David Weiß

Kulturelle Wiege oder Kolonie?
Koreabilder im Japan der Edo-Zeit

  • Datum: Fr., 11. Nov. 2016, 17:30
  • Ort: Institut für Kultur- und Geistesgeschichte Asiens, Seminarraum 1
  • Organisation: Bernhard Scheid

Thema


Im Jahr 1781 veröffentlichte der neo-konfuzianische Gelehrte Tō Teikan (1732–1797) die Abhandlung Shōkōhatsu, in der er zu beweisen suchte, dass ein substanzieller Anteil der japanischen Kultur, einschließlich der japanischen Sprache, religiöser Sitten, Kleidung, Namen und Dichtkunst, im Altertum von der koreanischen Halbinsel eingeführt worden sei. Diese Abhandlung erregte den Zorn seines Zeitgenossen Motoori Norinaga (1730–1801), der Teikans Schrift kurzerhand als „die Worte eines Verrückten“ abtat. Etwa zur gleichen Zeit stellte ein weiterer Vertreter der Nationalphilologie (kokugaku) die bemerkenswerte These auf, dass die Angehörigen der japanischen Paria-Kaste (eta) ursprünglich von Koreanern abstammten, welche die legendäre Kaiserin Jingū von ihrer Invasion der koreanischen Halbinsel als Kriegsgefangene mitgebracht habe. Im Laufe der Edo-Zeit (1600–1868) entwarfen japanische Gelehrte verschiedener Couleur eine Vielzahl an Koreabildern, die zwischen diesen beiden Extremen lagen. Der Vortrag skizziert, wie sich die Wahrnehmung des Nachbarlandes und seiner historischen Beziehung zu Japan im Laufe der Epoche wandelte und wie die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religion oder Denkschule das Koreabild japanischer Gelehrter beeinflusste. Als Quelle dienen hierbei neben den Schriften der japanischen Gelehrten auch Berichte koreanischer Gesandter.

Vortragender


David Weiß ist wissenschaftlicher Angestellter an der Abteilung für Japanologie der Universität Tübingen. Seine Forschungsschwerpunkte sind japanische Mythen und deren Rezeptionsgeschichte sowie die Geschichte der japanisch-koreanischen Beziehungen. Seine Dissertation mit dem Titel „Constructing Identity through Myth: Susanowo as a Liminal Figure in Discourses on Japanese and Korean Identity“ verbindet diese beiden Forschungsinteressen.