A Catalogue of Archaic Electrum Coinage


(FWF M 1788-G21)

Leitung: W. Fischer-Bossert

Die frühe Elektronprägung – damit werden die ältesten Münzen bezeichnet, die im europäischen Kulturkreis geprägt wurden: im westlichen Kleinasien des 7. Jhs. v. Chr., wo die griechischen Küstenstädte Ioniens und das im gebirgigen Hinterland gelegene Königreich der Lyder eine Kulturblüte erlebten. Anders als in späteren Jahrhunderten bestanden diese ältesten Münzen nicht aus Gold oder aus Silber, sondern aus einer Legierung der beiden Metalle: Elektron. Das das Mischungsverhältnis manipulierbar war und die Manipulationen mit damaligen Mitteln nicht zu entdecken waren, erforderte die Elektronprägung, neben technischen Finessen, ein hohes Maß an Kooperationsbereitschaft – Eigenschaften mithin, die man gemeinhin nicht mit der archaischen Gesellschaft des Ägäisraums in Verbindung bringt. Tatsächlich war die frühe Elektronprägung kein mißlungenes Experiment, wie man manchmal lesen kann; sie hatte rund hundert Jahre Bestand, bis der Lyderkönig Kroisos um die Mitte des 6. Jhs. v. Chr. zu einer bimetallischen (in Gold- und Silberserien getrennten) Währung überging, und sie wurde mancherorts unterbrechungslos bis in die Zeit Alexanders d. Grn. fortgesetzt. Überdies gliedert sich die Elektronprägung schon seit ihrer frühesten Zeit in eine Legion von kleinen und größeren Einzelserien: Die Erfindung setzte sich im ionisch-lydischen Raum schlagartig durch und führte zur Teilnahme einer Vielzahl von Prägeherren: Fürsten, Städte, womöglich auch Handelskooperationen.

Infolge der widersprüchlichen und unübersichtlichen Sachlage ist die raison d’être der frühen Elektronprägung stark umstritten. Die Forschung stützte sich über lange Zeit auf mehrere unbewiesene Annahmen, die z.T. auf antiken Schriftquellen beruhten, z.T. von ökonomischen Theoremen abgeleitet waren. Die Grundannahme, nämlich daß die Elektronprägung die Folge eines Unvermögens war, Flußgold in seine Bestandteile zu scheiden, wurde kürzlich durch eine metallurgische Untersuchung erledigt; schon die allerältesten Elektronmünzen bestehen aus einer künstlichen Legierung.

Um die sich aus der veränderten Situation ergebenden Fragen erörtern zu können, bedarf es einer verläßlichen Materialgrundlage, genauer gesagt eines Corpus’, das alle bekannten Typen der frühen Elektronprägung erfaßt, anhand numismatischer und metallurgischer Kriterien gliedert und eine Chronologie, soweit möglich, begründet. Das bisherige Standardwerk, Liselotte Weidauers Studien zur frühen Elektronprägung (Fribourg 1975), hat große Verdienste, ist jedoch in Bezug auf seine Materialgrundlage überholt, zumal die metallurgischen Fakten seinerzeit noch weithin unbekannt waren.

Das FWF-Projekt CAEC (A Catalogue of Archaic Electrum Coinage) stellt sich die Aufgabe, diesen Mißstand zu beseitigen. Die Basis dazu bildet eine seit fünf Jahren im Aufbau befindliche Datenbank, die derzeit ca. 90% aller heute bekannten Exemplare der frühen Elektronprägung erfaßt. Die Einspeisung erfolgt in Wien (Wolfgang Fischer-Bossert, FWF) und in New York (Ute Wartenberg Kagan, American Numismatic Society), die Durcharbeitung und Publikation des Materials obliegt Wolfgang Fischer-Bossert. Metallurgische Daten werden im Rahmen einer Reihenuntersuchung an Münzen der American Numismatic Society erhoben, Daten von anderer Seite (Paris und Toronto) stehen ebenfalls zur Verfügung. Neben dem erwähnten Corpus ist es Ziel des Projektes, alle einschlägigen Hortfunde – rund vierzig – aufzuarbeiten und als einen Band der Reihe Coin Hoards zu veröffentlichen.