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Identitätsspuren

WITTGENSTEINPROJEKT 2005-2010

5.1. Ego Trouble | 5.2. Archäologie der Identität | 5.3. Warrior Symbols and Female Beauty | 5.4. 'Römische' Identitäten im archäologischen Befund | 5.5. Mensch und Gebirge | 5.6. Sprache und Identität | 5.7. Epigraphik und Identität


5.1. Ego Trouble

Ein Symposion und ein Sammelband unter dem Titel „Ego Trouble. Authors and their Identities in the Early Middle Ages“ ging der Frage individueller Identitätsentwürfe im Frühmittelalter nach. Seit Langem geht die Geschichtswissenschaft davon aus, dass es im Mittelalter gar keine Individuen im modernen Sinn gegeben hat, nur schwache, selbstvergessene Menschen, überwältigt vom Glauben an einen allmächtigen Gott, gebunden an eine strenge Kirche und an übermächtige Kollektive. Das antike Individuum, so lesen wir häufig, ging im 5. Jahrhundert mit dem Ende der klassischen Kultur unter. Allenfalls wird diskutiert, ob der Ursprung des ‚modernen‘ Individuums in der Scholastik des 12. Jahrhunderts liegt oder erst in der Renaissance.

Um diese verbreitete These zu überprüfen, untersucht der Band die Spuren, die frühmittelalterliche Autoren von Augustinus (um 400) bis Brun von Querfurt (um 1000) in ihren eigenen Texten hinterlassen haben. Wann sprechen sie von ‚ich‘ oder ‚wir‘, wovon grenzen sie sich ab, und vor allem, wie schildern sie Konflikte, in die sie selbst geraten sind? ....mehr (PDF)

Publikationen
Band 15 der Reihe der Forschungen zur Geschichte des Mittelalters:
Ego Trouble. Authors and their Identities in the Early Middle Ages. ed. Richard Corradini/Matthew Gillis/Rosamond McKitterick/Irene Renswoude, Wien 2010.

Veranstaltungen
21.–22. Mai 2007: Ego Trouble: Authors and their Identities in the Early Middle Ages
Programm

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5.2. Archäologie der Identität

Können archäologische Funde und Befunde über vergangene Identitäten Auskunft geben? Diese Frage knüpft an die aktuellen Debatten um die ethnische Interpretation in der Archäologie an. Eine internationale Tagung und ein Sammelband versuchte sie in einen neuen Zusammenhang zu stellen. Damit wurde ein Kernproblem der historischen Interpretation materieller Überreste und der interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Geschichte und Archäologie aufgeworfen. Wie und unter welchen Bedingungen erlauben Grabungsergebnisse Rückschlüsse auf vergangene Zugehörigkeiten? Zwei Dinge sind methodisch zunächst zu unterschieden: einerseits die Einteilung in Populationen nach modernen, objektivierbaren Kriterien (nach Typen von Funden oder Befunden in Gräbern, nach Altersgruppen, genetischen Merkmalen etc.); und andererseits bewusst ausgedrückte ethnische und soziale Identitäten, die sich Zeichen und Symbolen aller Art bedienen können.....mehr (PDF)

Publikationen
Band 17 der Reihe der Forschungen zur Geschichte des Mittelalters:
Archäologie der Identität/ Archaeology of Identity. ed. Walter Pohl / Mathias Mehofer, Wien 2010.

Veranstaltungen
17.-18. März 2006: Archäologie der Identität/ Archaeology of Identity
Zur Methodik interdisziplinärer Frühmittelalterforschung. Programm

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5.3. Warrior Symbols and Female Beauty

Bearbeiterin: Irene Barbiera

The main aim of the project was to investigate late antique and early medieval funerary rituals in Northern Italy, to understand how they were employed to display and create social identities by different communities in different periods. Particular attention was dedicated to the changes of funerary habits, which occurred during this period and to see whether they could be related to social transformations and political and economical changes........mehr (PDF)

