GEDENKBUCH

für die Opfer des Nationalsozialismus
an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

Fassade und Siegel der Akademie der Wissenschaften. Bild: ÖNB-Bildarchiv, Sign. L 32.608-C bzw. Siegelsammlung des Archivs der ÖAW

Oskar Ried


geb. am 16. April 1881 in Wien, Todesdatum unbekannt

Oskar Ried war von 1930 bis 1938 an der Botanischen Abteilung der Biologischen Versuchanstalt (BVA) der Akademie der Wissenschaften in Wien tätig. Nach dem „Anschluss“ wurde Ried aus rassistischen Gründen verfolgt und konnte seine Tätigkeit an der Akademie nicht mehr fortsetzen. 1938 emigrierte er in die USA.

Ried wurde als Sohn von Emanuel und Hanni Ried, geb. Tausski, in Wien geboren. Er promovierte 1904 an der Universität Wien zum Doktor der Medizin. Ried forschte von 1930 bis 1938 an der Botanischen Abteilung der BVA. In der nach dem „Anschluss“ erstellten „Liste der Arbeitenden“ der BVA ist Ried als „Nicht-Arier“ gekennzeichnet. Am 13. April 1938 wurde die BVA vorübergehend geschlossen. Ab der Wiedereröffnung am 26. April war der Zutritt nur noch für die „inzwischen auf Ansuchen mit Zulassungsscheinen beteilten Arbeitenden“ möglich, so die Mitteilung in einem Schreiben des designierten Akademiepräsidenten Heinrich Srbik (1883–1981) und des kommissarischen Rektors der Universität Wien Fritz Knoll (1883–1981), der mit der „Wahrnehmung der Interessen der Landesleitung der NSDAP für die Akademie der Wissenschaften“ betraut worden war. Damit wurde jüdischen Forschenden spätestens mit 13. April 1938 der Zutritt zur BVA praktisch verweigert.

Ried konnte in die USA emigrieren, im Dezember 1938 erreichte er auf dem Schiff Bremen New York. Seine letzte Wiener Wohnadresse war die Nussdorferstraße 64 in Wien-Alsergrund. Laut „United States Census, 1940“ wohnte ein aus Wien stammender „Oscar Reid“ im Jahr 1940 in Washington. Dieser war mit Gisela, geb. Widder (1883–1948 Seattle) verheiratet und hatte zwei Töchter Annie (geb. 1908) und Gertrude (geb. 1912). Das Paar lebte später in Seattle und wurde 1944 in die USA eingebürgert. Über das Leben von Oskar Ried nach 1938 ist bislang wenig bekannt.


Schriften (Auswahl)


  • Oskar Ried, Fernwirkung und Kontaktwirkung bestrahlter Substanzen, in: Naunyn-Schmiedebergs Archiv für experimentelle Pathologie und Pharmakologie 166, 1 (1932), 592–602.
  • Stefan Wolfram – Oskar Ried, Über den Nachweis biologischer Wirkungen bestrahlter Kalisalzlösungen mittels der Schultz-Daleschen Versuchsanordnung, in: Klinische Wochenschrift 16, 22 (1937), 785–787.
  • Stefan Wolfram – Oskar Ried, Weitere Untersuchungen zum Nachweis biologischer Wirkungen bestrahlter Elektrolytlösungen mittels der Schultz-Daleschen Versuchsanordnung, in: Klinische Wochenschrift 16, 52 (1937), 1811–1812.


Quellen und Literatur (Auswahl)


    • Archiv der ÖAW, Bestand BVA.
    • Archiv der ÖAW, NL Fritz Knoll, K. 1, Mappe 2, Konv. „Akten (1935)1938“ („Liste der Arbeitenden“).
    • Archiv der Universität Wien, Med. Fak. Promotionsprotokoll.
    • Archiv der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, Matriken.
    • Wiener Stadt- und Landesarchiv, Meldeauskunft, Oskar Ried.
    • Akademie der Wissenschaften in Wien, Almanach f. d. J. 1931–1934, 1936–1937.
    • Renate Feikes, Emigration jüdischer Wiener Ärzte ab 1938 in die USA, speziell nach New York, Bd. 2, Dissertation, Universität Wien 1999, 202.


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