II.

Herrschaft,
Identität &
Alterität

WITTGENSTEINPROJEKT 2005-2010

2.1. Transformation of the Roman World | 2.2. Staat im frühen Mittelalter | 2.3. Visions of Community | 2.4. Wahrnehmung des Anderen | 2.5. Fremdwahrnehmung im Frankrenreich


Das Vorhaben einer internationalen Projektgruppe unter Schirmherrschaft der ÖAW, unterschiedliche Forschungsansätze und nationale Schulen der Erforschung staatlicher Integration zusammenzuführen, kann mit den Mitteln des Wittgenstein-Preises fortgesetzt werden. Ethnische Prozesse fanden unter sehr unterschiedlichen machtpolitischen Voraussetzungen statt. Untersucht werden sollen vor allem der Zusammenhang von ethnischer Identität und staatlicher Herrschaft im christlichen Europa. Das komplexe Verhältnis von 'Volk' und 'Staat' ist ein Kernproblem der frühen Geschichte der europäischen Nationsentwicklung.

2.1. The Transformation of the Roman World

Eine der Voraussetzungen des Wittgenstein-Projektes und seiner internationalen Verankerung war das von 1993-98 laufende Forschungsprogramm der ESF ‚The Transformation of the Roman World‘. Dabei erwies sich die Vorstellung von einer (wenn auch teils dramatischen) ‚Umwandlung der Römischen Welt‘ als geeigneter Rahmen, um die Vielfalt der politischen, sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Veränderungen zu erfassen. Dennoch ist dieser Ansatz nicht unbestritten geblieben.....mehr (PDF)

Publikationen

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2.2. Staat im frühen Mittelalter

Im frühen Mittelalter begann sich politische Herrschaft an Völker zu knüpfen. Die Staaten, die dabei entstanden – das Frankenreich, das Königreich der Angelsachsen, der Ungarn oder Schweden – waren freilich keine modernen Nationalstaaten. Manche Historiker wollen für sie überhaupt den Staatsbegriff vermeiden. Vieles mutet tatsächlich archaisch an, etwa der Mangel an Bürokratie und die Möglichkeit zur bewaffneten Selbsthilfe. Anderes ist durchaus ‚modern‘, zum Beispiel die beachtliche Zahl an schriftlichen Gesetzen und Verordnungen. War es nur eine kleine Führungsschicht, die der Staat betraf? Oder fühlten sich breite Schichten einem Staat zugehörig? ....mehr (PDF)

Publikationen
Staat im frühen Mittelalter Band 11 der Reihe der „Forschungen zur Geschichte des Mittelalters“ des Institutes für Mittelalterforschung. Stuart Airlie/Walter Pohl/Helmut Reimitz (Hg.), Wien 2006

Veranstaltungen:
18. – 21. September 2007: Staat und Staatlichkeit im europäischen Frühmittelalter, 500-1050. Grundlagen, Grenzen, Entwicklungen. - State in Early Medieval Europe, 500 -1050. Foundations, Limits, Developments - L’état en Occident au Haut Moyen Âge, 500 -1050. Fondements, Limites, Développements
Information - Programm

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2.3. Visions of Community

Die Staaten, die in West und Ost im 5.-7. Jahrhundert die römische Herrschaft ablösten, nahmen eine durchaus unterschiedliche Entwicklung. Auf dem Boden des ehemaligen Weströmischen Reiches entstand eine Vielzahl von größeren und kleineren Regna, von denen die meisten ethnisch bezeichnet wurden. Eine gemeinsame germanische Identität war trotz der verwandten Sprachen vieler dieser Völker dafür bedeutungslos. Ihre Herrscher glaubten sich vom christlichen Gott legitimiert und strebten nach der religiösen Einheitlichkeit ihrer Herrschaftsbereiche. Sie arbeiteten eng mit den kirchlichen Autoritäten zusammen, die zwar beachtlichen Einfluss und die Kontrolle über ausgedehnte Ländereien innehatten, aber (mit Ausnahme des päpstlichen Patrimoniums in Mittelitalien ab dem 8. Jahrhundert) keine selbständige Herrschaft ausübten....mehr (PDF)

