In der Archäologie sind Evidenzen bewusst entsorgten Abfalls von besonderer Bedeutung, da aus diesen Befunden wertvolle, bisweilen unerwartete Rückschlüsse auf antike Lebensumstände gezogen werden können.

Im Jahr 2012 kam bei Grabungen im antiken Stadtgebiet von Syene, dem modernen Assuan, ein Befund zwischen zwei Häusern zutage, der als Abfallschicht aus dem 1. bis frühen 3. Jahrhundert n. Chr. interpretiert werden kann. Diese Abfallschicht bestand überwiegend aus sandig-lehmigem Erdmaterial, das mit verschiedensten Materialgruppen und organischen Resten vermischt war. Der Großteil des entsorgten Materials entfällt auf Keramik, welche im Fokus dieses Projektvorhabens steht.

Bei der Müllschicht aus Syene handelt es sich um einen für Oberägypten einzigartigen Befund, der durchaus Bezüge zur heutigen Zeit herstellen lässt. Abfallwirtschaft ist nicht nur ein prominentes allgegenwärtiges Thema, sondern findet als eigene Disziplin (›archaeology of waste‹) zunehmend auch Eingang in die Archäologie. Durch die interdisziplinäre Auswertung des Befunds kann das Vorhaben auch als Pionierprojekt für die Region gelten und zu einer maßgeblichen Erweiterung des Forschungshorizonts beitragen. Die zeitliche Begrenzung des Fundkomplexes erlaubt zudem Detailstudien, die wiederum in keramologischer Hinsicht neue Erkenntnisse bringen werden.

 

Durch die Auswertung des Fundmaterials aus der Abfallschicht kann die schon erarbeitete Typochronologie der keramischen Gefäße aus Syene überprüft, ergänzt und präzisiert werden. Durch eine detaillierte Typochronologie lassen sich auch Änderungen im Formenspektrum festmachen, wodurch es möglich ist, eine präzisere Aussage über die Verwendungsdauer von Gefäßformen – also deren Lebensspanne – zu treffen. Um zu einem ganzheitlichen Bild zu kommen, werden auch Funde anderer Materialien – etwa Glas und Tierknochen sowie botanischen Reste – in die Auswertung einbezogen, wodurch auch Aufschlüsse hinsichtlich der Trink- und Speisesitten zu erwarten sind. Mithilfe der stratigrafischen Analyse lassen sich Art und Taphonomie der Abfallbeseitigung sowie die Zusammensetzung und Menge des Abfalls darstellen, sodass grundlegende Informationen über das Konsum- und Abfallverhalten der früh- bis mittelkaiserzeitlichen Bewohner von Syene gewonnen werden können.

Projektleitung

Laura Rembart

Kooperation

Schweizerisches Institut für Ägyptische Bauforschung und Altertumskunde Kairo

Laufzeit

06/2021–05/2023

Finanzierung

APART-GSK Stipendium 11924