Zwischen Po und Donau

Ethnische und soziale Identitäten des ersten Jahrtausends unserer Zeit


Bestehende Auffassungen zu Mechanismen sozialer und politischer Identifikationsstrategien wurden in Frage gestellt und neue Ansätze vorgeschlagen. Ein besseres Verständnis sozialer und ethnischer Namen von Gruppen und Individuen (städtische, regionale, provinzielle, militärische) in der römischen und teilweise der frühmittelalterlichen Welt war das Forschungsziel. Die antiken Räume der Provinzen Raetia I und II, Noricum ripense und Noricum mediterraneum (die heutigen italienischen, deutschen, schweizerischen und österreichischen Zentral- und Ostalpen wie das bayrisch-österreichische Alpenvorland) und der pannonischen Provinzen (Burgenland, Teile der Oststeiermark, Ungarn diesseits der Donau, Syrmien in Serbien, Slowenien und Kroatien zwischen Drau und Save) waren der gewählte Untersuchungsraum. Vergleichende Ausblicke wurden auch Norditalien, also die antike Region Venetia et Histria, berücksichtigt.

Eine Sammlung und Auswertung lateinischer Inschriften aus den rätischen, norischen und pannonischen Räumen in Form eines Katalogs der verwendeten Bezeichnungen war erstes Arbeitsziel. Zweitens wurden systematisch die vorhandenen antiken Quellen nach Aussagen zu den Gebieten, deren Geographie und Bevölkerung sowie der Kollektivbenennungen durchsucht. Drittens wurde ein erster Überblick zur frühmittelalterlichen Situation erstellt und bereits nach Kontinuitäten oder Brüchen gefragt. Viertens war eine vergleichende Zusammenführung der schweizerisch-österreichischen und deutschen mit der italienischen althistorischen, epigraphischen und numismatischen Forschungsliteratur ein Ziel. Fünftens wurde der Stand der archäologischen Forschung berücksichtigt.

Das Projekt war hinsichtlich der Komplexität der Fragestellung und des Materials ein erster Schritt. Es steht am Anfang weiterer zu beantragender Folgeprojekte. Schließlich hatte der Ansatz das Potential, neue historische Narrative und Erklärungen zuerst zu prüfen und dann vorzuschlagen. In den Folgeprojekten sollten die westlichen Teile der italischen Region Venetia et Histria detailliert berücksichtigt werden, die Sammlung und Auswertung des epigraphischen Materials also um diesen Raum erweitert und fortgesetzt werden, und Probleme der handschriftlichen Überlieferung, der Kirchengeschichte, der Urkundenbestände, der Leges und der Hagiographie im gesamten Untersuchungsraum im Mittelpunkt stehen.

Projektleiter:
Roland Steinacher

Mitarbeiter/in:
Birgit Gufler, Markus Handy

 

OeNB Jubiläumsfondsprojekt

Projektnummer: 15819

Laufzeit: 15.03.2014 – 28.02.2015