go!digital NEXT GENERATION: Ausgewählte Projekte

Nuns and Monks – Prosopographical Interfaces (NAMPI)

Prosopographie ist ein sehr wichtiger Forschungsbereich in den Geisteswissenschaften, weil sie es Forscher/innen ermöglicht, eine Reihe wichtiger Fragen über historische Gesellschaften und das Leben von Menschen zu beantworten, die schwer zu beantworten sind, wenn nur Primärquellen über einzelne Personen oder Ereignisse betrachtet werden. Die verschiedenen Quellen, die uns über katholische Nonnen und Mönche aus der Frühen Neuzeit zur Verfügung stehen, gehören zu den interessantesten, die in eine moderne prosopographische Datenbank umgewandelt werden können. Dies ist auf die Tatsache zurückzuführen, dass die Mönchsgemeinschaften in ganz Europa eng miteinander verbunden waren, Nonnen und Mönche viele verschiedene geographische und soziale Hintergründe hatten und die Daten über sie und ihre Kollegen oft von sehr hoher Qualität und gut strukturiert waren.

Aus diesen Gründen wurden bereits zahlreiche Primärquellen durch diverse Forschungsanstrengungen in die digitale Welt überführt. NAMPI („Nuns and Monks – Prosopographical Interfaces“) ist ein Projekt, das einige der gravierendsten Nachteile der vorhandenen digitalen Ressourcen auf dem Gebiet der frühneuzeitlichen Prosopographie lindern will. Diese sind: ein enger Fokus und fehlende Metadatenstrukturen, die Inhalte schwer vergleichbar machen, sowie unklare technische Standards, die es den Forschern erschweren, digitale Daten zu teilen und wiederzuverwenden.

NAMPI wird eine semantische RDF-Datenbank erstellen, die von der von Pasin & Bradley entwickelten Factoid-Modell-Ontologie unterstützt wird und die zusammen mit zusätzlichen inhaltsorientierten Ontologien eine genaue Darstellung der Leben der frühneuzeitlichen Nonnen und Mönche ermöglicht. Diese Daten werden den Forscher/innen zur Verfügung gestellt und von anderen Projekten durch eine moderne und gut dokumentierte REST-API und eine auf der API basierende Website wiederverwendet. Dies ermöglicht es einerseits registrierten Teilnehmerinnen und Teilnehmern, Daten zu bearbeiten und andererseits anonymen Benutzer/innen, die prosopographischen Informationen zu durchsuchen und abzufragen um ein komplexes und genaues Bild der in der Datenbank vertretenen Personen zu extrahieren.

Am Ende des Projekts wird NAMPI Daten von etwa 82.000 Personen aus bereits vorhandenen Datenbanken wie ProDomo oder Germania Sacra sowie aus bislang unveröffentlichten Quellen wie den Professbüchern der Ursulinen in Linz und Innsbruck beinhalten. Auf diese Weise wird NAMPI dazu beitragen, das Leben der frühneuzeitlichen Nonnen und Mönche für Forscher/innen und die allgemeine Öffentlichkeit zugänglich zu machen und unser Wissen über unsere Vergangenheit und unser kulturelles Erbe zu erweitern.

Irene Rabl, Institut für Geschichte, Universität Wien
Daniel Jeller, ICARUS - International Centre for Archival Research, Wien


The European Constitutional Court Network (ECCN) – Das Netzwerk europäischer Verfassungsgerichte

Verfassungen beinhalten die zentralen Regeln unseres politischen Systems und Verfassungsgerichte sind die wichtigsten Rechtsprechungsorgane Europäischer Verfassungsstaaten. Sie sind die Wächter der Verfassung und garantieren zum Beispiel die Einhaltung der Grundrechte. Seit dem 20. Jahrhundert nimmt die Bedeutung der Verfassungsgerichte ständig zu. Trotz großem Interesse von der Wissenschaft und der Öffentlichkeit wissen wir noch relativ wenig darüber, wie verschiedene Europäische Verfassungsgerichte zueinander stehen. Mit dem Projekt ECCN über das Netzwerk europäischer Verfassungsgerichte wollen die Forscher/innen diese Lücke schließen.

Was wir wissen ist, dass Entscheidungen von Verfassungsgerichten nicht in Isolation getroffen werden. Manchmal berufen sich europäische Verfassungsgerichte auch auf andere Verfassungsgerichte. Dennoch benötigen wir weitere Forschung, die darauf abzielt herauszufinden, in was für einem Ausmaß das geschieht. Das Projektteam wird daher empirisch erforschen, ob alle europäischen Verfassungsgerichte sich aufeinander beziehen und wenn ja wie oft, z.B. der österreichische Verfassungsgerichtshof, andere europäische Verfassungsgerichte, wie z.B. das deutsche, polnische oder spanische Verfassungsgericht, zitieren oder deren Argumentation übernehmen.

Nachdem das Projektteam direkte und indirekte Zitate aller europäischen Verfassungsgerichte offengelegt hat, will es mögliche Erklärungen für diese Vorgehensweise analysieren. Dass europäische Verfassungsgerichte andere Verfassungsgerichte zitieren ist interessant, da sich ein Verfassungsgericht theoretisch nur auf die eigene Verfassung stützen sollte. Im ECCN-Projekt wollen die Forscher/innen mit computergestützten Methoden Antworten darauf finden, in welchem Ausmaß und weshalb europäische Verfassungsgerichte auch andere Verfassungsgerichte zitieren.

