III.

Im Schatten
des Turmes
von Babel

WITTGENSTEINPROJEKT 2005-2010

3.1. Das Alte Testament und seine Exegese | 3.2. Zeit und Identität - Zeitarchive | 3.3. Zeit und Apokalypse


Das Alte Testament kannte zwei Erklärungen für die Entstehung von Völkern und Sprachen: Die Sprachverwirrung beim Bau des Turms von Babel und die Verbreitung der Nachkommen Noahs über die Erde nach der Sintflut. Wichtiger noch für das christliche Abendland war es, wie die Juden als das auserwählte Volk, seine Nachbarn und Feinde oft ebenfalls als Völker dargestellt wurden. Die heilsgeschichtliche Weltdeutung verband sich mit dem Weltbild der klassischen Ethnographie. So konnten christliche Gelehrte ihre eigene Welt, in der auf römischem Boden Verbände ‚barbarischer‘ Krieger die Macht übernommen hatten, verstehen. Damit legitimierten sie gleichzeitig die neuen Königreiche, die auf ethnischer Grundlage entstanden waren... ...mehr

3.1. Das Alte Testament und seine Exegese

Bearbeiterin: Gerda Heydemann

Das Alte Testament mit seinen Erzählungen über Israel als auserwähltes Volk im Bund mit Gott bietet reichhaltige Anschlusspunkte für das Nachdenken über ethnische und religiöse Identität und ihre jeweilige Bedeutung für die Formierung von sozialen und politischen Gruppen. Die Wirkmacht Israels als Modell und die christlichen Deutungen der Rolle von Völkern in der Heilsgeschichte lassen sich anhand von frühmittelalterlichen Bibelkommentaren ausgezeichnet untersuchen. So stand der Psalmenkommentar des römischen Senators im ostgotischen Italien, Cassiodor, der bisher von der Forschung weitgehend unbeachtet geblieben ist, im Mittelpunkt einer Fallstudie. Dabei wurde der Kommentar als Teil von Bemühungen um Verständnis und Legitimation einer sich rasch wandelnden sozialen und politischen Ordnung analysiert. Ziel des Projektes war es, auf diese Weise zum Verständnis für die theoretischen Grundlagen und den konzeptuellen Rahmen jener Diskussionen beizutragen, die die Integration ethnisch legitimierter Königreiche in der christlich-römischen Welt begleiteten.....mehr (PDF)

Publikationen
Social metaphors and concepts of community in Cassiodorus’ commentary on the psalms, in: Strategies of Identification – Early Medieval Perspectives, ed. Walter Pohl/Gerda Heydemann (Turnhout 2011).
Relics and texts: hagiography and authority in ninth-century Francia, in: An Age of Saints? Conflict and Dissent in the Cult of Saints (300-900), ed. P.Sarris/M. dal Santo/P. Boot (Leiden, in print).
Text und Translation. Strategien zur Mobilisierung spiritueller Ressourcen im Frankenreich Ludwigs des Frommen, in: Zwischen Niederschrift und Wiederschrift. Frühmittelalterliche Hagiographie und Historiographie im Spannungsfeld von Konpendienüberlieferung und Editionstechnik, ed. R. Corradini/M. Diesenberger (Forschungen zur Geschichte des Mittelalters 18, Wien 2010) 291–326.

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3.2. Zeit und Identität - Zeitarchive

Bearbeiter: Richard Corradini

Eines der wesentlichen Merkmale von Identität ist die Einordnung des Individuums in eine relativ zeitresistente Gemeinschaft. Ziel dieses Projektes war einer Geschichte der Zeitwahrnehmung als einer der fundamentalen kulturellen Kategorien nachzuspüren, die die Konstruktion von Identitäten im frühmittelalterlichen Europa prägten. Wenn man weiß, wie eine Gesellschaft mit ihrer Zeit umgeht, weiß man viel über ihre Wertmaßstäbe: man erfährt über die komplexen Formierungen von oft widersprüchlichen Identitäten historischer Gemeinschaften.....mehr (PDF)

Publikationen
Die Kehrseite des Diskurses. Zur Un(mit)teilbarkeit des Individuums bei Augustinus, in: Ego Trouble. Authors and Their Identities in the Early Middle Ages, ed. Richard Corradini/Matthew Gillis/Rosamond McKitterick/Irene van Renswoude (Forschungen zur Geschichte des Mittelalters 15, Wien 2010) 31-51.
(gem. mit Max Diesenberger) Einleitung oder von Integritätsrigoristen und Foliantenfüllern, in: Zwischen Niederschrift und Wiederschrift. Frühmittelalterliche Hagiographie und Historiographie im Spannungsfeld von Kompendienüberlieferung und Editionstechnik, ed. Richard Corradini/Max Diesenberger (Forschungen zur Geschichte des Mittelalters 18, Wien 2010).
Die Ankunft der Zukunft. Babylon, Jerusalem und Rom als Modelle von Aneignung und Entfremdung bei Augustinus, in: Strategies of Identification – Early Medieval Perspectives, ed. Walter Pohl/Gerda Heydemann (Turnhout 2011).
Walafrid Strabo. The Matrix of Vision, in: Hludowicus Project Schlußband (2011/12, in Vorbereitung)
Augustinus und die Vision der gentes, in: Historicum Sonderband (2011/12, in Vorbereitung)
Artikel Walahfrid Strabo, in: The Oxford Guide to the Historical Reception of Augustine, ed. Karla Pollmann/Willemien Otten (Oxford, in Druck).

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3.3. Zeit und Apokalypse

Bearbeiterin: Veronika Wieser

Zeit war im Frühmittelalter Ansatzpunkt eschatologisch-apokalyptischer Visionen, die als finale Elemente von Zeitkonstruktionen zu interpretieren sind. Doch so wie Zeitwahrnehmungen und -berechnungen sich im Verlauf der europäischen Geschichte änderten, so sind auch die zeitlichen Horizonte eines Weltendes oder -untergangs Verschiebungen und Deutungsänderungen unterworfen. Mit der Schlüsselfrage der Johannesoffenbarung nach der Erfüllung der Zeit war in diesem Projekt nicht nur die Untersuchung von Zeitmodellen und Berechnungstraditionen der europäischen Zeit im ersten Millennium verbunden, sondern auch jene der vielfältigen Deutungsmöglichkeiten des Endes der Zeit und dessen Kontextualisierung.....mehr (PDF)

Publikationen
Der frühmittelalterliche Staat – europäische Perspektiven, ed. gem. mit Walter Pohl (Forschungen zur Geschichte des Mittelalters 16, Wien 2009).

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