Von der „monarchischen Union von Ständestaaten“ zum Kaiserthum Österreich? Projekte zur Staatsreform in der Habsburgermonarchie zwischen 1800 und 1820


Die Umwälzungen der Napoleonischen Kriege brachten 1806 das Ende des Alten Reichs. Nach rund 1000jähriger Geschichte erlosch nicht nur eine alt-ehrwürdige Institution, sondern auch jenes staatsrechtliche Gebilde, dem die Habsburger seit dem 15. Jahrhundert beinahe durchgehend den Kaisertitel verdankten.

Bereits 1804 hatte Kaiser Franz zwecks Erhaltung der Ranggleichheit mit anderen europäischen Monarchen den Titel eines Kaisers von Österreich angenommen. Dieser Titel und die Niederlagen in den Kriegen gegen Napoleon gaben insbesondere nach 1806 Anlass dazu, bei Hof grundlegende Überlegungen in Hinblick auf die Schaffung eines österreichischen Gesamtstaats zu ventilieren. Diese Reflexionen öffnen den Blick auf Diskussionen über die Frage der staatsrechtlichen Ausgestaltung eines Vielvölkerstaats zu Beginn des 19. Jahrhunderts und stehen in engem Zusammenhang mit der obrigkeitlichen Schaffung eines dynastischen Patriotismus.

Das Ziel des Projekts ist die systematische Darstellung und Analyse verschiedener Reformprojekte, die in den Jahrzehnten zwischen 1800 und 1820 ventiliert wurden. Diese Überlegungen reformorientierter Kreise repräsentieren Beispiele dafür, wie zu Beginn des 19. Jahrhunderts in einem multinationalen, neu gegründeten Staatswesen staatsrechtliche Fragestellungen und Reformüberlegungen argumentiert wurden. In Zentrum der Überlegungen standen dabei die Spannungen zwischen den Rechten der einzelnen Länder und den Ansprüchen eines „modernen“ Territorialstaats.


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Dr. Karin Schneider