01.09.2021

ÖAW-Präsidium verabschiedet Vizepräsident Michael Alram

Michael Alram gibt sein Amt aus persönlichen Gründen ab. Das Präsidium der Akademie dankt ihm für herausragende Leistungen und gemeinsame Erfolge in den vergangenen acht Jahren.

© Sepp Dreissinger/ÖAW

Michael Alram blickt auf eine äußerst erfolgreiche Zeit als Vizepräsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) zurück: Seit 2013 im Amt, war er in den vergangenen Jahren gemeinsam mit den weiteren Mitgliedern des insgesamt vierköpfigen Präsidiums maßgeblich am Erreichen wichtiger Meilensteine beteiligt.  

Mehrmals konnte eine Budgetsteigerung für die Akademie mit ihren 25 Forschungsinstituten erreicht werden, zuletzt inmitten der Coronakrise für die kommenden drei Jahre. Die Gründung des Austrian Centre for Digital Humanities war ebenso ein wesentliches Verdienst von Michael Alram wie die Eingliederung des Österreichischen Archäologischen Instituts in die ÖAW. Letzteres vereint seit Anfang des Jahres alle altertumswissenschaftlich-archäologischen Forschungseinrichtungen unter einem Dach. Diese Zusammenführung, die die internationale Spitzenposition der ÖAW in diesem Bereich weiter ausbauen wird, hat Michael Alram initiiert, vorangetrieben und mit großem Engagement begleitet.  

Bei den Forschungsförderungen der Akademie konnte Alram als Vizepräsident neue und bis weit in die Zukunft reichende Akzente setzen. So entstand unter seiner Ägide eine gänzlich neue Förderschiene für die Erforschung und Wahrung des materiellen kulturellen Erbes, deren erste Projekte noch heuer starten. Und auch für die Umgestaltung des Alten Universitätsviertels rund um das ÖAW-Hauptgebäude zum neuen Campus Akademie als ein modernes Wissenzentrum inmitten der Wiener Innenstadt war Alram ein maßgeblicher Impulsgeber.  

Gut bestelltes Haus 

Nun hat Alram das Amt des ÖAW-Vizepräsidenten zum 31. August 2021 zurückgelegt. „Diese Entscheidung, die ich aus persönlichen Gründen getroffen habe, ist mir nicht leichtgefallen, zumal ich dieses Amt mit großer Freude und Engagement ausgeübt habe“, so Alram, der zugleich deutlich macht: „Die Akademie ist auf einem hervorragenden Weg. Ein gut bestelltes Haus an meine Nachfolgerin oder meinen Nachfolger übergeben zu können, macht den Abschied einfacher.“ 

„Michael Alram hat sein Amt in zunehmend herausfordernden Zeiten in herausragender und vorbildlicher Weise erfüllt. Immer hatte er ein offenes Ohr, einen kritischen Blick und große Tatkraft“, sagt ÖAW-Präsident Anton Zeilinger, der betont: „Für seinen großartigen Einsatz zum Wohl der Akademie danke ich Michael Alram im Namen der gesamten ÖAW auf das Herzlichste, verbunden mit meinem ganz persönlichen und tiefempfundenen Dank für die langjährige, erfolgreiche Zusammenarbeit.“ 

Eng mit der ÖAW verbunden 

Michael Alram, geboren 1956 in Wien, studierte Klassische Archäologie, Antike Numismatik und Alte Geschichte an der Universität Wien, wo er 1982 mit der Dissertation „Materialgrundlagen zu den iranischen Personennamen auf antiken Münzen: achaimenidische Satrapen, Persis, Sakas und Pahlavas“ promoviert wurde. Von 1977 bis 1982 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter in der damaligen Iranischen Kommission der ÖAW, danach in der Numismatischen Kommission der Akademie. Ebenfalls seit 1982 unterrichtet er am Institut für Numismatik und Geldgeschichte der Universität Wien, an der er 1987 habilitiert wurde. Im selben Jahr wurde Alram zum Kustos am Münzkabinett des Kunsthistorischen Museums (KHM) in Wien berufen, wo er für die byzantinischen, mittelalterlichen und orientalischen Münzen zuständig war. Seit 2001 war er stellvertretender Direktor, ab 2008 Direktor des Münzkabinetts. Für seine herausragenden wissenschaftlichen Beiträge auf dem Gebiet der Numismatik erhielt Alram 2016 den renommierten „Archer M. Huntington Award for Excellence in Numismatic Scholarship“ der American Numismatic Society. 2019 wurde er zum Correspondant Etranger der Académie des Inscriptions et Belles Lettres gewählt. Im Jahr 2020 trat er am KHM seinen Ruhestand an. 

Mit der ÖAW ist Michael Alram nicht nur als Mitarbeiter, sondern auch als Mitglied seit Langem eng verbunden. 1998 wurde er zum korrespondierenden, 2003 zum wirklichen Mitglied der philosophisch-historischen Klasse gewählt. Das Amt des Vizepräsidenten der ÖAW trat er im Juli 2013 erstmals an. Im Juli 2017 wurde er für eine weitere Funktionsperiode im Amt bestätigt. Als Mitglied wird Alram auch nach seiner Amtsniederlegung ein wichtiger Teil der wissenschaftlichen Gemeinschaft der Akademie bleiben. 

Neuwahl im September  

Die Geschäftsordnung der ÖAW sieht vor, dass die Wahl zur Neubesetzung der Position des Vizepräsidenten bzw. der Vizepräsidentin innerhalb von sechs Monaten nach Vakantwerden der Stelle in der Gesamtsitzung zu erfolgen hat. Der Vizepräsident bzw. die Vizepräsidentin wird auf Vorschlag des Präsidenten aus dem Kreis der wirklichen Mitglieder gewählt. Die Wahl des neuen Vizepräsidenten bzw. der neuen Vizepräsidentin wird noch im September erfolgen.