Die Inschriften des Bundeslandes Tirol Teil 1:


Werner Köfler und Romedio Schmitz-Esser
(Wien 2013)

Der Band versammelt in 341 Katalognummern die mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Inschriften der Politischen Bezirke Imst, Landeck und Reutte bis zum Jahr 1665. Er umfasst damit geographisch das Nordtiroler Oberland und bietet einen vielfältigen Einblick in diesen für den Fernverkehr seit der Antike bedeutsamen Raum, durch den mit dem Oberen Weg über Reschen- und Fernpass gleich ein ganzes Straßennetz führte, das als eine der Hauptrouten Süddeutschland mit Norditalien verband. Mit dem Zisterzienserstift Stams gehört zudem die Grablege der Tiroler Landesfürsten zum Bearbeitungsgebiet dieses Bandes.

Die Oberländer Inschriften setzen vor allem im späten 13. Jahrhundert ein. Etwas mehr als ein Fünftel der Inschriften ist nur mehr kopial erhalten und wird hier zumeist erstmalig aus der frühen Tiroler Historiographie erschlossen. Als erster Band für ein Inschriftengebiet Westösterreichs zeigen sich deutliche Unterschiede zur Situation im Osten des Landes: Hier stehen nicht die Denkmäler des Totengedenkens im Mittelpunkt, sondern die für die Tiroler Inschriftenlandschaft charakteristischen gemalten Inschriften. Vor allem die reichen barocken Fassadendekorationen und die gotischen Kirchenausmalungen im Oberland sind oft mit umfangreichen Inschriften versehen, so dass diese Gruppe mit rund einem Drittel auch den Großteil des hiermit vorliegenden Bestands ausmacht. Neben Grabdenkmälern, Glocken und kirchlichen Ausstattungsgegenständen erschließt der Band zahlreiche Graffiti, die Einblicke in die persönliche Frömmigkeit, aber auch die rege Reisetätigkeit durch Tirol in der Frühen Neuzeit bieten.

Der Reichtum, den Handel und Bergbau ins Oberland brachten, zeigt sich etwa in den Städten Landeck und Imst. Die Inschriften der zahlreichen Wallfahrtsstätten, etwa in Serfaus (St. Georgen ob Tösens, Wallfahrtskirche) oder Obsaurs (St. Vigil), sind großartige Zeugnisse vormoderner Religiosität in den Alpen. Das Herzstück des Bandes stellen jedoch die reiche liturgische Ausstattung und die Memorialinschriften mit ihren vielfältigen Bezügen zur Landesgeschichte aus Stift Stams dar.