Der Autor setzt darin die prophetische Vision des Buches Daniel, König Nebukadnezzars Traum von der Statue und dessen Interpretation der vier Weltreiche (dem assyrisch-babylonischen, dem persischen, dem griechischen und dem römischen Reich), in einen historiographischen Kontext und liest die Zeichen des für ihn unmittelbar bevorstehenden Weltendes in der Teilung des römischen Reiches, dem Einbruch der Barbaren, deren Partizipation am römischen Leben und imErscheinen falscher Propheten.

Mit der Frage nach dem Weltende ist immer auch die Frage nach dem Ende einer Gemeinschaft nach Kontinuität und Stabilität oder Untergang und Zerfall einer politischen Struktur, wie dem römischen Imperium verbunden. Die vorgestellte Weltchronik etwa reflektiert und beschreibt nicht nur die wichtigen politischen und gesellschaftlichen Themen und Probleme ihrer Zeit, sondern versucht im Rahmen eines eschatologischen Konzepts, bzw. einer apokalyptischen Erwartungshaltung, Antworten und Strategien auf diese zu entwickeln. Schließlich sind Endzeiterwartungen sind nie nur Resultate einzelner herausragender politischer Ereignisse, sondern stets auch in soziale Prozesse und Kommunikationsverhältnisse eingebunden und insbesondere mit oppositionellen Setzungen und Bedrohungsszenarien von außen verknüpft. Diesen Überlegungen folgend liegt der momentane Schwerpunkt der Forschungsarbeit auf der eschatologischen Rolle der gentes, der Goten und Hunnen während der Völkerwanderungszeit, der Normannen und Ungarn im 9. und 10. Jahrhundert. Analysiert wird dabei die spezifische Synonymisierung ethnischer Zuschreibungen mit apokalyptischen Motiven, etwa „Gog/Magog“. Gleichzeitig sollen in der jeweiligen Auslegung die zeitgenössischen Konzepte gesellschaftlicher und religiöser Ordnungen und deren Wandel ersichtlich werden.

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Fortsetzung "Zeit und Apokalypse"

Ausgangspunkt der Quellenarbeit waren die Werke der Kirchenväter Augustinus, Ambrosius von Mailand, Hieronymus und Sulpicius Severus – von Autoren, die im selben Zeitfenster um 400 n. Chr. schrieben und als Zeitzeugen großer politischer und gesellschaftlicher Umwälzungen diese in ihren Werken bearbeiteten – wie etwa die Plünderung Roms 410 durch die Westgoten, ein Ereigniss nicht nur bei Zeitgenossen sondern bis hin zur modernen Geschichtsschreibung zu großen historischen Entwürfen und unterschiedlichsten Strategien der Weltdeutung angeregt hat. In den Schriften der Kirchenväter finden sich nicht nur unterschiedliche Zugänge auf die zentralen zeitgenössischen Themenbereiche wie den Niedergang des weströmischen Imperiums und die Position der christlichen Kirche in der römischen Gesellschaft, sondern auch verschiedene Zeitberechnungsmodelle ihre Anwendung. Der Kirchenvater Augustinus etwa hielt das Ende der Zeit zwar für nahe, sah mit der Geburt Christi das letzte Weltalter angebrochen und in der Kirche der Gegenwart das tausendjährige Reich verwirklicht, während er aber die Zahl 1000 symbolisch und nicht konkret verstand. Eine plastische Deutung des Alten Testaments hingegen findet sich in den
Arbeiten des Sulpicius Severus, der das Ende der Welt für unmittelbar bevorstehend hielt und in seiner Weltchronik jenem antiken Berechnungsmodell folgte, das das Jahr der Geburt Christi im Jahr 5500 und damit das Ende der Welt für ungefähr 500 n. Chr. ansetzt. Zwischen 400 und 403 verfasst stellt diese Chronik ein prägnantes Beispiel für eine apokalyptische Deutung der politischen und sozialen Umwälzungen und der innerkirchlichen Konflikte dieses Zeitraums dar, und bietet im Rahmen des Projekts eine gute Möglichkeit, auch bislang kaum behandeltes Quellenmaterial zu erschließen.

Abendländische

Apokalyptik

Zur Genealogie eines religiösen Motivs in der europäischen Kultur“ (2009–2012)

Interdisziplinäres Forschungsprojekt im Rahmen des Stipendienprogramms der ÖAW (DOC-team) aus den Bereichen der Geschichts-, Medien-, Sprach- und Literaturwissenschaften

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Institut für Mittelalterforschung