Aufgrund der großen und vielsprachigen Entscheidungstexte seit 1952 stellen sie sich einer großen Aufgabe. Für Menschen wäre es wegen der zahlreichen unterschiedlichen europäischen Sprachen und der Quantität an Texten unmöglich, diese Aufgabe zu erledigen. Deshalb zieht das Forschungsteam moderne computergestützte Methoden heran. Neben der Erforschung des Zitationsnetzwerkes, d.h. dem Netzwerk der direkten Zitate europäischer Verfassungsgerichte, ermöglicht es maschinelles Lernen, auch semantische Textähnlichkeiten zu berücksichtigen. Sowohl das Zitationsnetzwerk als auch das Netzwerk von semantischer Textähnlichkeiten kann unter Zuhilfenahme moderner Technologien in unterschiedlichen Sprachen vorgenommen werden.

Mit innovativen technologiebasierten Methoden, welche die Forscher/innen in ihrem Projekt verwenden, können sie Muster in der Argumentation von Verfassungsgerichten offenlegen, die für einen menschlichen Beobachter bisher im Verborgenen geblieben sind. Kurzum, sie digitalisieren und erklären das Netzwerk europäischer Verfassungsgerichtsentscheidungen.

Lando Kirchmair, Universität Salzburg
Lisa Lechner, Universität Innsbruck


Ontologie der Narrative des Mittelalters (ONAMA)

Das Projekt ONAMA („Ontologie der Narrative des Mittelalters“) beschäftigt sich mit der Erstellung eines computergestützten Systems von Relationen mittelalterlicher narratologischer Entitäten in Texten und Bildern.

Das interdisziplinäre ‚Joint Venture‘ ONAMA basiert auf den umfangreichen Korpora zweier Langzeitprojekte der Universität Salzburg, der Mittelhochdeutschen Begriffsdatenbank (MHDBDB) sowie der Bilddatenbank REALonline des Instituts für Realienkunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit (IMAREAL). Die beiden Datenbanken bieten einen umfassenden Zugriff auf die Bild- und Textwelt des Mittelalters: Bei REALonline können Benutzer/innen unter anderem ein Bildmotiv auswählen, um Zugang zu einer Vielzahl von Realisierungen dieses Themas in Kunstwerken und Artefakten zu erhalten. Über eine onomasiologische Begriffsontologie ermöglicht die MHDBDB den Zugriff auf Motive und Themen und liefert dazu die zugrunde liegenden Textstellen aus verschiedenen Quellen.

Durch die Verbindung der Beschreibungsdaten und Thesauri von REALonline und des Begriffssystems der MHDBDB wird mit einer sprach- und medienunabhängigen Ontologie mittelalterlicher Narrative ein neues digitales Werkzeug geschaffen, das die fachlichen Grenzen zwischen bildlicher und textlicher Überlieferung überwindet und der Beantwortung vieler interdisziplinärer sowie intermedialer Forschungsfragen dient. So interessiert sich ONAMA beispielsweise dafür, wie Narrative in Bild und Text realisiert bzw. materialisiert werden, in welchem Kontext die materiellen Umsetzungen stehen und wie sich Wechsel von Medien und materiellen Informationsträgern auf das vermittelte Narrativ auswirken.

Die Nutzer/innen können über das ONAMA-Frontend gleichzeitig auf umfangreiche Annotationen zu Narrativen in Bildern und Texten zugreifen. So werden Bezüge oder Unterschiede innerhalb der breit gefächerten Korpora zu mittelalterlichen Quellen in den beiden Datenbanken einfach identifizierbar. Die narrativen Muster, die Texten und Bildern inhärent sind, werden nach zeitgemäßen digitalen Standards annotiert, visualisiert und können damit besser empirisch bewertet werden. Sämtliche im Rahmen von ONAMA generierten Daten werden der Scientific Community unter der Creative Commons-Lizenz CC BY-NC-SA zur Verfügung gestellt und können beispielsweise als Basis für Fragen zu Narrativen in anderen digitalen Korpora weiterverwendet werden.

Katharina Zeppezauer, Interdisziplinäres Zentrum für Mittelalter und Frühneuzeit (IZMF), Universität Salzburg
Peter Hinkelmanns, Interdisziplinäres Zentrum für Mittelalter und Frühneuzeit (IZMF), Universität Salzburg
Isabella Nicka, Institut für Realienkunde des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, Universität Salzburg
Manuel Schwembacher, Interdisziplinäres Zentrum für Mittelalter und Frühneuzeit (IZMF), Universität Salzburg


Text Mining Medieval Mining Texts (T.M.M.M.T.)

Das Projekt "Text Mining Medieval Mining Texts" (T.M.M.M.T.) beschäftigt sich mit zwei mittelalterlichen Bergbauquellen, die für den mittelalterlichen Bergbau in den Regionen Schwaz und Rattenberg in Tirol (Österreich) von zentraler Bedeutung sind. Eine der beiden Quellen ist noch unbearbeitet, während die andere bereits in editierter Form vorliegt.

