Arbeitsgruppe Geschichte der Naturwissenschaften


Sehen mit dem Mikroskop? Philosophische, historische und soziale Dimensionen wissenschaftlichen Beobachtens

Innerhalb dieses Teilprojekts sollen Wissenschaftsphilosophen, Wissenschafts­historiker und Naturwissenschaftler zusammengeführt werden, die über das Problem des wissenschaftlichen Beobachtens nachdenken. Wie zentral der Begriff der wissenschaftlichen Beobachtung für unser Verständnis naturwissenschaftlicher Forschung ist, wird in der Debatte zwischen wissenschaftlichem Realismus und wissenschaftlichem Anti-Realismus besonders deutlich. Auf den ersten Blick erscheint es nicht weiter begründungsbedürftig, dass wissenschaftliche Instrumente wie Mikroskope den Bereich dessen, was als beobachtbar gelten kann, entscheidend erweitern. Ob dem jedoch tatsächlich so ist, ist Gegenstand einer aktuellen Debatte. Gesucht wird nach einer philosophischen Wahrnehmungstheorie, die der visuellen Überzeugungs­kraft von Mikroskopen besser Rechnung trägt, ohne dadurch die anti-realistischen  Intentionen Bas van Fraassens (The scientific image, 1980; Scientific representation: Paradoxes of perspective, 2008, die zumindest im Sinne einer Ausgangs­hypothese akzeptiert werden), von vornherein zu unterlaufen. In der Debatte um den Status mikroskopie­gestützter Beobachtung wurde bislang die Dimension der historischen Entwicklung der Mikroskopie weitestgehend ausgeklammert. Was mikroskopiegestützte Beobachtung ist, lässt sich aber nicht unabhängig von der Evolution unterschiedlicher Techniken der Mikroskopie beantworten. Anstatt bei heute akzeptierten Standards der Verwendung von Mikroskopen anzusetzen, soll deshalb auch untersucht werden, wie es zu diesen Standards kam. Zu diesem Zweck sollen eine Reihe einschlägiger historischer Quellentexte über Mikroskopie zwischen dem Ende des 17. und  dem Beginn des 20. Jahrhunderts untersucht werden. Der Fokus der Untersuchung liegt dennoch auf den beobachteten Kernreaktionen im Wiener Radiuminstitut (gegründet 1910), die dem Nachweis von Teilchen dienten und bei denen die Beobachtungsinstrumente eine zentrale Rolle spielten.


Projektleitung

 Prof. Dr. Simone De Angelis

Weitere (ehrenamtliche) Mitglieder der Projektgruppe:

Harald A. Wiltsche
Sebastian Kletzl
Theodore Arabatzis

Kontakt


Kommission für Geschichte und Philosophie der Wissenschaften
Österreichische Akademie der Wissenschaften
Dr. Ignaz Seipel-Platz 2
1010 Wien
Tel: +43-1-51581-3650
kgpw(at)oeaw.ac.at

Veranstaltungen


Veranstaltungshinweis:
22.-23. Mai 2019
Int. Konferenz "Zeugenschaft in der Frühen Neuzeit"
Universität Graz
RESOWI-Zentrum
Bauteil G, 2. OG, SR 15.22
Universitätsstraße 15
8010 Graz
Programm