Die USA betrieben eine restriktive Einwanderungspolitik. Antragsteller/innen für amerikanische Visa mussten zunächst ein Affidavit eines ausreichend wohlhabenden Amerikaners oder einer Amerikanerin vorlegen, die sich verpflichteten, sie notfalls zu versorgen, sodass sie dem Staat nie zur Last fallen würden. Danach erhielten die Antragsteller/innen Quotennummern. Je nach Geburtsland vergaben die USA jährlich eine bestimmte Anzahl von Visa. War die Zahl dieser Visa für das Geburtsland gering und die Quotennummer hoch, bedeutete dies jahrelanges, oft lebensbedrohliches Warten auf eine Einreisegenehmigung. Nach der deutschen Okkupation Frankreichs waren die vielen dort lebenden Flüchtlinge aus dem deutschen Machtbereich nicht nur in der besetzten Zone in großer Gefahr. Denn das Vichy Regime verpflichtete sich, auf Antrag der Deutschen Flüchtlinge auszuliefern. Damit waren vor allem antifaschistische Politiker/innen, aber auch kritische Kulturschaffende und Intellektuelle in Gefahr. Die Hilferufe verzweifelter Kolleginnen und Kollegen, Freunde und Verwandte bewirkten, dass sich Thomas und Erika Mann, der Schriftsteller Karl Frank (aka Paul Hagen) und Josef Buttinger, ehemals Führer der Revolutionären Sozialisten in Österreich, denen die Flucht in die USA bereits gelungen war, beim amerikanischen Präsidenten, Franklyn D. Roosevelt, für eine Lockerung der strikten Visabestimmungen einsetzten. So sollten gefährdete Intellektuelle und Kulturschaffende mit so genannten Notvisa einreisen dürfen.

Roosevelt stimmte zunächst der Rettung von 200 Künstlern und Künstlerinnen zu, woraufhin im Juni 1940 das „Emergency Rescue Committee“ (ERC) gegründet wurde. Um diese Personen ausfindig zu machen und ihre Flucht zu organisieren, schickte das ERC der Journalisten Varian Fry als Sonderbeauftragten nach Marseille. Mit Hilfe des amerikanischen Vizekonsuls in Marseille, Harry Bingham, und dank großzügiger amerikanischer Hilfsgelder konnten Fry und das ERC bis 1942 schließlich mehr als 2000 europäische Kulturschaffende und politische Aktivist/innen retten. Allerdings war es nur einem geringen Teil der Flüchtlinge möglich, sich in Marseille einzuschiffen, um in die USA zu reisen. Die meisten, wie z.B. Franz Werfel und Alma Mahler-Werfel, mussten auf illegalen Fluchtrouten, die Varian Fry organisierte, zu Fuß die Pyrenäen überwinden und Spanien durchqueren, bevor sie in Portugal ihre Schiffsreise in die USA antreten konnten.

Quellen

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