Vortrag


Klaus Antoni (Tübingen)

Sacred Narratives
Mythen als Heilige Texte

  • Datum: Di., 1. April 2014, 17:30 (s.t.)
  • Ort: Institut für Kultur- und Geistesgeschichte Asiens,
    Seminarraum 1
  • Organisation: Bernhard Scheid

Thema


Heilige Schriften sind „oft Dokumente eines sakralen ‚Anfangs’, einer heiligen Zeit“, bemerkt der Religionswissenschaftler Marco Frenschkowski. Damit ist implizit die Frage nach der Bedeutung des Bereichs der Mythologie in diesem Kontext aufgeworfen, sind es doch die Mythen, die weltweit als „Heilige Erzählungen“ die existentiellen Grundfragen nach dem Woher (und Wohin) – des Menschen, der Kultur, der Welt – sakral thematisieren. Der Vortrag diskutiert in diesem Zusammenhang das Problem der Textualität von Mythen vor dem Hintergrund neuerer Forschungsansätze. Sind Mythen zwingend aus der mündlichen Überlieferung hervorgegangen? Welche Rolle spielen Verschriftlichung und Kodifizierung für die „Heiligkeit“ mythologischer Texte? Können Erzählungen und Texte auch intentional „sakralisiert“ werden, um ihnen eine mythologische Qualität zuzuschreiben? Insbesondere zwei aktuelle Forschungsansätze werden hier vorgestellt und anhand konkreter Fallbeispiele aus der japanischen Mythologie diskutiert: die neue kulturhistorisch-vergleichende Mythenforschung (nach Witzel und Berezkin) und die ideologiekritische Dekonstruktion (nach Ellwood und Junginger). Zum Abschluss wird der Versuch unternommen, diese beiden, zunächst konträr erscheinenden, Theorien metatheoretisch miteinander zu verbinden.

Vortragender


Klaus Antoni

Klaus Antoni ist Professor am Seminar für Japanologie der Universität Tübingen. Zuvor lehrte er in Hamburg (ab 1987) und Trier (1993-1998). Nach ersten Werken zur vergleichenden Mythologie wandte er sich der Frage nach dem Verhältnis von Religion (Shintô) und Ideologie im neuzeitlichen und modernen Japan zu. Zu seinen zahlreichen Werken zählen: Der Himmlische Herrscher und sein Staat. Essays zur Stellung des Tennô im modernen Japan (Iudicium 1991), Shintô und die Konzeption des japanischen Nationalwesens (kokutai): Der religiöse Traditionalismus in Neuzeit und Moderne Japans (Brill 1998), sowie eine Neuübersetzung und Werkstudie des Kojiki (Insel-Suhrkamp Verlag 2012).