Limesforschungen: Römische Landvermessung

Geoarchäologische Untersuchungen zur antiken Territorialerschließung im Umfeld von Carnuntum und Savaria


Bearbeiter: Ch. Gugl 

Die Besiedlung des ländlichen Raumes im Hinterland der römischen Provinzhauptstadt Carnuntum ist ein weiterer Forschungsschwerpunkt der Inlandsaktivitäten des Instituts. Eine der Grundvoraussetzungen für die Organisation und Nutzung des städtisches Umlandes war in der Antike - wie heute auch - die systematische Landvermessung, Kartierung und Aufzeichnung der Grundbesitzverhältnisse. Die Relikte der römischen Landvermessung (Limitation, Zenturiation) haben sich im heutigen Landschaftsbild insbesondere in den Anrainerstaaten des Mittelmeerraumes erstaunlich gut erhalten, sodass vielerorts eine Rekonstruktion der römischen Limitation anhand der heutigen Flurgrenzen ermöglicht wurde. Charakteristisch ist eine Parzellierung des Landes in quadratische Grundeinheiten mit einer Seitenlänge von 20 actus (durchschnittlich ca. 710 m). Für das Umland des Legionslagers und der römischen Stadt Carnuntum kann man deshalb eine analoge Vorgansweise erwarten. Manfred Kandler war hier im Raum Petronell/Bad Deutsch-Altenburg aufgefallen, dass die Längsachse des ältesten Legionslagers mit einem Großteil der Parzellengrenzen in der Gemeinde Bad Deutsch-Altenburg fluchtet. Den Zusammenhang zwischen der Orientierung der aktuellen Flurgrenzen und der Ausrichtung des Lagers führte Kandler auf die römische Limitation des Gebiets zurück. 

Den Ausgangspunkt der ab 2004 durchgeführten Untersuchung bildeten die Flurgrenzen der heutigen Kulturlandschaft, die auf ihre Übereinstimmung bzw. Abweichung von den (postulierten) antiken Vermessungsachsen analysiert wurden. Im Gegensatz zu traditioneller Bild- und Kartenasuwertung wurden aktuelle Methoden der Landschaftsstrukturanalyse herangezogen. Diese wurden um GIS-gestützte Methoden und Verfahren der zirkulären Statistik ergänzt. Durch die Integration in ein Geographisches Informationssystem konnten aussagekräftige zirkuläre Lage- und Streuungsparameter visualisiert werden (zirkuläre Histogramme und Richtungsrosen), sodass sich die Veränderungen in der Struktur der Landschaft sehr gut graphisch aufbereiten und auch quantitativ beurteilen lassen. Im Rahmen der zwischen 2004 und 2008 stattfindenden COST A27-Aktion der Europäischen Gemeinschaft ‚Understanding pre-industrial structures in rural and mining landscapes: LANDMARKS' werden derzeit mehrere landschaftsarchäologische Projekten in der Region Nordwest-Pannonien vernetzt, die jeweils unterschiedliche Forschungsansätze verfolgen. Dazu zählen die archäologischen Forschungen im römischen Gutshof und dessen Parzellierung in Halbturn (Nives Doneus), eine Studie zum römischen Siedlungsbild im Leithatal (Michael Doneus) sowie die am Institut durchgeführten Untersuchungen zur römischen Zenturiation/Limitation im Umfeld der claudischen Kolonie Savaria und des Legionsstandorts Carnuntum.