Historische Waldnutzungsformen in Wien und ihre Auswirkungen auf den aktuellen Standortszustand


Projektleiter: Dr. Viktor J. Bruckman

Laufzeit: 01.03.2015-31.12.2016

Nationale Partner: DI Mag. Stephan Brabec (BOKU, Wien; ÖBf AG)

Fördergeber

Kulturabteilung der Stadt Wien (MA7)
Historisch unterschiedliche Nutzungsform in unmittelbarer räumlicher Nähe am Beispiel Kolbeterberg (Wien 14). Links Hochwaldbewirtschaftung (Umtriebszeit ~100 Jahre) mit primärer Zielsetzung der Produktion von Wertholz zur Weiterverarbeitung in der Sägeindustrie. Rechts ein über lange Zeit als Mittelwald im Kurzumtrieb (~30 Jahre) bewirtschafteter Ausschlagwald.

Die Nutzung von Ressourcen aus dem Wald fand schon seit Jahrhunderten in unterschiedlichster Weise in und um Wien statt. Bis etwa 1840 war Brennholz bzw. Holzkohle der wichtigste Energielieferant für städtische industrielle Infrastrukturen sowie für Privathaushalte und wurde dann stetig von Braun- und Steinkohle abgelöst. In Wien und den angrenzenden Waldungen waren die historischen Besitzstandsverhältnisse immer sehr klar geregelt. Die Aufzeichnungen hierzu sind sehr detailliert geführt, nicht zuletzt um die Grundsteuerlast zu ermitteln. Durch die verschiedenen, über Jahrzehnte hinweg klar definierten Nutzungsziele haben sich die Standorte unterschiedlich entwickelt, was sich insbesondere auf die Böden und letztendlich auch auf den Bewuchs auswirkte. Es hat sich beispielsweise gezeigt, dass selbst intensiv bewirtschaftete Standorte zur Produktion von Brennholz (Niederwaldbewirtschaftung) aufgrund ihrer komplexen räumlichen Struktur Hotspots der Biodiversität waren und immer noch sind. Anhand dieser Unterschiede und Charakteristiken lässt sich zeigen, wie stark historische Waldnutzungsformen das aktuelle Waldökosystem prägen, und es können aus dieser Perspektive die möglichen Konsequenzen zeitgemäßer Bedürfnisse an den Wald (z.B. verstärkte Biomasseproduktion bei gleichzeitigem Erhalt bzw. Förderung von Biodiversität) aufgezeigt werden.

Ziel des Projektes ist es, anhand von räumlich eingegrenzten Fallbeispielen die historische Landnutzung in Waldstandorten auf Wiener Boden weitgehend lückenlos aufzuarbeiten. Eine möglichst umfassende Datengrundlage soll dabei aus öffentlichen und privaten Archiven und Bibliotheken gewonnen werden. Nutzungsformen werden nach ihrer Art und dem entsprechenden Potenzial für eine nachhaltige Standortveränderung klassifiziert. Danach werden Parameter bestimmt, die zu Veränderungen im Boden führten (z.B. Nährstoffentzug). Zudem soll auf Flächen mit lückenlos identifizierter Nutzungshistorie die Biodiversität der Flora erfasst werden. Im Anschluss daran soll eine Nutzungsmatrix erstellt werden, die aktuelle Nutzungsformen (z.B. Hochwaldbewirtschaftung, Mittel- und Niederwaldbewirtschaftung) mit den historischen Nutzungen nach Möglichkeit räumlich explizit verbindet. Daraus können Konsequenzen, die aus einer geänderten bzw. intensivierten Nutzungsform der einzelnen Standorte entstanden sind, herausgearbeitet werden. Die resultierenden Informationen können einen wesentlichen Beitrag für zukünftige Planungen in Wäldern nahe urbanen Zentren liefern.

Die Ergebnisse werden aufgrund des räumlichen Bezuges in deutscher Sprache verfasst.