns für den Zeitraum von 1198 bis 1271 (Regesta Imperii 5, vgl. Auswahlbibliographie).

 

Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts widmete sich Paul Zinsmaier dem Urkundenwesen Philipps von Schwaben. In mehreren Arbeiten ergänzte und vervollständigte er die bei Böhmer-Ficker-Winkelmann verzeichneten Regesten und legte schließlich 1983 einen Nachtragsband (vgl. Auswahlbibliographie) vor. Bereits mehrere Jahre davor, 1969, war seine bis heute maßgebliche Arbeit über das Kanzlei- und Urkundenwesen Philipps und Ottos IV. erschienen.

 

Die von Zinsmaier gesammelten Materialien gingen aus seinem Nachlass an Rainer-Maria Herkenrath, der von der Zentraldirektion der MGH mit der Herausgabe der Urkunden Philipps von Schwaben und Ottos IV. beauftragt wurde. Herkenrath ergänzte diese Sammlung weiter, trat jedoch 1998 offiziell von der Bearbeitung der Diplome Philipps von Schwaben und Ottos IV. zurück.

 

Seit der Übernahme des Projekts durch die Arbeitsgruppe Diplomata des Instituts für Mittelalterforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften haben Person und Urkundenwesen Philipps von Schwaben in der Forschung wieder verstärkt Interesse geweckt. Bernd Schütte konnte mit seiner Monographie über Itinerar, Urkundenvergabe und Hof Philipps von Schwaben (vgl. Auswahlbibliographie) wesentliche Vorarbeiten für die chronologische Reihung der Urkunden, personengeschichtliche Zuordnungen in der persönlichen Umgebung des Königs sowie zum Empfängerkreis der Urkunden vorlegen. Peter Csendes hat kürzlich in einer modernen Ansprüchen genügenden Biographie das Lebensbild Philipps gezeichnet (vgl. Auswahlbibliographie).

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PHILIPP von Schwaben im deutschen Thronstreit

Philipp wurde als jüngster Sohn Kaiser Friedrich Barbarossas 1177 geboren. Im April 1195 übertrug ihm sein Bruder, Kaiser Heinrich VI., die Herrschaft über Tuszien und die Mathildischen Güter. Als dux Tuscie wirkte er zunächst in Italien, erhielt jedoch bereits im August 1196, nach der Ermordung seines Bruders Konrad, auch das Herzogtum Schwaben und den Titel dux Suevie. Nach dem Tod Heinrichs VI. im September 1197 stand Philipp an der Spitze der staufischen Partei und bemühte sich, die Ansprüche seines Neffen Friedrich – des späteren Kaisers Friedrichs II. – auf den römisch-deutschen Thron zu sichern. Der Widerstand der deutschen Fürsten gegen die Herrschaft des erst Dreijährigen führte jedoch dazu, dass sich Philipp selbst als Kandidat der Königswahl stellte und tatsächlich auch am 8. März 1198 in Mühlhausen (Thüringen) von zahlreichen deutschen Fürsten gewählt wurde. Eine Opposition gegen seine Wahl bildete sich unter der Führung des Erzbischofs Adolf von Köln, die den Welfen Graf Otto von Poitou, einen Sohn Heinrichs des Löwen, den späteren Kaiser Otto IV., als ihren Thronkandidaten präsentierte und diesen am 11. Juni 1198 zum König wählte. Die Folge der Doppelwahl war eine Reihe von kriegerischen Auseinandersetzungen, wechselnden Allianzen und politischen Wirren im Reich. Ausschlaggebend war sicher die Haltung des Papstes Innocenz III., der zunehmend unmissverständlich seine Bevorzugung Ottos IV. deutlich machte. Die zunehmenden militärischen Erfolge Philipps und seine stetig anwachsende Anhängerschaft bewogen aber letztlich den Papst, Philipp im Frühjahr des Jahres 1208 die Kaiserkrönung in Rom zu versprechen, die jedoch durch die Ermordung Philipps am 21. Juni 1208 verhindert wurde. Am 4. Oktober 1209 erfolgte schließlich die Krönung Ottos IV. zum römisch-deutschen Kaiser.

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Auswahlbibliographie Zum Urkundenwesen

Philipps von Schwaben

 

Böhmer, Johann Friedrich, Regesta Imperii 5: Die Regesten des Kaiserreiches unter Philipp, Otto IV., Friedrich II., Heinrich (VII.), Conrad IV., Heinrich Raspe, Wilhelm und Richard 1198 – 1272.

1: Kaiser und Könige, neu hg. u. erg. v. Julius Ficker.
2: Päpste und Reichssachen, neu hg. u. erg. v. Julius Ficker und Eduard Winkelmann.
3: Einleitung und Register, bearb. v. F. Wilhelm (Innsbruck 1881-1901).
4: Nachträge und Ergänzungen, bearb. v. Paul Zinsmaier (Köln – Wien 1983).

 

Csendes, Peter, Philipp von Schwaben. Ein Staufer im Kampf um die Macht (=Gestalten des Mittelalters und der Renaissance, hg. v. Peter Herde, Darmstadt 2003).

 

Gutbier, Ewald, Das Itinerar des Königs Philipp von Schwaben. Diss. Berlin (Langensalza 1912).

 

Rzihacek, Andrea und Spreitzer, Renate

Hanc paginam sigillo nostro iussimus communiri. Siegel und Besiegelungspraxis der Urkunden König Philipps von Schwaben, in: Archiv für Diplomatik, Schriftgeschichte, Siegel- und Wappenkunde 53 (2007) 175-203.

Philipp von Schwaben, Beiträge der internationalen Tagung anlässlich seines 800. Todestages, Wien, 29. bis 30. Mai 2008 (Forschungen zur Geschichte des Mittelalters 19, Österreichische Akademie der Wissenschaften, phil.-hist. Klasse 399, Wien 2010).

 

Schütte, Bernd, König Philipp von Schwaben. Itinerar – Urkundenvergabe – Hof (=MGH. Schriften 51, Hannover 2002).

 

Walter, Anton Julius, Die deutsche Reichskanzlei während des Endkampfes zwischen Staufern und Welfen (Innsbruck – Leipzig 1938).

 

Winkelmann, Eduard, Philipp von Schwaben und Otto IV. von Braunschweig. Bd. 1: Philipp von Schwaben 1197 – 1208 (=Jahrbücher der Deutschen Geschichte [19,1], Leipzig 1873, ND. Darmstadt 1968).

 

Zinsmaier, Paul,

s. Böhmer, Regesta Imperii 5/4.

Ungedruckte Stauferurkunden des 13. Jahrhunderts, in: MIÖG 45 (1931) 200-204.

Acht ungedruckte Königsurkunden der Stauferzeit, in: ZGORh 95 (1943) 637-644.

Nachträge zu den Kaiser- und Königsurkunden der Regesta Imperii 1198-1272, in: ZGORh 102 (1954) 188-273.

Ungedruckte Urkunden der späteren Stauferzeit, in: ZGORh 116 (1968) 21-30.

Die Urkunden Philipps von Schwaben und Ottos IV. 1198-1212 (=Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden –Württemberg. Reihe B. Forschungen 53, Stuttgart 1969).

Miszellen zu den Stauferurkunden des 12. und 13. Jahrhunderts: Verlorene Herrscherurkunden des 12. und 13. Jahrhunderts, in: DA 37 (1981) 287-309.


 

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