Byzantinischer Schmuck

Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen Schmuck aus Edel- und Nichtedelmetall (Kupferlegierung) im Mittelmeerraum und seine Rollen in der früh- und mittelbyzantinischen Welt.

Byzantinischer Körper- und Gewandschmuck ist sowohl unter kunsthistorischem als auch kulturhistorischem Aspekt von großer Bedeutung: Er liefert Daten über den Motivtransfer, über Formen, Ideen und technologische Fähigkeiten wie auch Informationen über gesellschaftliche Realitäten in byzantinischer Zeit. Handelsbeziehungen, Kommunikationsformen und auch das Zeichensystem des Byzantinischen Reiches können mithilfe des Schmucks erschlossen werden.

Projektbeschreibung


Die geplante Studie befasst sich mit Körper- und Gewandschmuck der früh- und mittelbyzantinischen Zeit einschließlich der Übergangszeit, den sog. Dunklen Jahrhunderten zwischen dem 7. und dem 9. Jahrhundert n. Chr. Der geografische Rahmen beschränkt sich auf die byzantinischen Gebiete und konzentriert sich dabei vor allem auf gut dokumentierte Fundorte mit einem großen Spektrum an vergleichbarem Material.

Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede signifikanter Objekttypen in Zusammenhang mit ihrer Verwendung verschiedener Materialien (Edelmetalle und Kupferlegierungen) während dieser Zeitspanne herauszuarbeiten, um interregionale Merkmale zu untersuchen oder die Existenz isolierter regionaler Beispiele festzustellen. Die chemische Zusammensetzung der Objekte sowie die zu ihrer Herstellung verwendeten Gussformen, Modeln und Werkzeuge sind im Rahmen einer gesamtheitlichen Untersuchung essenziell und werden daher auf Basis bereits veröffentlichter Daten sowie neu gewonnener Informationen (durch die Kooperationspartner) an Artefakten relevant für die Studie berücksichtigt. 

Um dieses Ziel zu erreichen, wird wie folgt vorgegangen: 1. Vergleichende Analysen von Edelmetall- und Buntmetallschmuck unter dem Gesichtspunkt von räumlich-kulturellen und technologischen Perspektiven, 2. Herausarbeiten regionaler und interregionaler Charakteristika, 3. Untersuchung verschiedener Herstellungs- und Dekorationstechniken, 4. Analysen der unterschiedlichen Materialzusammensetzungen in früh- und mittelbyzantinischer Zeit, 5. Untersuchung der funktionellen und symbolischen Verwendung von Schmuck in Zusammenhang mit den verschiedenen Gesellschaftsschichten.

Das Studium von Veränderungen und Rezeptionen des Materials sowie von Formen und Motiven ist essenziell, nicht nur für chronologische Klassifikationen, sondern auch für Fragen der Verbreitung, der Kontakte und des Handels. Nachgegangen werden soll der Frage nach An- oder Abwesenheit verschiedener Objektgruppen oder -typen, die in verschiedenen Regionen aus unterschiedlichen Materialien bestehen.

Als ein Produkt von Metallhandwerkern (Gold-, Silber- und Kupferschmiede, einschließlich der spezialisierten Berufe wie Graveure, Vergolder usw.) mit ihren technologischen Fähigkeiten ist Schmuck zudem eine wichtige Quelle für die Geschichte der Technologie. Detaillierte Analysen von Herstellungs- und Dekorationstechniken fehlen für Schmuck aus Nichtedelmetallen meist, sodass im Rahmen dieses Projekts besonderes Augenmerk auf die interdisziplinäre Forschung gelegt werden soll. Die technologischen Studien, die David Zs. Schwarcz übernehmen wird, vermitteln nicht nur Informationen über Werkstatttraditionen und technologische Fähigkeiten von Gold- und Kupferschmieden, sondern auch über die sozialen Wertesysteme der früh- und mittelbyzantinischen Welt.