Für die Kenntnis der keltischen Religion in ihren unterschiedlichen Ausprägungen sind die in antiken Monumental- und Kleininschriften überlieferten Götternamen sowie religiösen Termini von herausragender Bedeutung. Ebenso aufschlussreich sind die dortigen Hinweise auf Votivgaben, den Kreis der Stifter und auf deren Motive. Bislang wurden diese Quellen noch nie systematisch dokumentiert und durchleuchtet; eine Forschungslücke, die nun durch das 1998 ins Leben gerufene ÖAW-Projekt F.E.R.C.AN. geschlossen werden soll.

Ziel dieses internationalen Großprojektes ist die möglichst vollständige Erfassung, Neuedition und Auswertung der griechischen, lateinischen und keltischen Schriftzeugnisse religiösen Inhalts. Im Zuge ihrer Analyse sollen nicht nur die archäologisch-historischen Befunde, sondern auch sprachwissenschaftlich-philologische und religionswissenschaftliche Aspekte berücksichtigt werden. Aus diesem Grunde wurde ein interdisziplinärer Forschungsbeirat eingesetzt, der die epigraphischen Recherchen unterstützen soll.

Als bisherige Ergebnisse des F.E.R.C.AN.-Projektes, das im Übrigen mit dem von Gerhard Dobesch betreuten und inzwischen abgeschlossenen Projekt „Die antiken literarischen Quellen zur Religion der Kelten“ zusammengearbeitet hat, sind zu nennen:

1. Eine differenziertere Betrachtung der im jeweiligen Votivformular enthaltenen Elemente.

2. Eine Präzisierung der verwendeten Terminologie und eine formalisierte Transkription der betreffenden Sachverhalte.

3. Die Unterscheidung zwischen Theonymen, syntaktisch verbundenen Beinamen, sich verselbständigt habenden Beinamen und anderen eher klassifikatorischen Elementen.

4. Die Identifizierung verschiedener theonymischer Schichten.

5. Die Erkenntnis, dass Götternamen hinsichtlich Numerus und Genus variieren können.

6. Die Aufdeckung theonymischer Synonyme, die u.a. zu einer differenzierteren Sicht der sog. interpretatio Romana geführt hat.

Im Mittelpunkt des Projektes steht die Edition des CORPUS-F.E.R.C.AN. Es ist beabsichtigt, für jedes größere Fundterritorium einen Band mit den epigraphischen Testimonien samt Übersetzung, Kommentar und Auswertung der Gottheiten in ihrer sprachlichen und kultischen Erscheinungsform vorzulegen. Innerhalb dieser neuen Publikationsreihe der Österreichischen Akademie der Wissenschaften sind folgende Bände konzipiert: Alpenprovinzen, Asia et Africa, Britannia, Dacia, Tres Galliae und Narbonensis, Germaniae, Hispaniae, Italia, Noricum, Pannonia, Raetia, Roma, sowie als separater Band Altkeltische Sprachzeugnisse zur Religion. Diesen sollen Ergänzungsbände für Zusammenfassende Analysen: Die keltischen Elemente im Spiegel der epigraphischen Denkmäler nachfolgen. In der Endphase des Projektes wird es außerdem möglich sein, aus den jeweiligen Analysen der „Numina“ ein umfassendes Lexikon der altkeltischen sakralen Termini und Gottheiten bzw. Götternamen zu kompilieren. Einige Publikationen sind inzwischen den regelmäßig stattfindenden F.E.R.C.AN.-Workshops zu verdanken, bei denen diverse methodologische und inhaltliche Fragen erörtert werden konnten.

 

Projektleitung

Finanzierung

FWF [Projekt P 14306]

Wissenschaftlicher Beirat

  • Helmut Birkhan (Wien, Sprachwissenschaft und Keltologie)
  • Patricia de Bernardo Stempel (UPV/EHU, Sprachwissenschaft und Keltologie)
  • Gerhard Dobesch (Wien, Alte Geschichte und Altertumskunde)
  • Ute Klatt (Mainz, Ikonographie)
  • Nicolas Mathieu (Grenoble, Alte Geschichte)
  • Francisco Marco Simón (Saragossa, Religionswissenschaft)
  • Otto H. Urban (Wien, Institut für Urgeschichte und Historische Archäologie)
  • Rainer Wiegels (Osnabrück, Alte Geschichte und Epigraphik)