Das Hauptziel des Forschungsvorhabens ist die Gewinnung von Informationen über die rechtlichen Beziehungen zwischen Menschen, Grubenverleihungen und Bergbaugebieten sowie die Lokalisierung in der Landschaft. Das zentrale Bindeglied zur Darstellung der Beziehungen zwischen Menschen, Gruben und Lokalisierung sind Namen: Ortsnamen, Personennamen und Grubennamen innerhalb der historischen Quellen ermöglichen die Darstellung der gegenseitigen Beziehungen. Die gewonnenen Informationen werden in einem semantischen maschinenlesbaren Format (RDF) dargestellt, das die Integration weiterer Quellen zum Thema hat und die Visualisierung der räumlichen und zeitlichen Entwicklung eines Bergbaugebietes ermöglicht.

Eine zentrale Aufgabe ist die Erstellung einer digitalen, durchsuchbaren Version der historischen Dokumente "Verleihbuch der Rattenberger Bergrichter", 1460-1463 (Hs. 37), und "Schwazer Berglehenbuch", 1515 (Cod. 1587). Beide Quellen liegen derzeit im Tiroler Landesarchiv zu Innsbruck. Hs. 37 enthält Grubenverleihungen im Bergbaugebiet Brixlegg-Rattenberg (Tirol, Österreich) sowie Informationen zur damaligen Holzindustrie und ihre Verbindung zum Bergbau. Das historische Dokument "Schwazer Berglehenbuch" wurde 2009 von Wolfgang Tschan, teilweise transkribiert, in editierter Form veröffentlicht. Der Inhalt ähnelt dem von Hs. 37, konzentriert sich jedoch auf das Bergbaugebiet Falkenstein in Schwaz (Tirol, Österreich).

Der Prozess der linguistischen Annotation bedarf darüber hinaus der Entwicklung einer geeigneten Methodik für Named Entity Recognition und Named Entity Linking. Dies erfordert die Erstellung von Listen, die sowohl Orts- als auch Personennamen mit historischer Rechtschreibung enthalten. Geeignetes Datenmaterial ist durch die Dissertation der Projektkoordinatorin (Gruber 2016) sowie aus anderen bereits transkribierten historischen Quellen (Hs. 12) des Tiroler Landesarchivs verfügbar. Eine weitere Quelle für Personennamen ist die Dissertation von Yvonne Kathrein (2011) sowie die zugehörige Datenbank. Weitere Quellen sind historische Karten und hochauflösende digitale Höhenmodelle.

Geplanter Output des Projekts :

1. Digitale Version der mittelalterlichen Quellen

2. Gazetteers der historischen Bergbauareale und Personennamen

3. Methodik zur Named Entity Recognition/Named Entity Linking innerhalb historischer Dokumente

4. Semantische Darstellung in RDF

5. Visualisierung der zeitlichen Entwicklung eines Bergbaugebietes

6. Open Access / Online-Dissemination der Ergebnisse 1-5

Elisabeth Gruber, Institut für Sprachen und Literaturen, Universität Innsbruck
Gerald Hiebel, Institut für Grundlagen der Technischen Wissenschaften, Universität Innsbruck
Bettina Larl, Institut für Sprachen und Literaturen, Universität Innsbruck


Atlas der Wiener Avantgarden (AVA)

Die Wiener Avantgarden der 1950er und 1960er Jahre genießen international höchste Reputation. Arbeiten des Wiener Aktionismus, der Wiener Gruppe oder des Expanded Cinema sind in den weltweit wichtigsten Sammlungen zeitgenössischer Kunst vertreten. Bislang fehlt allerdings in Österreich ein institutioneller Knotenpunkt, der dieser Resonanz entspräche. Diese Lücke schließt der Atlas der Wiener Avantgarden (AVA) und etabliert an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften ein international vernetztes digitales Zentrum für die Beforschung und Vermittlung der Wiener Avantgarden.

Zentraler Inhalt der Onlineplattform werden filmische Interviews mit den noch lebenden Proponenten der Nachkriegs-Avantgarden sein. Die Interviewten reichen von Valie Export und Peter Weibel über Friedrich Achleitner und Oswald Wiener bis zu Friedrich Cerha und Wolf D. Prix. Das Projekt sichert damit unschätzbare, nicht ersetzbare Bestände des Wissens und des österreichischen Kulturerbes.

Der AVA wird der Öffentlichkeit sowie der Wissenschaft Orientierung und Unterstützung bei der Recherche anbieten, und er wird Raum schaffen für die Präsentation einschlägiger Forschung. Dabei stehen einerseits die Wiener Avantgarden als Erben der Wiener Moderne um 1900 (Klimt, Schiele, Schönberg, Wittgenstein u.a.) im Mittelpunkt. Zum anderen richten sich Forschung und Vermittlung auf die Frage, welcher Gegenwartsbezug und gesellschaftliche Nutzen sich aus den Arbeiten und Überlegungen der Avantgarden ableiten lassen.

