VI.

Vergangenheit
&
Vergegenwärtigung

WITTGENSTEINPROJEKT 2005-2010

6.1. Frühes Mittelalter und europäische Erinnerungskultur | 6.2. Niederschrift und Wiederschrift | 6.3. Medievalism | 6.4. The Early Days of Merovingian Archaeology


6.1. Frühes Mittelalter und europäische Erinnerungskultur

Kulturelle Erinnerung stellt die Muster bereit, nach denen die Gegenwart gedeutet und die Zukunft vorbereitet werden kann. Sie trägt auch zur Identitätsstiftung bei, legitimiert Herrschaft und Gemeinschaften, transportiert Feindbilder und begründet Zugehörigkeiten. Generation um Generation eigneten sich Menschen ihre Vergangenheit an, debattierten und deuteten diese neu, verbanden damit die Interessen ihrer Zeit. Diese ‚kulturelle Erinnerung‘ überformte ständig die Texte und Zeugnisse der Vergangenheit. Bereits im Mittelalter diente die ‚Suche nach den Ursprüngen‘ der Identitätsstiftung.....mehr (PDF)

Publikationen
Band 14 der Reihe Forschungen zur Geschichte des Mittelalters:
Vergangenheit und Vergegenwärtigung. Frühes Mittelalter und europäische Erinnerungskultur ed. Helmut Reimitz/Bernhard Zeller

Veranstaltungen
2.-4. Mai 2005: Vergangenheit und Vergegenwärtigung. Frühes Mittelalter und Europäische Erinnerungskultur, Programm

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6.2. Niederschrift und Wiederschrift

Die Frage der ‚réécriture‘, der ‚Wiederschrift‘, ist in der neueren Forschung einer der wichtigsten Aspekte der Handschriftenforschung geworden. Lange Zeit war die Überlieferungs- und Wirkungsgeschichte mittelalterlicher Texte ein eher untergeordneter Aspekt, die Aufmerksamkeit galt vor allem der Rekonstruktion von Urtexten oder zumindest Fassungen, die dem Original möglichst nahe standen und daher die Grundlage eines Editionstextes bilden konnten. Dabei werden allerdings wichtige Spuren abgeschnitten, die vom Text in die Zukunft verliefen und ihn letztlich an unsere Zeit anschließen. Veränderungen handschriftlich überlieferter Texte geschehen nicht nur aus Unvermögen, sondern sind häufig durchaus bewusste Eingriffe, die aus dem Interesse der Zeit erwachsen.....mehr (PDF)

Publikation:
Zwischen Niederschrift und Wiederschrift. Frühmittelalterliche Hagiographie und Historiographie im Spannungsfeld von Kompendienüberlieferung und Editionstechnik. Band 18 der Reihe der „Forschungen zur Geschichte des Mittelalters“ des Institutes für Mittelalterforschung. Richard Corradini/Max Diesenberger/Meta Niederkorn-Bruck (Hg.), Wien 2010.

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6.3. Medievalism

Konkurrierende Entwürfe der frühmittelalterlichen Vergangenheit in Mitteleuropa
Am Collegium Budapest beschäftigte sich 2009 eine vom schwedischen Tricentennary Fund finanzierte internationale 'Focus Group' mit Fragen von Gebrauch und Wahrnehmung des Mittelalters im 19. Jahrhundert. Der Beitrag von Walter Pohl, der im Sammelband des 'Medievalism'-Projektes erscheinen wird, skizziert die unterschiedlichen Entwürfe der frühmittelalterlichen Ursprünge in der Österreichisch-ungarischen Monarchie in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die k.u.k. Monarchie selbst benutzte das Frühmittelalter kaum zur eigenen Legitimation; mehr oder weniger offiziöse Reichsgeschichten bestritten nicht, dass Österreich erst nach anderen Völkern der Monarchie (z.B. den Italienern, Böhmen oder Ungarn) entstanden war. Kontroverse Debatten über die älteren Anrechte auf gemischte Siedlungsgebiete (wie in Kärnten, Böhmen, der Slowakei oder Siebenbürgen) kamen auf diese Weise erst gegen Ende des Jahrhunderts in Schwung.

 

6.4. The Early Days of Merovingian Archaeology

Bearbeiterin: Bonnie Effros

Until the 1970s, the objectivity of archaeological research on the early Middle Ages was largely taken for granted. However, with the rise of more introspective theoretical approaches to archaeological excavation such as ‚new archaeology‘ in Britain, scholars began to question whether material remains from this distant era were as straightforward as was once thought. This issue was particularly acute in the analysis of grave sites, which were, until recently, the main source of archaeological information about the early Middle Ages. Archaeologists recognized that graves were not chance deposits or a mirror of the identity of the dead but rather symbolic or performative sites constructed with an eye toward impressing the living, securing safe passage to the afterlife, or reaffirming the identity of surviving kin or communities....mehr (PDF)

Publikationen
Anthropology and Ancestry in Nineteenth-Century France: Craniometric Profiles of Merovingian-Period Populations, in: Archäologie der Identität, ed. Walter Pohl/Mathias Mehofer (Forschungen zur Geschichte des Mittelalters 17 Wien 2010) 233-244.
Artistic, Scholarly, and Popular Depictions of the 'première race' in Late Nineteenth-Century France, in: Vergangenheit und Vergegenwärtigung: Frühes Mittelalter und europäische Erinnerungskultur, ed. Helmut Reimitz/Bernhard Zeller (Forschungen zur Geschichte des Mittelalters 14, Wien 2009) 71-91.
Uncovering the Germanic Past: Merovingian Archaeology in France 1830-1914 (book manuscript under review).

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