ERYTHRAI: BAUFORSCHUNG AM HELLENISTISCHEN THEATER

Das hellenistische Theater in Erythrai ist eines der wenigen frühen Theater in Westanatolien und wird in die erste Hälfte des 3. Jhs. v. Chr. oder sogar noch in das 4. Jh. v. Chr. datiert. Das in den 1960er bis 1970er Jahren partiell freigelegte Monument blieb bisher wissenschaftlich weitgehend unberücksichtigt und bis auf wenige kurze Beschreibungen auch unpubliziert. Im Rahmen einer interdisziplinären Bauanalyse werden die Bau- und Nutzungsphasen des Theaters detailliert untersucht und das Monument wird für die historische Theaterforschung erschlossen.

Bauforschung und Archäologie


Wie Theater an vielen anderen Orten erlebte auch das Theater in Erythrai über Jahrhunderte wechselnde Bau- und Nutzungsphasen. Ausgehend vom hellenistischen Bestand können sowohl am Bühnengebäude als auch in der Orchestra und im Koilon umfassende bauliche Adaptierungen festgestellt werden, die einerseits Modernisierungen, Reaktionen auf veränderte Spielgewohnheiten sowie Reparaturen zeigen sowie andererseits auf Nutzungsänderungen hinweisen. Ein umfassender Ausbau des Theaters erfolgte in der römischen Kaiserzeit. Möglicherweise standen diese Maßnahmen im Kontext des überlieferten Besuchs Kaiser Hadrians 124 n.Chr. in Erythrai. Wohl in der Spätantike wird die Nordfassade des Bühnengebäudes in eine massive, wehrhafte Mauer integriert, die sich über längere Strecken auch außerhalb des Theaters im Stadtgebiet verfolgen lässt. Die jüngste ›Bauphase‹ stellen Restaurierungen und Rekonstruktionen vom Ende der 1970er/Anfang der 1980er Jahre dar, die teilweise massive Überformungen am historischen Bestand bedeuteten.

In dem interdisziplinären Projekt wird die Architektur des hellenistischen Theaters einschließlich der vielfältigen nachträglichen Veränderungen erforscht und – wo der Forschungsstand es erlaubt – auch der Bedeutungswandel des Gebäudes im urbanen Kontext berücksichtigt.

Von 2012 bis 2018 war das Projekt im Forschungsbereich Baugeschichte und Bauforschung der TU Wien angesiedelt und wurde dort von der Projektleiterin im Rahmen jährlicher Bauforschungs- und Grabungskampagnen durchgeführt. Die Feldforschung soll bis 2020 zum Abschluss gebracht werden.