Zielsetzung und Fragestellungen

Die Plattenbausiedlungen stellen einen bedeutenden Teil der europäischen Kultur-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte dar. Plattenbausiedlungen weisen positive und negative Aspekte in unterschiedlichster Weise auf. Viele verfügen über ein großes städtebauliches, architektonisches, soziales und wirtschaftliches Entwicklungspotential. Mängel finden sich vor allem im Bereich der infrastrukturellen Ausstattung, in der Gestaltung der Freiflächen und teilweise im Bereich der Bautechnik (insbesondere in Bratislava).

Das Ziel des Projekts liegt darin, das Phänomen der Plattenbausiedlungen umfassend und unter Berücksichtigung bautechnischer, städtebaulicher, architektonischer, gestalterischer, sozialer und umweltrelevanter Aspekte zu untersuchen. Darüber hinaus werden die unterschiedlichen gesamtgesellschaftlichen, wohnbaupolitischen, wirtschaftlichen und demographischen Rahmenbedingungen in Wien und Bratislava erörtert. Weiters werden diverse Finanzierungsmodelle für die ökonomische und soziale Revitalisierung von Plattenbausiedlungen durch öffentliche und private Investitionen analysiert. Abschließend werden Zukunftsperspektiven für Plattenbausiedlungen in Wien und Bratislava erörtert und innovative Strategien und Lösungsansätze vorgestellt.

Die zentralen Fragen lauten

  • Inwieweit können die Plattenbausiedlungen der 1960er- bis 1980er-Jahre die Anforderungen an das zeitgemäße Wohnen heute noch erfüllen?
  • Welche Stellung kommt diesen Wohnanlagen im heutigen und zukünftigen städtebaulichen Kontext zu?
  • Welche Korrekturen sind möglich, und unter welchen gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen machen sie Sinn?

Ergebnisse

Die Ergebnisse des im Zuge des Projekts PWB durchgeführten Pilotprojekts zeigen, dass die Flexibilität der Plattenbauweise und der kompakte Baukörper eine effiziente und sinnvolle – sowohl architektonische als auch bautechnische – Sanierung ermöglichen. Die Sanierung von Plattenbauten auf zumindest Niedrigenergiestandard ist aus bautechnischer und bauphysikalischer Sicht einfach durchführbar. Neue, an die spezifische Situation in den neuen EU-Ländern angepasste Finanzierungskonzepte sind für die Sanierungsvorhaben allerdings essentiell. Massiv für eine Sanierungsoffensive sprechen nicht zuletzt ökologische, wirtschaftliche und gesellschaftspolitische Argumente. Die Abschätzung zukünftiger demographischer und sozioökonomischer Entwicklungen ist eine Voraussetzung für eine umfassende Plattenbausanierung. Es ist weiters notwendig, vor allem die altersspezifischen Anliegen – d.h. die Freizeitbedürfnisse der Jugendlichen und die neuen Ansprüche älterer Bewohnerschichten an die Infrastruktur – zu berücksichtigen. Die Nutzung und Gestaltung der Freiräume sind wichtige Faktoren für das Zusammenleben der Bewohner, diese gehören weiterhin zu den problematischsten Bereichen innerhalb der Siedlungen.

Das Projekt zeigt, dass die Grundlagenforschung das Potential hat, praxisorientierte Projekte in Zusammenarbeit u.a. mit der Wirtschaft, den Architekturschaffenden und der angewandten Forschung zu entwickeln und dadurch zu einer qualitativ neuen Wahrnehmung diverser Stadtentwicklungsprozesse in Wien und Bratislava wesentlich beizutragen.

Publikationen


Mayer, V. (Hrsg.): Plattenbausiedlungen in Wien und Bratislava zwischen Vision, Alltag und Innovation. Wien, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 2006. ISBN 3-7001-3698-6

Mayer, V. et al. (Hrsg.): Plattenbausanierung in Wien und Bratislava. Endbericht. PWB-Endbericht, Band 1 bis 7. Wien, Eigenverlag 2006.

  • Band 1: Plattenbausanierung in Wien und Bratislava - Neues Leben in alten Strukturen"
  • Band 2: Studentenwettbewerb Plattenbausiedlungen - moderne Wohnstätten von morgen
  • Band 3: Ausstellungskonzept Plattenbausiedlungen in Wien und Bratislava
  • Band 4: Bautechnik des Wiener Plattenbaus
  • Band 5: Demographische und sozioökonomische Strukturen im Wiener Plattenbau
  • Band 6: Befragungen zur Wohnqualität und Wohnzufriedenheit - Plattenbausiedlungen in Wien
  • Band 7: Pilotprojekt - Umfassende Sanierung eines Wohnblocks in Bratislava - Petrzalka

ISR-Projektteam


  • Mag. Dr. Vera Kapeller (ehem. Mayer) (Projektleitung)
  • DI Christoph Gollner
  • DI Hannes Huemer


Projektpartner


  • Ing.-Arch. Dr. Andrea Bacová (Slowakische Technische Universität)
  • Univ.-Doz. Dr. Zuzana Beňušková CSc. (Institut für Ethnologie der Slowakischen Akademie der Wissenschaften)
  • Mag. Dr. Wolfgang Förster (Magistrat der Stadt Wien, MA 50)
  • Ing.-Arch. Dr. Henrieta Morayčíková (Institut für Bauwesen und Architektur der Slowakischen Akademie der Wissenschaften)


Laufzeit


August 2003 – November 2006


Finanzierung


  • INTERREG IIIA, ISR


Projektwebsite


PWB