Sabine Müller, Institut für Germanistik der Universität Wien
Ingo Börner, Austrian Centre for Digital Humanities der Österreichischen Akademie der Wissenschaften


Wie digitale Medien und Augmented Reality unsere Wahrnehmung von öffentlichen Räumen verändern (DigitAS) 

Wie beeinflusst ein Tweet, ein Facebook-Post oder ein YouTube-Video unsere Meinung über einen öffentlichen Park? Und was, wenn wir „Augmented-Reality“-Technologien einsetzen, um solche Nachrichten in Echtzeit und vor Ort zu empfangen? Wie würde diese „Augmented Reality“ unsere Nutzung von öffentlichen Räumen, unser Sicherheitsgefühl, unsere Interaktion mit anderen im öffentlichen Raum und damit den Zusammenhalt der Gesellschaft verändern? Und wenn wir sehr emotional auf digitale Medien reagieren, die öffentliche Orte positiv oder negativ darstellen, wie anfällig sind wir dann für Manipulationen?

Wir leben inmitten einer räumlichen Revolution, in der Online- und Offline-Welten immer mehr zusammenwachsen. Digitale Medien prägen bereits heute unsere Wahrnehmung von Räumen, z.B. durch Navigationssysteme, die unsere geografische Realität strukturieren, durch soziale Medien, die uns bombardieren mit Fotos, Videos und Kommentaren „getagged“ mit Städten, Restaurants oder Sehenswürdigkeiten. Mit dem jüngsten Sprung in der „Augmented-Reality“-Technologie wird sich unsere Wahrnehmung vom Raum abermals grundlegend verändern. Die Forschungslücke zu den Auswirkungen dieser Entwicklung auf den Einzelnen und die Gesellschaft insgesamt ist groß. Es fehlen jedoch Methoden, um angemessen zu erfassen und zu verstehen, wie sich digitale Inhalte auf das affektiv-emotionale Raumerleben auswirken. Das Forschungsprojekt DigitAS – abgekürzt für “The Digital, Affects and Space” – will neue Methoden entwickeln, um diese drängenden Fragen anzugehen und die Infrastruktur für künftige kollaborative Forschung und Ausbildung in diesem Bereich zu schaffen.

Mit der Auswahl von zwei in Österreich stark umstrittenen öffentlichen Plätzen als Testfeldern – dem Rapoldi-Park in Innsbruck und dem Venediger-Au-Park in Wien –, wird DigitAS eine dringend benötigte akademische Perspektive in die hochaktuellen Debatten zur Sicherheit und Überwachung öffentlicher Räume einbringen. Die Ergebnisse des Projekts werden der Bevölkerung und den Behörden in zwei Szenario-Workshops in Innsbruck und Wien nähergebracht. In diesen Workshops möchte das DigitAS-Team gemeinsam mit allen eingeladenen Stakeholdern wünschenswerte Zukunftsszenarien zur Entwicklung und notwendigen Regulierung von Augmented und Virtual Reality diskutieren.

Tabea Bork-Hüffer, Institut für Geographie, Universität Innsbruck
Katja Kaufmann, Institut für vergleichende Medien und Kommunikationsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
Niklas Gudowsky, Institut für Technikfolgen-Abschätzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften


Diachronic Dynamics of Lexical Networks (DYLEN)

Netzwerkbasierte Ansätze spielen eine immer wichtigere Rolle bei der Analyse von Daten. Insbesondere in den Digital Humanities haben Netzwerkmodelle in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen, weil immer mehr datenbasierte Forschung betrieben wird und die Datenmengen zunehmend größer werden (Stichwort: Big Data).

Das Projekt verknüpft die Bereiche Linguistik, Digital Humanities und Informatik, um die diachrone Entwicklung lexikalischer Netzwerke auf der Basis von umfangreichen authentischen Sprachdaten zu erforschen. Das Projekt verwertet Sprachdaten, die bereits am ACDH der ÖAW verfügbar sind: das Austrian Media Corpus (AMC) und das Korpus der österreichischen Parlamentsprotokolle (ParlAT). Das AMC umfasst die gesamte österreichische Medienlandschaft der letzten 20 Jahre und enthält 40 Millionen Texte (mehr als 10 Milliarden Token). Das ParlAT umfasst die österreichischen Parlamentsprotokolle der letzten 20 Jahre mit mehr als 75 Millionen Token.

Aus linguistischer Sicht wird das Projekt die diachrone Entwicklung lexikalischer Netzwerke erforschen und netzwerkbasierte Methoden für die diachrone Linguistik diskutieren. Aus Sicht der Informatik wird das Projekt Netzwerkmethoden auf große Mengen linguistischer Daten anwenden und neue Methoden zur automatischen Analyse und zum Vergleich dieser Netzwerke diskutieren. Darüber hinaus wird das Projekt das bereits vorhandene digitale Angebot mit frei verfügbaren Tools zur Netzwerkanalyse und Visualisierung erweitern und vorhandene Daten mit zusätzlichen Annotationen anreichern.

