03/02/2018

ÖAW trauert um Helmut Rumpler

Mit dem wirklichen ÖAW-Mitglied verstarb am 10. Februar 2018 einer der führenden Historiker Österreichs.

Die Österreichische Akademie der Wissenschaften trauert um Helmut Rumpler. Als wirkliches Mitglied und langjähriger Obmann der Kommission für die Geschichte der Habsburgermonarchie der ÖAW trug der bedeutende Historiker mit vielfältigen wissenschaftlichen Arbeiten und Publikationen maßgeblich dazu bei, dass die an der Akademie betriebene Geschichtsforschung zum langen 19. Jahrhundert und zu Mitteleuropa einen hohen internationalen Ruf erlangen konnte. Nun ist Rumpler am 10. Februar im Alter von 82 Jahren verstorben.

Regionale und nationale Geschichte im europäischen Kontext

Der 1935 geborene Wiener habilitierte sich 1973 in seiner Geburtsstadt für Neuere Geschichte und wurde 1975 auf einen Lehrstuhl an die Universität Klagenfurt berufen. Dort widmete er sich als Professor für Neuere und Österreichische Geschichte zwei zentralen Themen der Kärntner Landesgeschichte: dem Kampf um Kärntens Grenzen 1918/20 und dem deutsch-slowenischen Nationalitätenkonflikt. In seinem Hauptwerk „Eine Chance für Mitteleuropa“ beleuchtete er das Aufkommen der neuen deutschen, polnischen, italienischen, ungarischen, tschechischen und südslawischen Nationalismen im Kaisertum Österreich, das 1848 in eine „Revolution der Völker“ mündete.

Helmut Rumpler war zugleich ein ausgezeichneter Netzwerker und eine integrierende Kraft, der führende Historiker/innen aus Ungarn, der Tschechoslowakei, Serbien, Deutschland und Italien für internationale Kooperationen zur Erforschung der gemeinsamen aber auch konfliktgeladenen mitteleuropäischen Geschichte zusammengebracht hat.

Für seine Verdienste um die Wissenschaften wurde Rumpler mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt. Darunter das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse, der Kardinal-Innitzer-Würdigungspreis für Geisteswissenschaften, der Österreichische Staatspreis für Gesellschaftswissenschaften sowie die Goldene Ehrenmedaille der Landeshauptstadt Klagenfurt für wissenschaftliche Verdienste. Die Slowenische Akademie der Wissenschaften und Künste wählte ihn 1993 zu ihrem Mitglied und würdigte damit seine Erforschung des deutsch-slowenischen Nationalitätenkonflikts in Innerösterreich von 1848 bis 1955.

Forschen über die Grenzen des Eisernen Vorhangs hinweg

Korrespondierendes Mitglied der ÖAW wurde Helmut Rumpler im Jahr 1990, wirkliches Mitglied bereits fünf Jahre später. An der ÖAW fungierte er unter anderem als Obmann der Kommission für die Geschichte der Habsburgermonarchie, die später Teil des neu gegründeten Instituts für Neuzeit- und Zeitgeschichtsforschung der ÖAW wurde. Als deren Obmann zeichnete er unter anderem für die Herausgabe der neuen Bände des umfangreichen Handbuchwerkes „Die Habsburgermonarchie 1848-1918“ verantwortlich, für das er zahlreiche, renommierte Historiker/innen im In- und Ausland gewinnen konnte. Auch die ÖAW-Editionsreihe „Protokolle des Österreichischen Ministerrates 1848-1867“ hat Helmut Rumpler von den frühen Anfängen bis zu den letzten Bänden mit großem wissenschaftlichen und organisatorischen Einsatz begleitet. Unter seiner Leitung avancierten ferner die „Protokolle des gemeinsamen Ministarrates der österreich-ungarischen Monarchie 1867-1918“ zu einem der umfangreichsten bilateralen Forschungsprojekte in den Geisteswissenschaften. Zwei Jahrzehnte lang arbeiteten die Forscher/innen gemeinsam daran  - sogar über den Eisernen Vorhang hinweg.

Der Tod Helmut Rumplers ist für die Akademie ein schmerzlicher Verlust. Sein Engagement, seine Erfahrung, sein Fachwissen und nicht zuletzt seine große Kollegialität werden stets in Erinnerung bleiben.