08.08.2019

BREAKTHROUGH-PREIS FÜR SUPERGRAVITATION

Peter van Nieuwenhuizen ist Physiker in den USA, Mitglied der ÖAW im Ausland – und frischgebackener Träger des mit drei Millionen US-Dollar dotierten Breakthrough-Preises, der als „Oscar der Wissenschaft“ gilt.

© John Griffin/Stony Brook University Communications

Der entscheidende Anruf erreichte Peter van Nieuwenhuizen, als er gerade zu Hause an seinem Küchentisch saß und Rechnungen durchsah. „I’m happy to inform you that you won the Special Breakthrough Prize for Fundamental Physics 2020”, sagte die Stimme am anderen Ende der Leitung dem überraschten Physiker. „Ich war absolut sprachlos“, so van Nieuwenhuizen, der an der Stony Brook University im Staat New York forscht und bereits seit über zwanzig Jahren aufgrund seiner herausragenden wissenschaftlichen Leistungen ausländisches Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) ist.

Oscar der Wissenschaft

Der Breakthrough-Preis gilt vielen als „Oscar der Wissenschaft“, da er von kalifornischen Tech-Größen wie Sergey Brin, Anne Wojcicki und Mark Zuckerberg gestiftet wurde. Das Preisgeld ist mit insgesamt drei Millionen US-Dollar (2,6 Millionen Euro) ungefähr dreimal so hoch wie bei den in Stockholm verliehenen Nobelpreisen. Den Special Breakthrough Prize in Fundamental Physics teilt sich van Nieuwenhuizen mit seinen Physik-Kollegen Sergio Ferrara (CERN) und Daniel Z. Freedman (MIT).

Die drei Wissenschaftler gelten als die „Architekten der Supergravitation“. Dabei geht es darum, die Prinzipien der allgemeinen Relativitätstheorie und der Supersymmetrie zu vereinigen. Die Supersymmetrie ist eine Erweiterung des seit den 1960er-Jahren verbreiteten Standardmodells der Physik. Ebenso wie dieses ist aber auch die Supersymmetrie nicht komplett: sie berücksichtigt nicht die Gravitation, die eine zentrale Rolle bei Einstein spielt.

Brücke zwischen Miko- und Makrokosmos

Mithilfe von mathematischen Modellen und aufwändigen Computerberechnungen gelang es van Nieuwenhuizen und seinen beiden Kollegen Mitte der 1970er eine Brücke zwischen Mikro- und Makrokosmus zu bilden und eine einheitliche Theorie für alle vier Kräfte der Natur – erstmals einschließlich der Gravitation – vorzuschlagen.

In den vier Jahrzehnten seit ihrer ersten Formulierung hatte die Supergravitation einen starken Einfluss auf die Arbeit tausender Physiker/innen und die weitere Entwicklung physikalischer Theorien. So wurde sie später zum Beispiel in die String Theorie eingebunden. Was bislang noch aussteht ist eine experimentelle Bestätigung der Supergravitation mit Teilchenbeschleunigern wie bespielsweise am CERN.

Bereits vier Breakthrough-Preise für ÖAW-Mitglieder

Das CERN war eine der ersten Stationen in der wissenschaftlichen Laufbahn von Peter van Nieuwenhuizen, der 1938 im niederländischen Utrecht zur Welt kam. Er studierte Mathematik und Physik und ging 1969 für zwei Jahre ans Genfer CERN. Danach forschte er unter anderem in Frankreich und den USA, ab 1975 an der Stony Brook University. Bereits seit 2005 ist er Mitglied der ÖAW im Ausland.

Nieuwenhuizen ist übrigens nicht das erste ÖAW-Mitglied, das einen Breakthrough-Preis erhalten hat: Die Mikrobiologin Emmanuelle Charpentier wurde 2015, der Biochemiker Kim Nasmyth 2017 und die Molekularbiologin Angelika Amon Anfang 2019 mit dem Preis ausgezeichnet.