13.06.2017

Dissertanten Interviewserie - Teil 8

"Mich fasziniert die Komplexität des Fusionsforschungsprogramms"

Ole Meyer, Dissertant an der Universität Innsbruck

Was ist dein Dissertationsthema?

Das Thema meiner Dissertation lautet „Multi-species gyrofluid tokamak turbulence“.

Was wird dabei erforscht?

Wir untersuchen mithilfe von numerischen Simulationen den „Isotopen Effekt“ in Tokamak Plasmen. Ein kommerzielles Fusionsplasma besteht aus einem Deuterium-Tritium Gemisch, welches schwerer als reine Protium oder Deuterium Entladungen ist.

Viele der bisherigen Erkenntnisse über das Verhalten von Plasmaturbulenz in der Randschicht von Tokamaks sind mit „leichteren“ Plasmamischungen erreicht worden. Experimente zeigen, dass z.B. der turbulente Wärme- und Partikeltransport nicht derartig mit der Ionenmasse skaliert, wie man es theoretisch vorhergesehen hat.

Was ist der Nutzen für die Kernfusionsforschung?

In ITER und DEMO soll ein Deuterium-Tritium Gemisch als Brennstoff verwendet werden und ein besseres Verständnis wäre hilfreich für den effizienten Nutzen dieser Experimente. Besonders über die Diagnostikverfahren in ITER sollte Aufschluss über die zugrunde liegende Physik gegeben werden, da sowohl leichte als auch schwere Plasmen erzeugt werden sollen.

Was sind dabei die größten Herausforderungen?

Um gute statistische Vorhersagen zu treffen, benötigt man lange Zeitreihen, die wiederum mit einem großem Rechneraufwand zusammenhängen. Für die Ergebnisse in meiner Dissertation haben wir ein lokales Modell verwendet, um lange Zeitreihen verhältnismäßig ökonomisch zu produzieren. Dadurch verliert man jedoch an Genauigkeit im Vergleich zu globalen Modellen, an denen auch in unserer Forschungsgruppe gearbeitet wird. Zurzeit sind diese noch mit zu unpraktisch langen Laufzeiten verbunden.

Welche Pläne hast du für die Zukunft? Wo siehst du dich in 5 Jahren? Willst du in der Forschung bleiben oder später in die Privatwirtschaft gehen?

Ich will in der Forschung bleiben, jedoch ist es nicht einfach entsprechende Stellen zu finden. In 5 Jahren kann viel passieren, hoffentlich ist es mir bis dahin gelungen eine Stelle als Forscher zu finden!

Was hat dich dazu bewegt eine fusionsrelevante Dissertation zu schreiben? Was fasziniert dich an der Kernfusion?

Nachdem ich durch meine Masterarbeit erste Einblicke in die Kernfusion erlangt habe, wollte ich gerne ein tieferes Verständnis dafür entwickeln. Eine fusionsrelevante Dissertation ist eine gute Möglichkeit, um sich ausführlich mit reichlich verschiedenen und interessanten physikalischen Mechanismen auseinanderzusetzen. Mich fasziniert besonders die Komplexität des Fusionsforschungsprogramms, da mit sehr vielen unterschiedlichen Methoden und Techniken an zahlreichen, für den endlichen Erfolg notwendigen, Phänomenen geforscht wird.