07/31/2016

3000 Seiten zur Geschichte der Wiener Hofburg

Die Publikationsreihe zur Wiener Hofburg steht kurz vor ihrem Abschluss. Ende August 2016 wird Band III im Verlag der ÖAW erscheinen, das Manuskript zu Band V befindet sich derzeit in internationaler Begutachtung. Sobald dieser 2017 erschienen ist, werden 3000 Seiten zur inzwischen fast 800-jährigen Bau- und Funktionsgeschichte dieses für Österreich so zentralen Areals vorliegen. Historische Ansichten, Baupläne und Fotos illustrieren die Entwicklung der mittelalterlichen Kastellburg zu einem der weltweit größten Profanbaukomplexe.

Soeben erteilten Hellmut Lorenz und Anna Mader-Kratky die Druckfreigabe zu dem von ihnen herausgegebenen Band III unter dem Titel Die Wiener Hofburg 1705-1835. Damit enden äußerst intensive Wochen der Buchproduktion, in denen mit Grafiker Peter Manfredini und den Autorinnen und Autoren des Bandes am Layout des rund 600 Seiten starken Buches gefeilt wurde. Darin wird die facettenreiche Planungs- und Baugeschichte der Wiener Hofburg vom Regierungsantritt Kaiser Josephs I. bis zum Tod Kaiser Franz II. (I.) behandelt, die von den barocken Entwürfen zur Michaelerfassade Joseph Emanuel Fischers von Erlach über die Gestaltung des Josefsplatzes in mariatheresianischer Zeit bis zur Anlage des Äußeren Burgplatzes, dem heutigen Heldenplatz, führt. Diese umfassende Bauchronologie ergänzen ausführliche Abschnitte zu Zeremoniell, Innenausstattung, Funktionsgeschichte und Festkultur.

Zeitgleich konnten auch Maria Welzig und ihr Team die Arbeit am Manuskript zum letzten Band der Hofburg-Reihe abschließen. Band V (Die Wiener Hofburg seit 1918) widmet sich der Entwicklung des weitläufigen Gebäudekomplexes vom Ende des Ersten Weltkrieges bis heute. Mit Ausrufung der Ersten Republik im November 1918 hatte die ehemals kaiserliche Residenz ihre eigentliche Funktion verloren, und die verwaisten Hofburgtrakte mussten einer neuen Bestimmung zugeführt werden. Nicht nur bei dieser Neuausrichtung sondern das gesamte 20. Jahrhundert hindurch spielten Fragen der politischen Instrumentalisierung des Hofburgareals eine zentrale Rolle. Die teilweise Musealisierung des Baukomplexes gipfelte in der Umgestaltung der barocken Hofstallungen zum Kulturareal, dem heutigen Museumsquartier.

Mit dem Erscheinen der verbleibenden beiden Bände endet eines der umfassendsten geisteswissenschaftlichen Forschungsprojekte der letzten Jahre. „Die Realisierung von fünf umfangreichen Büchern zur (Kunst-)Geschichte der Wiener Hofburg in einer überschaubaren Zeit stellt eine große inhaltliche, logistische und finanzielle Leistung dar, die die Abteilung Kunstgeschichte des IKM bewältigt hat“, hebt Werner Telesko, Direktor des IKM, hervor. Seit 2005 widmeten sich 30 WissenschafterInnen in fünf Teams – KunsthistorikerInnen, BauarchäologInnen, HistorikerInnen, Gartenhistoriker und FilmwissenschafterInnen – im Auftrag der ehemaligen Kommission für Kunstgeschichte und nunmehrigen Abteilung Kunstgeschichte des IKM der Bau- und Funktionsgeschichte der Wiener Hofburg. Für die Finanzierung dieses „Jahrhundertprojektes“ konnten von Seiten der fünf Projektgruppen insgesamt rund 3 Millionen Euro an Subventionen lukriert werden. Als Fördergeber sind hier vor allem der Forschungsfonds (FWF) und die Wissenschafts- und Forschungsförderung der Stadt Wien (MA 7) zu nennen, die Bank Austria sponsert die Drucklegung der Publikationen in großzügiger Weise.