Die Zielsetzungen lauten im Detail:

 

 

zurück

Fortsetzung der Einleitung

Die in den letzten Jahrzehnten oft konstatierte Konjunktur der Apokalypse betrifft nicht nur deren Erscheinung in populären Medien, sondern insbesondere auch deren Behandlung in diversen Bereichen der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften, in denen nahezu jede Disziplin ein Standardwerk zum Thema vorzuweisen hat: aus dem Bereich der (Religions-)Geschichte von Bernard McGinn, der Literaturwissenschaft von Klaus Vondung und den Kommunikations- bzw. Medienwissenschaften von Umberto Eco oder Paul Virilio. Darauf aufbauend und darüber hinausgehend gibt es zahlreiche aktuelle Monografien und Sammelbände, die erkennen lassen, dass sich ein reges Forschungsinteresse rund um den Bedeutungskomplex „Apokalypse“ konzentriert (zuletzt „Utopie und Apokalypse in der Moderne“, hg. v. R. Sorg u. S. B. Würffel). Während Ansätze lexikalischer Definitionsversuche den Fokus auf den Offenbarungscharakter, auf Gattungsfragen und geschichtsphilosophische (eschatologische) Konzepte legen, herrscht in der Forschungsliteratur hinsichtlich Verwendung und Definition des Begriffs beträchtliche Uneinigkeit.

In Anbetracht der Disparität, in der sich das Thema aus kulturwissenschaftlicher Perspektive darbietet, war und ist es das Vorhaben des seit März 2009 laufenden DOC-Team-Projekts der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, die „Apokalypse“ als Motiv einerseits in ihrer modernen Anwendung zu untersuchen: ihre Loslösung vom Kontext der alten Schriften und ihre besondere Funktion im 19. und 20. Jahrhundert. Andererseits sollen für prägnante Zeitpunkte im Früh- und Hochmittelalter und in der Renaissance historische Lesarten und Übertragungen der biblischen Apokalypsen und allen voran der Johannes-Offenbarung herausgearbeitet werden. Insofern wird die abendländische Apokalyptik nicht primär in Hinblick auf eine bestimmte Denktradition, lexikalische Gattungszuordnung oder eschatologische Konzeption betrieben, sondern in der Analyse einzelner Diskurse des Untergangs, denen jeweils spezifische kosmologische und endzeitliche Vorstellungen zugrunde liegen. Ausgegangen wird nicht von einem bestimmten Apokalypse-Begriff, weder von Apokalypse als einer literarischen Gattung noch von einer linearen apokalyptischen Denktradition, die sich aus den alten Schriften herleiten ließe –¬ sondern im Gegenteil von einem heterogenen Apokalypse-Verständnis: Die biblischen apokalyptischen Texte und allen voran die Johannes-Offenbarung wurden im Lauf der Jahrhunderte immer wieder rezipiert, dementsprechend sind, ohne Rücksicht auf ein vermeintlich ursprüngliches Textverständnis, allein diese Rezeptionen im jeweiligen zeitgenössischen Kontext zu lesen.

Abendländische

Apokalyptik

Zur Genealogie eines religiösen Motivs in der europäischen Kultur“ (2009–2012)

Interdisziplinäres Forschungsprojekt im Rahmen des Stipendienprogramms der ÖAW (DOC-team) aus den Bereichen der Geschichts-, Medien-, Sprach- und Literaturwissenschaften

home

members

Ergebnisse

 

 

 

Institut für Mittelalterforschung