29.09.2021

Lebendiges Erbe

Das Ergebnis lässt sich sehen: Das Hauptgebäude der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) aus der Mitte des 18. Jahrhunderts erstrahlt in neuem Glanz. Und hinter den Kulissen wurde das Veranstaltungs- und Verwaltungsgebäude in technischer Hinsicht ins 21. Jahrhundert geholt. Beim Tag des Denkmals konnten sich die Besucher/innen von der gelungenen Revitalisierung des historischen Erbes überzeugen.

Das historische Baujuwel der ÖAW am Dr. Ignaz Seipel Platz 2 konnte am Tag des Denkmals 2021 besichtigt werden. Teil des Programms war auch ein Besuch des revitalisierten und prachtvollen Festsaals. © ÖAW/Elia Zilberberg

Einmal im Jahr findet in ganz Österreich der Tag des Denkmals statt. Das diesjährige Motto „Denkmal inklusive“ gab die Gelegenheit, auf die Diversität und Heterogenität von Denkmalen einzugehen, sowie Nachhaltigkeit und Barrierefreiheit zu diskutieren – Aspekte, die bei der Nutzung, Pflege und Erhaltung von Denkmalen durchaus herausfordernd sein können.

Die ÖAW hat diesen inklusiven Ansatz bei der jüngst abgeschlossenen Generalsanierung ihres Hauptgebäudes umgesetzt. Am Tag des Denkmals am 26. September 2021 öffnete sie erstmals wieder ihre Pforten für die Öffentlichkeit. Die Besucher/innen waren eingeladen, sich vom neuen Glanz des Gebäudes zu überzeugen. Darüber hinaus erhielten sie Einblick in infrastrukturelle Anforderungen, wenn es darum geht, ein 260 Jahre altes Gebäude zeitgemäß und behutsam auf den Standard eines modernen Veranstaltungs- und Verwaltungsgebäudes zu bringen.

Kunstgeschichte & Bauabwicklung im Denkmalschutz

Am Tag des Denkmals bot die ÖAW Führungen mit zwei unterschiedlichen Schwerpunkten an: Kunst- und Universitätsgeschichte sowie Bauabwicklung im Denkmalschutz in innerstädtischer Lage. Die insgesamt sechs Führungen waren rasch ausgebucht – war es doch coronabedingt ratsam, sich auf etwa 20 Personen pro Führung zu beschränken.

Kunsthistoriker/innen der ÖAW - Mitarbeiter/innen des Instituts für die Erforschung der Habsburgermonarchie und des Balkanraumes - führten durch das unter Maria Theresia als Universitätsgebäude in Auftrag gegebene Haus. Sie erklären die Bildersprache des prunkvollen Deckenfreskos im Festsaal sowie des Freskos im Johannessaal von Franz Anton Maulbertsch, und sie gaben Einblick in die früheren und aktuellen Funktionen der Räumlichkeiten. Abschließend luden sie die Besucher/innen ein, den Platz vor dem Akademiegebäude auf sich wirken zu lassen. Das damalige Universitätsgebäude – es ist übrigens eines der wenigen Gebäude im Stil des französischen Barocks in Wien – war zur Zeit der Errichtung durchaus als selbstbewusster Kontrapunkt zur Kirche und den Bildungsinstitutionen des Jesuitenordens gedacht. Kontroversen wie diese sind heute ausgeräumt. In guter Nachbarschaft entsteht in dem Gebäudekomplex gegenüber dem heutigen Akademiegebäude der „Campus Akademie“ – ein moderner Forschungsstandort und ein Begegnungsort für Wissenschaft und Öffentlichkeit: beim nächsten Tag des Denkmals sicher ein lohnendes Ziel!

Führungen zum zweiten Schwerpunkt an diesem Tag des Denkmals beleuchteten die bauliche Abwicklung der Renovierung. Als Projekt der Bundesimmobiliengesellschaft fokussierten die beiden Projektmitarbeiter auf die Herausforderungen im und um das Gebäude. Heizung, Sicherheitstechnik und Barrierefreiheit durch den Einbau eines Liftes waren nur einige der Themen, die angesprochen wurden. Den Besucher/innen wurden darüber hinaus eindrucksvoll vor Augen geführt, dass Denkmalschutz im innerstädtischen Umfeld eine besondere Herausforderung ist – nicht zuletzt deshalb, weil es schlicht an Platz für große Maschinen und Kräne fehlt, die normalerweise die Bauarbeiten erleichtern.

 

Auf einen Blick

Der Tag des Denkmals des Bundesdenkmalamts findet einmal jährlich statt. Seit 2017 lädt auch die ÖAW an diesem Tag Interessierte auf einen Besuch des geschichtsträchtigen Hauptgebäudes der Akademie ein.