Tanja Wissik, Austrian Centre for Digital Humanities der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
Andreas Baumann, Universität Wien
Julia Neidhardt, TU Wien


Medienberichterstattung über Algorithmen, Roboter und künstliche Intelligenz: Zur Repräsentation von Risiken und Verantwortung im Automatisierungsdiskurs (MARA)

Wirtschaft und Gesellschaft werden aktuell durch Veränderungen ergriffen, die immer mehr durch Robotik, Algorithmen und künstliche Intelligenz mitgeprägt werden. Automatisierte Entscheidungssysteme wickeln einen Großteil des Börsenhandels ab. Die Informationsvermittlung im Internet erfolgt automatisiert durch Algorithmen in Suchmaschinen und sozialen Medien. Selbstfahrende Autos und selbstlernende soziale Roboter verweisen auf weitere Entwicklungsschritte von Automatisierung. Diese bietet Chancen für gesellschaftlichen und volkswirtschaftlichen Nutzen. Die Kehrseite der Medaille bilden etliche Risiken wie Arbeitsplatzverluste, Manipulation, Sicherheitsrisiken oder Verletzungen der Privatsphäre.

Wenn es um Risiken geht, stellt sich gleichzeitig die Verantwortungsfrage. Wer haftet, wenn selbstfahrende Autos Fußgänger/innen verletzen? Wer zeichnet verantwortlich, wenn Chat-Bots im Internet verhetzende Aussagen tätigen? Wer soll sich einer kritischen Öffentlichkeit stellen, wenn automatisierte Entscheidungssysteme zu Diskriminierung führen? Wichtige Verantwortungsfragen, die sich im Kontext des Automatisierungstrends stellen, sind noch nicht endgültig geklärt. Mitunter ist von Verantwortlichkeitslücken die Rede und nicht selten wird Verantwortung von vermeintlichen Verantwortungsträgern auf die Technik, die Politik, die Nutzer/innen oder die Konkurrenz abgeschoben.

In dieser Phase des Umbruchs und der Unsicherheit spielt die Medienberichterstattung über Risiken und Verantwortlichkeit für die öffentliche Wahrnehmung und Meinungsbildung eine wichtige Rolle, denn die mediale Zuweisung von Verantwortung beeinflusst die soziale Konstruktion von Verantwortlichkeit. Mit dem geplanten Projekt wird deshalb die mediale Darstellung von Risiken und Verantwortung im Rahmen des Automatisierungstrends analysiert. Damit soll v.a. gezeigt werden, welche Einsatzbereiche der Automatisierung im medialen Fokus stehen (Autonomes Fahren, Pflegeroboter, Algorithmen im Internet, etc.), welche Risiken der Automatisierung im medialen Diskurs thematisiert werden (Beschäftigung, Sicherheit, Überwachung, etc.) und welchen Akteuren (Industrie, Staat, Konsumentinnen) welche Arten von Verantwortung für problematische Entwicklungen und für die Lösung von Problemen zugeschrieben wird.

Die Untersuchung erfolgt mit Hilfe eines innovativen Ansatzes, der auf dem Konzept der Verantwortungsnetzwerke aus der Technikphilosophie basiert und empirisch durch eine Kombination aus manuellen und automatisierten Inhaltsanalysen der Medienberichte zum Thema Automatisierung umgesetzt wird. Damit werden geistes- und sozialwissenschaftliche Fragen zu Risiken und Verantwortung mit Hilfe datengestützter Methoden der Digital Humanities beantwortet. Das Projekt wird von einem interdisziplinären Konsortium mit Expertise in Technikphilosophie, Medien- und Kommunikationswissenschaft und Informatik umgesetzt. In Hinblick auf Fragen an der Schnittstelle von Automatisierung und Verantwortlichkeit ist diese Zusammenarbeit bisher einzigartig in Österreich.

Florian Saurwein, Institut für vergleichende Medien und Kommunikationsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
Janina Loh, Institut für Philosophie, Universität Wien


The Anthropological and Archaeological Database of Sepultures (THANADOS)

Auf dem Gebiet des heutigen Österreichs kennt man mehrere hundert Gräberfelder und Friedhöfe aus dem Frühmittelalter (ca. 600 bis 1100 n. Chr.), die archäologisch bzw. anthropologisch erforscht und veröffentlicht sind. Die ersten wurden bereits vor über 150 Jahren ausgegraben und die Methoden der Dokumentation, die Analysen wie auch die Präsentation der Daten und der Ergebnisse haben sich seitdem ständig weiterentwickelt. In der Regel sind die entsprechenden Publikationen jedoch nach wie vor Druckwerke. Wenn es – selten aber doch – Open Access-Publikationen gibt, so sind dies meist PDFs der Texte und Tafeln. Strukturierte Daten, die für weiterführende Analysen geeignet wären, sind praktisch nicht öffentlich verfügbar.

Das am Österreichischen Archäologischen Institut der ÖAW angesiedelte THANADOS-Projekt hat zum Ziel ein Online Repositorium der frühmittelalterlichen Grabfunde Österreichs zu erschaffen. Es vereint mit Archäologie, Anthropologie und Digital Humanities drei Disziplinen. Die bisher bekannten und veröffentlichten Grabfunde werden dafür mit dem Open Source Datenbanksystem OpenAtlas, das die Informationen nach dem international etablierten Standard des CIDOC CRM modelliert, aufgenommen. THANADOS kann dafür auf eine breite Basis von bereits digitalisierten Daten aus bisherigen Projekten der Antragsteller zugreifen, die nun erstmals als Open Data veröffentlicht werden sollen. Dazu wird ein User Interface mit entsprechenden Eingabeworkflows für das bestehende OpenAtlas System entwickelt. In diesem werden die Grabfunde vom jeweiligen Fundort über die dort vorhandenen Gräber mit den erhaltenen menschlichen Überresten sowie den Kleinfunden bzw. Grabbeigaben standardisiert erfasst. Neben Textzusammenfassungen und kategorialen Informationen werden auch Bilddaten erfasst und die Befunde georeferenziert als GIS-Geometrien aufgenommen.

