Thomas Ertl war 1996 bis 1999 Mitarbeiter der MGH.

Studien zum Kanzlei- und Urkundenwesen kaiser heinrichs VI.
(Wien 2002)

Die vorliegende Untersuchung konzentriert sich auf die kaiserliche Kanzlei und ihre Urkunden und weist fünf Schwerpunkte auf: 1. Die Abnahme von feierlichen, aufwändig gestalteten Diplomen. 2. Die rechtliche Dauerhaftigkeit kaiserlicher Urkunden. 3. Die kaiserlichen Siegel. 4. Die Behandlung zweifelhafter Stücke. 5. Die Vorstellung und Interpretation eines bisher unbekannten Urkundentextes. Während des 12. Jahrhunderts nahm die Anzahl von ungeschmückten, häufig kurzen Kaiserurkunden stark zu. Diese Entwicklung vollzog sich parallel zu einer generellen Zunahme der Schriftlichkeit im Abendland. Urkundenschreiber sahen sich veranlaßt, Urkunden nach rationelleren Gesichtspunkten herzustellen, um die expandierende Schreibarbeit in den Griff zu bekommen. Die Notare der kaiserlichen Kanzlei folgten auf diesem Gebiet einem Weg, den die päpstliche und andere westeuropäische Kanzleien vorgezeichnet hatten. Daneben führt der enge Kontakt mit Oberitalien zur Frage nach dem Einfluß des Notariatsinstrumentes, das ebenfalls seine Spuren in der Kaiserurkunde hinterließ. Neue Formeln, wurden erstmals oder verstärkt eingesetzt, um die Rechtskraft der Urkunden zu betonen. Die kaiserliche Kanzlei unter Heinrich VI. griff Tendenzen der Zeit auf und zeigte sich v. a. offen gegenüber den Vorstellungen der Empfänger. Es waren meist italienische Empfänger, deren Diplome rechtssichernde Formulierungen wie die non-obstantibus-Formel enthielten. Der Kaiser stand dieser Entwicklung positiv gegenüber, unterstrich sie doch seine gesetzgeberische Kompetenz. Die Abhängigkeit von Vorstellungen der Empfänger belegt andererseits, daß Heinrich VI. die Urkundensprache in dieser Hinsicht kaum zur Deklarierung seiner Herrschaftsvorstellungen benutzte. Lediglich im Königreich Sizilien scheint er eigene Akzente gesetzt zu haben. Erstmals wurde die kaiserlichen Siegel zusammenhängend untersucht. Ein in diesem Zusammenhang bisher unbekannter Text wird vorgestellt und ediert, sowie das sog. Testament des kaisers eingehend behandelt.

INHALTSVERZEICHNIS
Vorwort
Einleitung

ALLGEMEINER TEIL
Kaiserurkunde und Notariatsinstrument

I. Kaiserurkunde in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts
II. Das Notariatsinstrument
III. Kaiserurkunde und Notariatsinstrument
IV. Schluß

Neue Urkundenformeln zur Rechtsgültigkeit
I. Die Rechtsgültigkeit der Kaiserurkunde bis zum 12. Jahrhundert
II. Kanonistik und Papsturkunde
III. Neue Formeln in der Kaiserurkunde
IV. Ergebnisse

Die Reichskanzlei in Sizilien
I. Das normannisches Urkundenwesen unter Tankred und Konstanze
II. Der erste Aufenthalt der Reichskanzlei im Regnum Sicilie 1194-1195
III. Der zweite Aufenthalt der Reichskanzlei im Regnum Sicilie 1196-1197
IV. Sizilische Verwaltungssprache und besondere Urkundenformeln
Vorbehalts- und Widerrufsformel in tabellarischer Übersicht
V. Ein Vergleich mit dem Urkundenwesen Konstanzes
VI. Die Nennungen Tankreds von Lecce
VII. Die Zeugen in den sizilischen Kaiserurkunden
Tabellarische Übersicht über die Zeugen
VIII. Zusammenfassung

Die Besiegelung der Urkunden Kaiser Heinrichs VI.
I. Die Siegelankündigung in der Corroboratio
II. Befestigungstechnik
III. Die einzelnen Siegel
1. Die Wachssiegel
2. Die Goldbullen
IV. Sonderfälle
V. Zusammenfassung

FÄLSCHUNGSFRAGEN
Urkundenfälschung in einem Prozeß vor König Friedrich II. –
Zur Datierung der gefälschten Urkunde Heinrichs VI. für Steingaden (BB 90)
I. Einleitung
II. Das Kloster Steingaden
III. Inhalt der Fälschung
IV. Datierung der Fälschung

Kloster Kaisheim organisiert seine Stiftungswirklichkeit.
Über eine unbekannte Urkunde Kaiser Heinrichs VI.
I. Zwei Diplome Heinrichs VI.
II. Verlorene Traditionsnotizen
III. Die Genese der Kaiserurkunden
IV. Fälschungsgrund und Stiftungswirklichkeit
V. Edition

Das Testament Kaiser Heinrichs VI.
I. Forschungsstand
II. Das Diktat
III. Die Gesta Innocentii III.
IV. Die römische Kurie und das kaiserliche Testament
V. Markward von Annweiler und das kaiserliche Testament
VI. Ergebnisse

Abkürzungen und Siglen
Quellen und Literatur


 

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