Macht, Kommunikation, Identitäten


Zwischen 400 und 1000 unterlagen die verschiedenen Regionen auf dem Boden der römischen Provinz Dalmatien einem tiefgehenden Wandel. Ziel des vorliegenden Projektes war es, diese Transformationen zu untersuchen. Der geplante Zeitrahmen bot die Möglichkeit, den Rückzug der römischen Herrschaft, die erste Manifestation von slawischer Identität in Dalmatien und den Kampf zwischen Franken und Byzanz in und um diese Regionen zu untersuchen. Ebenso wurde die Geburt einer neuen Gesellschaft im 10. Jh. behandelt, als mächtige neue Eliten wie Kroaten und später Venezianer sich die Herrschaft über das Gebiet teilten. Während die großen Städte an der Adria starke Verbindungen mit dem östlichen Mittelmeer und Byzanz zeigten, sahen einige Küstengebiete und das Inland die Formierung von neuen politischen Einheiten, die nach ethnischen Gruppen benannt wurden, etwa Kroatien,  Narentanien und Serbien. Genau zu diesem Zeitraum begann der Name "Dalmatien", wie heute, nur die Adriaküste zu bezeichnen, ein semantischer Wechsel, der die größeren Transformationen wiederspiegelt, die in diesem Projekt untersucht wurden.

Diese Umwandlungen wurden traditionell mit dem Muster von Migration, Zerstörung und Widerstand erklärt. Daher wurden fünf Forschungsschwerpunkte geplant: (1) Die territoriale Transformation der Provinz und ihr Hintergrund. (2) Städtische Diskontinuität und Zerstörungsmythen (Die Erklärungen der mittelalterlichen Chroniken, warum die römischen Städte zerstört wurden und die mittelalterlichen entstanden). (3) De- Romanisierung und der Aufstieg neuer Eliten (4) Konstantin Porphyrogenitus und die Begründung der dalmatischen Ethnographie (Eine Analyse der Kapitel 28/9-36 von De administrando imperio) (5) Christianisierung.

Zentrale Aspekte dieses Projektes war nicht die Wiederholung des Paradigmas eines Bevölkerungswechsels, sondern die Veränderungen der politischen Strukturen und die Formierung von Identitäten.  Es war wichtig, diese Aspekte innerhalb der Debatte über die Transformation der römischen Welt zu platzieren. Darüber hinaus wurde Dalmatien innerhalb der wachsenden Diskussion über die Transformation der karolingischen Welt diskutiert. Der Diskurs über Identitäten und politischen Strukturen wurde mit der Rolle der Kommunikationsnetzwerke (über Land und Wasser) in einem Kontext gestellt werden. Daneben wurden die größeren Zusammenhänge der Geschichte Europas und des mediterranen Raums bedacht und die benachbarten Regionen als Vergleich genutzt.

Ziel dieses Forschungsprojektes war es, die Rolle von Dalmatien in den laufenden Debatten der Geschichtsforschung zu vergrößern.

FWF- Projekt  P24823

Projektleiter:
Francesco Borri