Eine interaktive Webanwendung für die Präsentation der Daten wird vom THANADOS-Team in Kooperation mit Spezialist/innen vom ACDH der ÖAW entwickelt. Diese mit jedem modernen Browser erreichbare Webanwendung erlaubt Nutzer/innen das Erkunden der Daten, gezielte Suchen, Visualisierungen sowie den Download einerseits der Rohdaten, andererseits von spezialisierten Abfrageergebnissen in gängigen Formaten. Eine kartografische und eine datenzentrierte Oberfläche ergänzen sich dabei nahtlos.

Technologisch baut THANADOS gänzlich auf Open Source Technologie auf. Die Entwicklungen fließen unter offenen Lizenzen auch wieder in das OpenAtlas Projekt zurück. Die Daten werden je nach Kategorie vorzugsweise unter Creative Commons Lizenzen wie auch als linked open Data der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Als Ziel soll anhand der Anthropologie und Archäologie von frühmittelalterlichen Grabfunden auf dem Gebiet des heutigen Österreichs ein offenes Onlinerepositorium geschaffen werden, das darüber hinaus auch als Modell für andere Regionen, Epochen und Themenbereiche dienen kann.

Stefan Eichert, Naturhistorisches Museum Wien
Nina Brundke, Österreichisches Archäologisches Institut der Österreichischen Akademie der Wissenschaften


Retrospective Intersectional Corpuslinguistic Analysis of Radiology Reports of Innsbruck Medical University  (MedCorpInn)

Ohne Sprache ist medizinisches Handeln undenkbar. Der medizinische Alltag ist durch verschiedenste kommunikative Praktiken geprägt: im Mündlichen etwa durch Visiten und Anamnesegespräche, im Schriftlichen durch Befunde, Protokolle, Arztbriefe und dergleichen mehr. Aktuelle Studien weisen darauf hin, dass in der Gesundheitskommunikation verschiedene Formen von Diskriminierung auftreten. Patient/innen können beispielsweise je nach Alter, Status, Herkunft oder Geschlecht benachteiligt werden; dies geschieht häufig unbewusst, weshalb Diskriminierungen nicht leicht zu erfassen sind.

Das Projekt MedCorpInn möchte sprachliche Muster solcher Diskriminierungen mit Hilfe einer großen Datenmenge aufspüren. Dazu wird eine bereits vorhandene, umfassende digitale Datensammlung (Korpus) verwendet: Das Korpus KARBUN umfasst 100.000 teil-anonymisierte radiologische Befunde der Universitätsklinik Innsbruck und stellt eine einzigartige Datensammlung dar, da es allgemein nur sehr wenige Korpora gibt, die ihre Daten direkt aus dem klinischen Kontext beziehen. Im Rahmen des Projekts soll das bestehende Korpus einerseits auf technischer Ebene verbessert und weiterentwickelt werden; andererseits sollen die Daten Aufschluss bezüglich verschiedener linguistischer und gendermedizinischer Fragestellungen liefern.

In Kooperation mit DBIS (Databases and Informations Systems, UIBK) wird das Korpus technisch weiterentwickelt. Dies beinhaltet u.a. das Strukturieren der vielen Metadaten, mit denen die Befunde versehen sind (z.B. Alter, Geschlecht, Versicherungsart, Untersuchungsmodus usw.), sowie weitere Maßnahmen zur Anonymisierung und zur automatisierten Datenverarbeitung. Außerdem wird die Annotierung nach Wortarten verbessert, womit im Korpus z.B. nach den häufigsten Wortarten gesucht werden kann.

Die aufbereiteten Daten können mit verschiedenen Methoden und Tools der Korpuslinguistik sowie der Diskursanalyse abgefragt werden. Dadurch soll u.a. herausgefunden werden, ob es in den Befunden sprachliche Unterschiede gibt, die in Abhängigkeit zu sozialen Faktoren stehen. Die Texte werden dazu nach Kategorien aufgeteilt (z.B. weiblich/männlich; Privatkasse/gesetzliche Kasse usw.) und im Hinblick auf statistisch signifikante sprachliche Muster und Unterschiede untersucht.

Auch gendermedizinische Fragestellungen können mit Hilfe des Korpus bearbeitet werden. Zum Beispiel kann überprüft werden, ob medizinische Behandlungen mit sozialen Faktoren zusammenhängen, oder ob es genderspezifische Unterschiede in Hinblick auf die Genauigkeit der Befunde gibt (z.B. bei Abmessungen von Verletzungen, Tumoren usw.). Das Projekt setzt sich zum Ziel, neue Methoden zu finden, mit denen unbewusste Diskriminierungen in großen Datenmengen identifiziert werden können. Schließlich sollen Ideen für mögliche Richtlinien gegen Diskriminierung für die medizinische Praxis zustande kommen.

