Christoph Kleine

Den Buddha vor Augen, seinen Namen auf den Lippen
Anmerkungen zur vielfältigen Praxis der Buddha-Vergegenwärtigung

  • Datum: 2. März 2011, 18:00—19:30
  • Ort: Zentrum Asienwissenschaften und Sozialanthropologie
  • Apostelgasse 23, 1030 Wien

Thema


Die Praxis der „Buddha-Vergegenwärtigung“ (Skt. buddhānusmṛti) ist den meisten Menschen heute in der Form des in Ostasien äußerst populären Nenbutsu (Chin. nianfo) bekannt. Spätestens seit dem 7. Jahrhundert wird die Rezitation der Formel „Ehre sei dem Buddha Amitābha“ in Ostasien als die Nenbutsu-Praxis par excellence betrachtet, eine einfache Übung, die eine Wiedergeburt in Amitābhas „Reinem Land“ Sukhāvatī garantiert. Mittelalterliche Denker des Mahāyāna-Buddhismus ebenso wie moderne Buddhismusforscher haben jedoch vielfach die Auffassung vertreten, dass es sich bei dieser einfachen, verbalen und devotionalen Form der Buddha-Vergegenwärtigung gewissermaßen um einen Abklatsch einer ursprünglich anspruchsvollen, auf die Erlangung einer Vision des Buddha abzielenden Meditationspraxis handele. Dabei deuten frühbuddhistische Sūtras des „Pāli-Kanon“ und der entsprechenden Āgama-Sammlungen anderer „Hīnayāna-Schulen“ darauf hin, dass die Interpretation der Buddha-Vergegenwärtigung durch japanische Mönche wie Hōnen (1133–1212) keineswegs so radikal oder gar „heterodox“ war, wie mitunter angenommen wird. Der Vortrag zeichnet die Hauptentwicklungslinien der Praxis der „Buddha-Vergegenwärtigung“ nach und setzt sich kritisch mit der selektiven, oft vorurteilsbehafteten Interpretation alter buddhistischer Texte durch moderne Buddhologen auseinander. In diesem Zusammenhang wird auch das Klischee vom „meditativen Buddhismus“ kritisch beleuchtet und die Frage gestellt, ob die Unterscheidung zwischen „meditativen“ und „devotionalen“ Praktiken im Buddhismus überhaupt sinnvoll ist.

Vortragender


Christoph Kleine ist Professor für Religionsgeschichte an der Universität Leipzig und ausgebildeter Japanologe. Zu seinen zahlreichen Veröffentlichungen zählen: Hōnens Buddhismus des Reinen Landes: Reform, Reformation oder Häresie (1996) oder Religiöse Biographien im ostasiatischen Buddhismus: Eine Studie über Gehalt, Form und Funktion hagiographischer Texte am Beispiel von Vitensammlungen aus China, Korea und Japan (im Druck). Er ist außerdem Mitautor des Handbuchs Buddhismus. Handbuch und kritische Einführung (2011, mit Olliver Freiberger) sowie des mehrsprachigen Handwörterbuchs zum Chinesischen Buddhismus Multilingual Dictionary of Chinese Buddhism (1999, mit Li Xuetao und Michael Pye).