Reinhard Zöllner

Auf verlorenem Posten
Tsushimas Stellung zwischen Japan und Korea

  • Datum: Di., 20. Juni 2017, 17:30
  • Ort: Institut für Kultur- und Geistesgeschichte Asiens, Seminarraum 2. Stock (Raum 2.25)
  • Organisation: Bernhard Scheid

Handout

Thema


Seit dem Mittelalter spielte die Insel Tsushima freiwillig und unfreiwillig die Rolle einer Frontier der japanisch-koreanischen Beziehungen. Um die Aufgabe erfüllen zu können, zwischen zwei zwar kulturell und wirtschaftlich verflochtenen, aber politisch häufig antagonistischen Systemen zu vermitteln, legte sich Tsushima in der Frühen Neuzeit (Edo-/Choseon-Zeit) eine hybride Identität zu. Der Balanceakt zwischen Japan und Korea glückte nur aufgrund eines trickreichen Krisenmanagements, das die Flexibilität des chinesisch geprägten ostasiatischen Weltsystems ausnutzte. Als dieses System Mitte des 19. Jhs. unterging, verlor Tsushima immer mehr Spielraum und am Ende auch seine Autonomie. Heute könnte Tsushima als Gedächtnisort für die Geschichte einer schwierigen Nachbarschaft wertvolle Dienste leisten. Der Vortrag gibt einen Überblick über die geschichtliche Entwicklung dieser Sonderstellung Tsushimas von der Piratenfrage bis zur Kolonialzeit.

Vortragender


Prof. Dr. Reinhard Zöllner. Studium der Geschichte, Lateinischen Philologie und Japanologie in Kiel, Hamburg und Tokyo. Nach Professuren in Halle-Wittenberg und Erfurt seit 2008 Leiter der Abteilung für Japanologie und Koreanistik der Universität Bonn. 2003–2004 Gastprofessur an der University of Michigan. Spezialisiert auf die frühmoderne und moderne Kultur- und Sozialgeschichte Japans, die Geschichte Ostasiens und die japanisch-koreanischen Beziehungen. Jüngere Veröffentlichungen: Geschichte Japans von 1800 bis zur Gegenwart (2. erw. Auflage 2009); Japan. Fukushima. Und wir. Zelebranten einer nuklearen Erdbebenkatastrophe (2011).