Publikationen
Visions of Community in the Post-Roman World. The West, Byzantium and the Islamic World, 300-1100, ed. Walter Pohl/Clemens Gantner/Richard Payne (Aldershot 2012)

Veranstaltungen:
17. – 20. Juni 2009: Visions of Community: Ethnicity, Religion and Power in the Early Medieval West, Byzantium and the Islamic World
Information | Programm | Plakat

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2.4. Wahrnehmung der Anderen in päpstlichen Schriften des 8. und 9. Jahrhunderts

Bearbeiter: Clemens Gantner

„Unser geliebter Sohn Desiderius … dieser verdorbene und krankmachende Langobarde.“ Thomas Noble hat in diesem Satz Zitate aus zwei verschiedenen Briefen von Papst Stephan III. (768-772) über den Langobardenkönig Desiderius (757-774) zusammengestellt. Er macht die Bandbreite des päpstlichen Umgangs mit den Langobarden des 8. Jahrhunderts deutlich. Schon Papst Gregor der Große (590-606) hatte die "frevlerischen" Langobarden als Feinde dargestellt. Die Langobarden, mit denen es die Päpste des 8. Jahrhunderts zu tun hatten, waren jedoch längst assimiliert und waren katholisch. Die Päpste mussten immer wieder aufs Neue ausloten, wie sie mit den mittlerweile vertrauten Fremden umgehen konnten. Dabei ging es in erster Linie darum, die römischen Interessen zu fördern, und nicht, ein realistisches Abbild der Nachbarn zu erstellen....mehr (PDF).

Publikationen
The label ‘Greeks’ in the papal diplomatic repertoire in the eighth century, in: Strategies of Identification – Early Medieval Perspectives, ed. Walter Pohl/Gerda Heydemann (Turnhout 2011).
New Visions of Community in Ninth-Century Rome: The Impact of the Saracen Threat on the Papal World View, in: Visions of Community in the Post-Roman World: The West, Byzantium and the Islamic World, 300-1000, ed. Walter Pohl/Clemens Gantner/Richard Payne (Aldershot, in Druck).

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2.5. Fremdwahrnehmungen im Frankenreich der Merowinger

Bearbeiter: Gerald Krutzler

Die Historiographie der Merowingerzeit (ca. 450-751), vor allem die „Historiae“ Gregors von Tours (6. Jh.), die Fredegar-Chronik (7. Jh.) mit den Fortsetzungen des 8. Jahrhunderts und der „Liber Historiae Francorum“ (frühes 8. Jh.), gibt unter anderem Aufschlüsse über die ethnischen Verhältnisse innerhalb der Frankenreiche und über Kontakte mit Völkern (gentes) und Staaten außerhalb des fränkischen Machtbereiches. Freilich geben nicht alle diese Texte notwendiger Weise einen fränkischen Gesichtspunkt wieder; nicht alle ihrer Autoren waren Franken, und jeder hatte einen spezifischen Blick auf die Geschichte (siehe Projekt 1.3). Auch die Darstellung nichtfränkischer gentes ist demgemäß unterschiedlich. Der Beitrag zum Abschluss-Band des Wittgenstein-Projekts („Strategies of Identification“) untersucht Phänomene wie die Wahrnehmung der politischen Strukturen, die geographische Verbreitung oder die ethnische Zusammensetzung dieser gentes, die Überlieferung von Herkunftstraditionen, konstruierte Völkerverwandtschaften und ihre Funktion für die Franken, sowie Gleichsetzungen mit anderen gentilen Gruppen über Zeit und Raum hinweg und ihre Ursachen....mehr

Publikationen
Die Wahrnehmung fremder Völker in der Merowingerzeit, in: Strategies of Identification – Early Medieval Perspectives, ed. Walter Pohl/Gerda Heydemann(Turnhout 2011)
Kult und Tabu. Wahrnehmungen der Germania bei Bonifatius (in Druck).
Fremdwahrnehmungen in der frühmittelalterlichen Ethnographie (ungedruckte Dissertation, Universität Wien, 2009).

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