09/05/2016

In Bildern denken

Die Typologie als Beziehung zwischen Personen sowie Ereignissen des Alten (Typus) und Neuen Testaments (Antitypus) ist ein zentrales Thema der Bibel, der christlichen Theologie, sowie der abendländischen Kulturgeschichte mit zahlreichen bis in die Gegenwart wirksamen Ausprägungen in Kunst und Literatur. Unter dem Titel "In Bildern denken. Die Typologie in der bildenden Kunst der Vormoderne" beleuchtet eine neue Publikation von Werner Telesko das Thema aus Sicht der Kunstgeschichte.

Auch viele Ausformungen der Repräsentationskultur der Frühen Neuzeit sind nicht ohne die Anwendung typologischer Muster vorstellbar. So werden etwa Angehörige der Dynastie in Predigten und Flugschriften mit bedeutenden Gestalten des Alten und Neuen Bundes in eine inhaltliche Verbindung gesetzt, die vor allem den Zweck erfüllen soll, das entsprechende Herrscherhaus zu nobilitieren und in fiktiver Weise in die christliche Heilsgeschichte zu integrieren.

In nun vorliegender Publikation werden erstmals die weiten Anwendungsgebiete typologischer Kunst in der Frühen Neuzeit unter besonderer Berücksichtigung der Deckenmalerei und Druckgrafik vorgestellt. Unter Einbeziehung theologischer Grundlagen und zeitgenössischer Predigtliteratur wird deutlich, wie die Spannung zwischen Typus und Antitypus heilsgeschichtliche Aussagen produziert, die nicht nur als innovative „Denkformen“ zu verstehen sind, sondern auch der christlichen Kunst eine neue Ausprägung verleihen.

 

PUBLIKATION

Werner Telesko, In Bildern denken. Die Typologie in der bildenden Kunst der Vormoderne, Wien-Köln-Weimar 2016 (Böhlau).