Habsburgische Repräsentation in bildender Kunst und Architektur

Arbeitsgruppenleitung
Doz. Dr. Werner Telesko

In den Projekten dieser Arbeitsgruppen wird vornehmlich die Frage behandelt, in welcher Weise habsburgische Repräsentationsstrategien in der bildenden Kunst in den Österreichischen Erblanden sowie in den böhmischen Ländern und Ungarn zum Ausdruck kommen.

Auf der Basis einer Fülle bislang wenig untersuchter Bild-, Text- und musikalischer Quellen soll die Eigengesetzlichkeit der von unterschiedlichen sozialen Gruppen verwendeten Medien und ihr verschränkter Gebrauch bei unterschiedlichen Anlässen der Repräsentation (Feste, höfisches Zeremoniell, Einzüge etc.) beleuchtet werden.

In der Auseinandersetzung mit den komplexen Netzwerken der Entscheidungsträger und Programmgestalter (Concettisten) geht es methodisch auch um die Analyse der Beziehung zwischen Sendern und Empfängern. Unter letzteren sind vor allem die unterschiedlichen Stände (Adel, Klerus, Kommunen etc.) zu verstehen, die als vornehmliche Adressaten der Dynastie fungierten.

„Habsburgische Repräsentation“ definierte Räume unterschiedlichster Art in neuer Weise: Bildende Kunst, Architektur sowie panegyrische Literatur wurden seit der Frühneuzeit zur plurimedialen Definition und Ausgestaltung des zeremoniellen Raumes verwendet. Die dabei in Anwendung genommenen Strategien sollen unter der leitenden Fragestellung der Existenz unterschiedlicher zeremonieller Räume (Stadt- und Sakralraum, höfische Räume) für unterschiedliche Öffentlichkeiten untersucht werden. An diese Frage schließen sich weitere Themenkomplexe an, in denen unter anderem danach gefragt wird, ob sich ein habsburgischer „Tugendkodex“ im Sinne eines verbindlichen inhaltlichen Fundaments für alle beteiligten Hofkünste entwickelte. Darüber hinaus steht mit dem hl. Johannes von Nepomuk eine der zentralen Persönlichkeiten der "Pietas Austriaca" im Zentrum der Untersuchungen der Arbeitsgruppe.

Auch das sich verschiebende Schwergewicht von der Dynastie hin zum Staat in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts (im Zuge der Regentschaft von Maria Theresia und Joseph II.) ist ein wesentlicher Teil der laufenden Forschungen: An dieser Stelle geht es um die Beantwortung der schwierigen Frage, in welcher Hinsicht eine lange Zeit primär dynastische Repräsentation von einer "Staatsrepräsentation" abgelöst bzw. von einer stärker national unterlegten Repräsentation zur Seite gedrängt wurde.

Der Schwerpunkt zu „Habsburgischer Repräsentation“ soll in dieser Hinsicht nicht nur wesentlich zur Aufarbeitung neuer Text- und Bildquellen beitragen, sondern auch die komplexen Mechanismen der Selbstdarstellung der für die Geschichte Österreichs und Europas so wichtigen Dynastie der Habsburger in neuer Weise beleuchten. Nicht zuletzt werden dadurch auch bisher zu wenig beachtete Akteure der Repräsentation in den Vordergrund gerückt.