Publikationen
Sixth-century cemeteries in Hungary and Italy: a comparative approach, in: Die Langobarden. Herrschaft und Identität, ed. Walter Pohl/Peter Erhart (Forschungen zur Geschichte des Mittelalters 9, Wien 2005) 301-320.
Il sesso svelato degli antenati. Strategie funerarie di rappresentazione dei generi a Kranj Lajh e Iskra in Slovenia (VI-XI sec.), in: Agire da donna. Modelli e pratiche di rappresentazione (secoli VI-X), ed. Cristina La Rocca (Turnhout 2007) 23-52.
Memory of a Better Death. Normative and exceptional grave goods in 6th-7th centuries AD cemeteries in Central-Europe, in: Materializing Memory: archaeological material culture and the semantics of the past, I. Barbiera/A. Choyke/J. Rasson (Oxford, British Archaeological Reports, International Series 1977, 2009) 65-75.
La morte del guerriero e la rappresentazione delle identità funerarie in Friuli tra VI e VII secolo d.C., in: Archeologia e società nell‘alto medioevo (V-IX secolo), ed. G.P. Brogiolo/A. Chavarria (Mantova 2007) 345-351.
The Valorous Barbarian, the Migrating Slav and the Indigenous Peoples of the Mountains. Archaeological Research and the Changing Faces of Italian Identity in the 20th Century, in: Archäologie der Identität/Archaeology of Identity, ed. Walter Pohl/Mathias Mehofer (Forschungen zur Geschichte des Mittelalters 16, Wien 2010) 183-202.
Population Dynamics in Italy in the Middle Ages: New Insights from Archaeological Findings, in: Population and Development Review 35, 2 (2009) 367- 389 (gemeinsam mit G. Dalla Zuanna)

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5.4. 'Römische' Identitäten im archäologischen Befund des Frühmittelalters

Bearbeiter: Philipp von Rummel

Ob Ethnizität eine sinnvolle analytische Kategorie in den archäologischen Wissenschaften darstellt, ist eine gleichermaßen komplexe wie umstrittene Frage. Der Grund des großen Interesses an diesem Thema ist jedoch sowohl einfach als auch essentiell. Wohl jeder Ausgräber hat es erlebt, dass Passanten oder Besucher fragen, wer es denn gewesen sei, der den Ausgrabungsbefund hinterlassen habe. Bei einer Antwort wie „Das ist ein frühmittelalterlicher Friedhof“ wird dann meist nachgehakt: „Und wer waren die Menschen?“. Der Archäologe antwortet dann zögerlich „Wahrscheinlich Alemannen“, womit der Passant zufrieden weitergeht: „Achso, unsere Leute also“. Wie aktuell auch die feuilletonistischen Debatten um den Umgang europäischer Länder mit Immigration zeigen, betrachten größte Teile der Bevölkerung noch immer die Interaktion verschiedener Völker und ihrer Kulturen als hauptsächlichen Antrieb historischer Veränderung....mehr (PDF)

Publikationen
Gotisch, germanisch oder römisch? Methodologische Überlegungen zur ethnischen Interpretation von Kleidung, in: Archäologie der Identität, ed. Walter Pohl/Mathias Mehofer (Forschungen zur Geschichte des Mittelalters 17, Wien 2010) 51-77.
The Fading Power of Images. Roman-barbarian binary schemata and the problem of using ‘Romanness’ in early medieval archaeology, in: Strategies of Identification – Early Medieval Perspectives, ed. Walter Pohl/Gerda Heydemann (Turnhout 2011).
Ambrosius, Julianus Valens und die ‘gotische Kleidung’. Eine Schlüsselstelle historisch-archäologischer Interpretation, in: Zwischen Spätantike und Mittelalter, ed. Sebastian Brather (Ergänzungsband zum Reallexikon der Germanischen Altertumskunde 57, Berlin/ New York 2008) 45-64.
Where have all the Vandals gone? Migration, Ansiedlung und Identität der Vandalen im Spiegel archäologischer Quellen aus Nordafrika, in: Das Reich der Vandalen und seine Vorgeschichte(n), ed. G. Berndt/R. Steinacher (Forschungen zur Geschichte des Mittelalters 13, Wien 2008) 151-182.
Fragen an die Vandalen – Zur Situation der Vandalenforschung, in: Das Königreich der Vandalen. Ausstellungskatalog Karlsruhe 2009 (Mainz 2009) 27–31.
The Archaeology of Barbarians in North Africa, in: Le trasformazioni del V secolo. L‘Italia, i barbari e l‘Occidente romano, ed. S. Gasparri/C. La Rocca (Turnhout, in Druck).
The Frexes: Late Roman Barbarians in the Shadow of the Vandal Kingdom. Neglected Barbarians of the fifth, sixth and seventh centuries, ed. F. Curta (in Druck).