Claudia Posch, Institut für Sprachen und Literaturen, Universität Innsbruck
Karoline Irschara, Institut für Sprachen und Literaturen, Universität Innsbruck
Leonhard Gruber, Universitätsklinik für Radiologie, MedUni Innsbruck
Stephanie Mangesius, Universitätsklinik für Neuroradiologie, MedUni Innsbruck


Distant Spectators: Distant Reading for periodicals of the Enlightenment (DiSpecs)

Die journalistische Gattung der “Spectators” des 18. Jahrhunderts stellt ein wichtiges Weltkulturerbe aus der Zeit der Aufklärung dar. Die Zeitschriften entsprachen dem demokratischen Ideal, kulturelle und moralische Fragen in nicht-akademischen Kreisen zu verbreiten und Werte der Aufklärung wie Weltoffenheit, Toleranz, intellektuelle Kritik, Selbstreflexion und soziale Verantwortung zu popularisieren. Basierend auf dem bestehenden Textkorpus der digitalen Edition der moralischen Wochenschriften (http://gams.uni-graz.at/mws) zielt diese Kooperation zwischen dem Institute for Interactive Systems and Data Science der Technischen Universität Graz, der Know-Center GmbH Graz sowie dem Zentrum für Informationsmodellierung (ZIM-ACDH) und dem Institut für Romanistik der Karl-Franzens-Universität Graz darauf ab, dieses mehrsprachige Korpus mit computergestützten Methoden der quantitativen Textanalyse zu untersuchen.

Quantitative Methoden der Datenanalyse werden in den digitalen Geisteswissenschaften aufgrund der ständig wachsenden Datenmengen immer wichtiger und somit auch in der Literaturwissenschaft Teil des methodischen Diskurses: Franco Morettis „Distant Reading“ und Matthew Jockers „Macroanalysis“ sind Methoden, die eine automatisierte Gruppierung und Klassifizierung großer Datenmengen ohne vorherige literaturwissenschaftliche Untersuchungen zum Ziel haben.

Das primäre Forschungsinteresse von DiSpecs liegt darin zu untersuchen, wie nützlich und effizient quantitative Methoden der Textanalyse für die Erforschung eines mehrsprachigen Textkorpus genutzt werden können. Es werden computergestützte Methoden entwickelt, um die aus traditionellen methodischen Zugängen der Literaturwissenschaften gewonnenen Ergebnisse zu ergänzen, mit dem Ziel, literarische und sprachwissenschaftliche Forschungsfragen teil-automatisiert und darüber hinaus allgemein anwendbar und auf andere Quellen übertragbar zu beantworten.

DiSpecs soll Erkenntnisse über die Verschiebung von Themen über Zeiträume und geografische Entfernung hinweg, sowie über stilistische Merkmale zu Tage fördern, die in weiterer Folge die Formulierung von Aussagen über Trends und Zeitgeist in den Zeitschriften des 18. Jahrhunderts ermöglichen. Insbesondere zielt die quantitative Analyse der Spectators darauf ab, die Studien zu Mikroerzählungen über die Wiederholung von Motiven in verschiedenen Zeitschriften zu ergänzen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem transnationalen Transfer und der Entwicklung dieses literarischen Genres unter Berücksichtigung geographischer, kultureller und zeitlicher Besonderheiten.

Die Ergebnisse dieser methodischen Studien werden in die bestehende digitale Edition der moralischen Wochenschriften in Form von Visualisierungen einfließen und auch zur Verbesserung bestehender Suchstrategien genutzt, um die Verwendung der digitalen Edition nicht nur als wertvolle Ressource, sondern auch als eigenständiges Forschungsinstrument für Literaturwissenschaftler/innen zu fördern.

Martina Scholger, Zentrum für Informationsmodellierung, ACDH der Universität Graz
Alexandra Fuchs, Institut für Romanistik, Universität Graz
Bernhard Geiger, Know-Center GmbH, Graz
Elisabeth Hobisch, Institut für Romanistik, Universität Graz
Philipp Koncar, Institute of Interactive Systems and Data Science, TU Graz


Becoming Urban – Reconstructing the city of Graz in the long 19th century (BeUrB)

Das Projekt beschäftigt sich mit der Entwicklung der Stadt Graz im langen 19. Jahrhundert (1789– 1914). Ein Geoinformationssystem (GIS) wird erarbeitet, um die Veränderungen der Stadt, den Prozess der Verstädterung (Urbanisierung) und die Wahrnehmung davon im Laufe der Zeit analysieren und zeigen zu können. Daher werden Stadtpläne von Graz mit textuellen (Beschreibungen von Graz, z.B. aus Reiseführern) und bildlichen Quellen (Abbildungen von Graz) aus dem 19. Jahrhundert mit aktuellem historischen Forschungsstand verknüpft. Dazu werden bereits digitalisierte sowie noch zu digitalisierende Informationen genutzt. So legt das Projekt „BeUrb“ eine solide Basis für die Analyse von städtischer Entwicklung in einer Zeit, die sich stark über radikalen und raschen Wandel charakterisieren lässt.

