Wien im Kulturfilm:
Aspekte der audiovisuellen Inszenierung der Stadt 1938–1958

© Filmarchiv Austria
Filmausschnitt aus dem Kulturfilm „Rund um Wien“ D-1941 © Filmarchiv Austria

Filmausschnitt aus dem Kulturfilm „Rund um Wien“ D-1941 

 

Während die Imagination Wiens im Spielfilm bereits wissenschaftlich erschöpfend erforscht wurde, steht eine solche Untersuchung für den Gegenstand des Kulturfilms noch aus. Dieses Desiderat ist umso erstaunlicher, da im Medium Kulturfilm für die audiovisuelle Inszenierung der Stadt Darstellungsstrategien entwickelt wurden, die sich von den Paradigmen des Spielfilms wesentlich unterschieden. Grundsätzlich stellte der Kulturfilm den Versuch dar, eine ideologische Weltordnung zu vermitteln. Im Rahmen des Projekts ist dies anhand zweier Zeitabschnitte der Stadtgeschichte aufgezeigt, einerseits anhand der Ära nationalsozialistischer Herrschaft, andererseits anhand der Nachkriegszeit. 

Leitendes Kriterium der Auseinandersetzung mit dem kulturfilmischen Image Wiens in beiden Perioden ist die Rolle der Filmmusik. Im Gegensatz zu ‚Fiction’-Filmen des deutschsprachigen Kinos der 1940er und 1950er Jahre, in denen Handlung im Vordergrund stand und Underscoring meist nur eine punktuelle, akzentuierende Rolle einnahm, im Kulturfilm wurde das Gegenteil praktiziert, d.h. Musik als das bewegte Bild kontinuierliche ausdeutende Ebene eingesetzt wurde. Vor diesem Hintergrund ist gerade die audiovisuelle Darstellung Wiens als „Musikstadt“ im Kulturfilm von besonderem Forschungsinteresse. Hierbei können nicht zuletzt die unterschiedlichen Intentionen nachverfolgt werden, die der Nationalsozialismus und die frühe Zweite Republik in die Gattung einfließen ließen.