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5.5. Mensch und Gebirge im Frühmittelalter

Bearbeiterin: Katharina Winckler

Das Projekt „Die Alpen in den Jahren 500 bis 800“ untersuchte gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Entwicklungen der alpinen Räume im fraglichen Zeitraum. Im Zentrum stand dabei die Frage, wie sich die provinzialrömische Bevölkerung des endenden 5. Jahrhunderts zu der frühmittelalterlichen des 8. Jahrhunderts formte....mehr (PDF).

Publikationen
Christliche Topographie der Ostalpen, Beitrag zur 80. Verbandstagung des West- und Süddeutschen Verbandes für Altertumsforschung 25. – 29.05.2010 in Nürnberg, AG Spätantike und frühes Mittelalter (in Vorbereitung)
Mensch und Gebirge im frühen Mittelalter – die Alpen im Vergleich (Dissertation Universität Wien 2010, Publikation in Vorbereitung).
Die Alpen als Grenze und Grenzen in den Alpen, Beitrag zum 22ten internationalen Symposium “Grundprobleme der frühgeschichtlichen Entwicklung im mittleren Donauraum” im Dezember 2009 (in Vorbereitung)

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5.6. Sprache und Identität

Die Sprache gilt gemeinhin als eines der wesentlichen Kriterien für ethnische Zugehörigkeit. Das war schon im Frühmittelalter so, zum Beispiel bei Isidor von Sevilla. Seit der Romantik hat sich diese Vorstellung vor allem in der deutschen Sprachwissenschaft und Geschichtsforschung zu einem methodischen Prinzip verfestigt. Danach können wir die Sprecher einer Sprache und die Träger einer bestimmten Kultur in der Regel problemlos mit einem in den Quellen genannten Völkernamen identifizieren, auch wenn dessen Bedeutungsbereich in den Texten unklar bleibt. Was die materielle Kultur betrifft, ist diese Übereinstimmung in der Archäologie seit einiger Zeit heftig umstritten. Bei der Sprache scheint es naheliegender zu sein, dass der durch eine mehr oder weniger einheitliche Sprache umschriebene Kommunikationsraum auch einer 'ethnischen' Gemeinschaft entspricht....mehr

Publikationen
Sprache und Identität Walter Pohl/ Bernhard Zeller (Hg.) (Wien 2011) Band 20 der Reihe „Forschungen zur Geschichte des Mittelalters“ des Instituts für Mittelalterfoschung.

Veranstaltungen
15. – 17. Jänner 2009: Sprache und Identität im Frühmittelalter, Workshop Organisation: Walter Pohl, Bernhard Zeller. Information | Programm

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5.7. Epigraphik und Identität im Frühmittelalter

Bearbeiter/in: Flavia de Rubeis, Luca Cardin

Das Projekt der Untersuchung der epigraphischen Quellen umfasste den Zeitraum vom fünften bis zum neunten Jahrhundert. Gegenstand der Untersuchung waren jene Inschriften, die aufgrund paläographischer (oder territorialer) Usancen als langobardisch, merowingisch, westgotisch oder karolingisch definiert sind. Die Ziele des Projektes waren: a) die Bestimmung von Gruppen von Denkmälern, die durch graphischtextuelle Homogenität und relative territorielle Verbreitung gekennzeichnet sind („Schriftlandschaften“); b) die Prüfung möglicher Verbindungen zwischen diesen Schriftlandschaften und den sozialen Gruppierungen innerhalb dieser Gebiete; c) die Verwendung dieser Schrift durch die genannten Gruppen als Faktor einer ethnisch-kulturellen Identität zu untersuchen....mehr (PDF)

Publikationen
La produzione epigrafica prima e dopo il 774, in: 774. Ipotesi su una transizione, a cura di Stefano Gasparri, Seminari internazionali del Centro interuniversitario per la storia e l’archeologia dell’alto medioevo 1 (Turnhout 2008) 402-422.
La cultura per le élites o la cultura delle élites., forme e funzioni, in: La culture du Haut Moyen Age. Une question d’élites?, ed. François Bougard/Régine Le Jan/Rosamond McKitterick (Collection Haut Moyen Age 7, Turnhout 2009).
Carolingi e Merovingi: osservazioni in favore del recupero di una tradizione, in: Hortus Artium Medievalium 16 (2010) 7-16.

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