Das GIS ist ein Tool um Orte und Strukturen zu identifizieren, welche die Stadtentwicklung maßgeblich beeinflussten und bis heute beeinflussen. Das Projekt gibt demzufolge nicht nur einen Ein- und Überblick in und über historische Entwicklungen sowie Begebenheiten, sondern schafft ein besseres Verständnis für das Graz, wie wir es heute kennen.

Neben dem Nutzen und Mehrwerts des Vorhabens für Forschung und Lehre, werden die webbasierten Projektinhalte auch in privaten und touristischen Kontexten nutzbar sein, da es eine Anbindung an die Dauerausstellung im GrazMuseum „360 Graz - Eine Geschichte der Stadt“ sowie an den digitalen Guide dazu erfährt und mit Smartphones und Tablets mit nach draußen, an die Orte des Geschehens, mitgenommen werden kann.

Die Co-Produktion von GrazMuseum, Stadtarchiv und Universität Graz ermöglicht es, dass wissenschaftliche Forschungsergebnisse in einer Art und Weise visualisiert werden, dass davon alle interessierten Gesellschaftsgruppen (wie beispielsweise Schüler/innen und Lehrer/innen, Tourist/innen) profitieren können. Das Ergebnis eines solchen Vorhabens ist ein Wissenstransfer in die Gesellschaft und schafft Bewusstsein für die Stadt und ihre Geschichte(n).

Leif Scheuermann, Zentrum für Informationsmodellierung, ACDH der Universität Graz
Antonia Nussmüller, Stadtmuseum Graz GmbH
Carina Koch, Zentrum für Informationsmodellierung, ACDH der Universität Graz
Matthias Holzer, Stadtmuseum Graz GmbH


Accessing and Analysing Images with New Technologies (ChIA)

Zunehmend werden Anwendungen und Verbesserungen neuer digitaler Technologien und Tools verstärkt gefördert, um auf etablierte, aber auch auf neue und innovative Art und Weise Daten zugänglich und analysierbar zu machen. Wissen aus Datensammlungen oder Archiven zu beziehen steht zunehmend nicht nur mehr im Zentrum wissenschaftlicher Arbeit, sondern hat auch die Beteiligung anderer Akteursgruppen aus Gesellschaft oder Industrie erfahren. ChIA– Accessing and Analysing Cultural Images with New Technologies ist eine Kooperation zwischen dem Austrian Centre for Digital Humanities (ACDH-ÖAW) und Europeana Local - Österreich (Europeana Local – AT). Das Projekt zielt darauf ab, neue Technologien vor dem Hintergrund eines ausgewählten Datensatzes von Bildern zum Thema „Essen“ zu testen und so verbesserten Zugriff und angereicherte Analysemöglichkeiten kultureller Daten zu ermöglichen.

Das ChIA-Projekt ist insofern innovativ, als dass es Kombinationen neuartiger computergestützter Methoden (visuelle Suche, Chatbot-Technologien) und etablierter, digitaler Tools (semantische Thesauri) erprobt, die bisher in dieser Art und Weise noch nicht für Bildzugriff oder kulturelle Analyse im Kontext von Europeana Local – Österreich verwendet wurden. Da das Jahr 2018 zum Europäischen Jahr des Kulturerbes erklärt, und von der Europäischen Kommission unter dem Motto „Sharing Heritage“ ausgerufen wurde, spielen Wissenschaft und Technologie zugunsten des kulturellen Erbes eine wichtige Rolle. Dies ist der Fall sowohl im reellen physischen als auch im digitalen Bereich. Außerdem ist das Thema „Essen“ ein wesentlicher Bestandteil des kulturellen Reichtums der Menschheit und hat auch einen festen Platz im materiellen und immateriellen Kulturerbe der UNESCO.

ChIA zielt somit darauf ab, den Datenzugang von Europeana zu verbessern, indem eine Zwischenarchitektur für die Einbettung und Anwendung der vorgeschlagenen digitalen Tools geschaffen wird. Gleichzeitig ermöglicht es sowohl WissenschaftlerInnen als auch BürgerInnen erweiterte und angereicherte Suchmöglichkeiten und Erkenntnisse. Darüber hinaus fungiert das Projekt als Experimentierfeld für Künstliche Intelligenz (KI) in einem digitalen kulturellen Kontext, in dem das experimentelle Setting neue Perspektiven für andere vernetzte Disziplinen eröffnen kann. Es dient weiters als Vorzeigebeispiel für ähnliche zukünftige Vorhaben zur Anwendung und Verbesserung digitaler Methoden im Rahmen von Kooperationsprojekten.

ChIA wird innerhalb der Open Innovation Research Infrastructure (OI-RI) im exploration space @ ACDH-ÖAW umgesetzt, folgt den Prinzipien der Open Innovation Strategie für Österreich und nutzt durch Anschluss das Wissen größerer bestehender Dateninfrastrukturen wie z.B. DARIAH, EGI und E-RIHS.

Kontakt

Österreichische Akademie der Wissenschaften
Forschungsförderung – Nationale und Internationale Programme
Dr. Alexander Nagler
alexander.nagler(at)oeaw.ac.at
T +43 1 51581-1272

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