20.03.2019

Neue Interviewserie "Was wurde aus..." - Teil 1

"Mich hat die Fusionsforschung nicht mehr losgelassen und ich arbeite mittlerweile als Forscher am Princeton Plasma Physics Laboratory (PPPL)."

Florian Laggner, ehemaliger Dissertant vom Institut für Angewandte Physik (TU Wien)

Wann haben Sie Ihren PhD abgeschlossen?
Dissertation an der TU Wien im Mai 2017.

Was war der Titel Ihrer Dissertation? Wovon handelte diese?
Während meiner Dissertation ‚Inter-ELM pedestal structure development in ASDEX Upgrade‘ beschäftigte ich mich mit der Erforschung des Rands von heißen, für Kernfusion relevanten, Plasmen im Tokamak Experiment ASDEX Upgrade. ASDEX Upgrade wird vom Max-Planck-Institut für Plasmaphysik in Garching betrieben und ich hatte unter dem Schirm des europäischen Fusionsprogramms EUROfusion die Möglichkeit vor Ort an Experimenten teilzunehmen. Ich habe den Rand des Plasmas mit einer Lithium Strahl Diagnostik vermessen und studiert wie sich das Plasma zwischen Randinstabilitäten sogenannten ‚Edge Localized Modes (ELMs)‘ entwickelt. Dabei ist es gelungen, verschiedene Zeitskalen zu identifizieren, in denen sich die Plasmadichte und -temperatur entwickelt. Diese sind begleitet von charakteristischen, gesättigten Instabilitäten, welche aller Wahrscheinlichkeit nach, einen Beitrag zum Transport, sprich dem Energieverlust am Plasmarand, leisten. Ein detailliertes Verständnis der zugrunde liegenden Mechanismen, die diese Instabilitäten sättigen, ermöglicht die Optimierung des Plasmarandes, sodass keine ELMs, die in einem Fusionsreaktor nicht tolerierbar sind, auftreten.

Was fasziniert Sie an der Kernfusion?
Für mich war, ist und bleibt die größte Motivation in diesem Feld zu arbeiten, dass man Grundlagenforschung mit einer direkten Anwendungsvision betreibt. Es ist unglaublich aufregend in noch unverstandene Bereiche vorzudringen mit dem Bewusstsein, dass man damit einen weiteren Wissensgewinn zur Verwirklichung des Fusionskraftwerkes beigetragen hat.

Was haben Sie kurz nach Ihrem Abschluss gemacht?
Weniger als einen Monat nach der Verteidigung meiner Dissertation habe ich eine Post-Doc Stelle am ‚Department for Mechanical and Aerospace Engineering‘ an der Universität Princeton angetreten. Deshalb blieb wenig Zeit für ausgiebige Feiern oder eine größere Reise. Ich war hauptsächlich mit Packen beschäftigt, da ich nach beinahe 10 Jahren in Wien meine Zelte abbrach. Schließlich blieb vor der Verteidigung der Dissertation nur wenig Zeit für die Planung eines Umzugs über den Atlantik. Im Endeffekt war mein Transfer in die USA ein ziemliches improvisiertes Abenteuer, das aber retrospektiv eine großartige Erfahrung war.

Wo arbeiten Sie jetzt und was machen Sie genau?
Mich hat die Fusionsforschung nicht mehr losgelassen und ich arbeite mittlerweile als Forscher am Princeton Plasma Physics Laboratory (PPPL). Auch der große Themenbereich des Plasmarandes, dem auch meine Dissertation zuzuordnen ist, hat mich soweit nicht mehr losgelassen und ich beschäftige mich weiterhin mit Fragen zur Struktur des Plasmarandes, z.B. wie Neutralgas und dessen Ionisation den Plasmarand beeinflusst.

Was sind dabei die größten Herausforderungen?
Im Vergleich zu Europa werden im amerikanischen Fusionsprogramm die Distanzen wesentlich größer und internationale Kollaborationen werden noch viel stärker forciert. Das bedeutet in meinem Fall, dass man viel Zeit im Flugzeug verbringt um an diversen Experimenten in Amerika und Europa teilzunehmen. Somit verlagert sich der Arbeitsplatz in ein dynamisches Umfeld und es gibt nur wenige Wochen in denen ich aus meinem Büro arbeite. Außerdem bin ich in mehr und mehr Forschungsprojekte involviert, was ein gewisses Zeitmanagement und gute Koordination erfordert. Aus diesen Rahmenbedingungen ergibt sich ein äußerst abwechslungsreiches und bereicherndes Arbeitsumfeld, dass mich Tag für Tag vor neue und aufregende Herausforderungen stellt.

Haben Sie einen Ratschlag für heutige DissertantInnen/DiplomandInnen?
Seid begeistert von dem was ihr tut und nutzt die universitären Freiräume eure Arbeit in die Richtung voranzutreiben, die euch Spaß macht! Es gibt im Rahmen der Ausbildung auch viele Zusatzangebote, die unbedingt zur persönlichen Entwicklung genutzt werden sollten. Außerdem sollte man sich ein gewisses Durchhaltevermögen angewöhnen, damit man die unvermeidbaren Tiefs einigermaßen ausgleichen kann.