Edition der Urkunden Heinrichs VI.


DIE EDITION wird in zwei Teilbänden die vollständigen Texte sämtlicher rund 600 erhaltener von Heinrich VI. ausgestellten Urkunden mit kritischem Anmerkungsapparat, Angaben zur handschriftlichen Überlieferung, Drucken und Regesten sowie Vorbemerkungen mit diplomatischen, kanzleigeschichtlichen und inhaltlichen Kommentaren bieten. Erfasst werden außerdem alle heute verlorenen Urkunden (Deperdita), deren Existenz hinreichend nachgewiesen werden kann. 

Besonderes Augenmerk gilt der Beurteilung der Echtheit der erhaltenen Urkunden. Als  Fälschungen entlarvte Stücke werden daraufhin untersucht, ob ein möglicher echter Kern sowie Zeitpunkt und Motiv der Fälschung zu eruieren sind. Ein wichtiges Instrumentarium dabei bildet die Methode des  Diktatvergleichs, d.h. die Untersuchung der stilistischen Merkmale der aus der Kanzlei Heinrichs VI. hervorgegangenen Urkunden, die es außerdem als Ergänzung zum  Schriftvergleich ermöglicht festzustellen, ob einzelne Urkunden bestimmten Kanzleinotaren zugeordnet werden können. 

Vgl. die Vorabedition der Urkunden Heinrichs VI. für deutsche Empfänger, für italienische Empfänger und Empfänger aus dem Königreich Sizilien.

Vorarbeiten und Geschichte der Edition


Auf Anregung und unter Betreuung Heinrich Appelts, des Herausgebers der Diplome Kaiser Friedrichs I., verfasste Peter Csendes die heute maßgebliche Arbeit über die Kanzlei Heinrichs VI. – bereits in Vorbereitung der 1990 in Angriff genommenen Edition der Urkunden Heinrichs VI. (Peter Csendes, Die Kanzlei Kaiser Heinrichs VI. Denkschriften der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, phil.-hist. Klasse 151, Wien 1981). 

Als Ausgangspunkt für die Erfassung aller auf den Namen Heinrichs VI. ausgestellten erhaltenen und heute verlorenen, echten und gefälschten Urkunden dienen die Regesten Gerhard Baakens (J. F. Böhmer, Regesta Imperii IV, 3: Die Regesten des Kaiserreiches unter Heinrich VI., nach Johann Friedrich Böhmer neubearb. v. Gerhard Baaken. Köln-Wien 1972). Er konnte sich bereits auf den umfangreichen, in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch die Reisen Ludwig Bethmanns für die MGH begonnenen, von der Wiener Diplomata-Abteilung übernommenen und seitdem kontinuierlich ergänzten wissenschaftlichen Apparat stützen, der zahlreiche Abschriften und Fotos der maßgeblichen handschriftlichen Überlieferungen sowie Drucke, Regesten und Sekundärliteratur enthält. Nach dessen systematischer Aktualisierung und Vervollständigung wurde 1991 unter der Leitung von Heinrich Appelt mit der kritischen Erstellung der Texte samt Vorbemerkungen begonnen. 

Eine ausführliche Einleitung bietet Ergänzungen zur Kanzleigeschichte von Peter Csendes, die sich aus dem nunmehr vollständig vorliegenden Material ergeben, und insbesondere auch eine umfassende Beurteilung der Tätigkeit der Kanzlei Heinrichs VI. und seines Urkundenwesens im Königreich Sizilien, in dem er sich nach seiner Heirat mit der normannischen Königstochter Konstanze 1194 endgültig als Herrscher durchsetzen konnte. Wertvolle Vorarbeiten dafür leistete Thomas Ertl,  ehemaliger Mitarbeiter der Wiener Diplomata-Abteilung (Thomas Ertl,  Studien zum Kanzlei- und Urkundenwesen Kaiser Heinrichs VI. Forschungen zur Geschichte des Mittelalters 4, Wien 2002). Ein Namenregister, ein Wort- und Sachregister, ein Bücherverzeichnis sowie Empfänger- und Archivverzeichnisse werden die Edition erschließen. 

Bereits 1990 konnte Theo Kölzer den dritten Teilband mit den Urkunden der  Kaiserin Konstanze vorlegen (Die Urkunden der Kaiserin Konstanze. Constantiae imperatricis diplomata. Bearb. v. Theo Kölzer [MGH. Die Urkunden der deutschen Könige und Kaiser. Diplomata regum et imperatorum Germaniae. Bd. 11, Teil 3], Hannover 1990), die zuvor schon im Rahmen des Codex  diplomaticus regni Siciliae erschienen waren (Codex diplomaticus regni Siciliae ser. II, t. I/2. Köln-Wien 1983). 

Die Arbeitsgruppe am Institut für Mittelalterforschung war mit der Texterstellung und Kommentierung sämtlicher Urkundentexte unter der Leitung von Heinrich Appelt und nach seinem Tod 1998 mit der Erarbeitung der kanzleigeschichtlichen Einleitung sowie der Vorbereitung des Namenregisters befasst, während beim Institut für Österreichische Geschichtsforschung die Revision und Endredaktion der Texte liegt.