A.D. 313 - Von Carnuntum zum Christentum

Das Institut für Kulturgeschichte der Antike (G. Kremer, A. Pülz) kuratierte in Kooperation mit dem Archäologischen Museum Carnuntinum (E. Pollhammer) die Ausstellung

A.D. 313 - Von Carnuntum zum Christentum

März 2013 - Oktober 2016
Archäologisches Museum Carnuntinum, Bad Deutsch-Altenburg

Der von F. Humer - G. Kremer - E. Pollhammer - A. Pülz herausgegebene Ausstellungskatalog erschien 2014.

Mit der Kaiserkonferenz des Jahres 308 trat Carnuntum für einen kurzen Augenblick ins Rampenlicht der Weltgeschichte. Im Zentrum dieses Treffens standen bekanntermaßen nicht religionsrelevante Fragen, doch sollten die in Carnuntum getroffenen personellen Entscheidungen die folgenden religionspolitischen Entwicklungen auf Reichsebene ermöglichen. Eine wesentliche Weichenstellung in dieser Entwicklung ist die Mailänder Vereinbarung des Jahres 313, mit der das Christentum zu einer religio licita geworden ist. Man musste seinen christlichen Glauben von diesem Zeitpunkt an nicht mehr geheim halten sondern konnte seine religiöse Gesinnung öffentlich zur Schau stellen. Während sich dieser Schritt archäologisch besonders gut im Mittelmeergebiet nachzeichnen lässt, fehlen im Bereich des österreichischen Limesabschnittes vielfach Belege monumentaler Art. Allerdings bezeugen unterschiedliche Gegenstände des Alltags mit eindeutig christlichen Symbolen auch hier eine schrittweise Durchdringung der antiken Kultur mit christlichen Inhalten.

In der Ausstellung wird anhand von archäologischen, epigraphischen, literarischen und numismatischen Zeugnissen die spannende Zeit des Übergangs vom traditionellen System der Tetrarchie bis hin zur christlich bestimmten Alleinherrschaft des Konstantin nachgezeichnet.

Einleitend thematisiert werden auch die in Carnuntum besonders zahlreich bezeugten Mysterienkulte östlichen Ursprungs, deren Glaubensinhalte und symbolhafte Bilder manche Parallelen zur Welt des frühen Christentums erkennen lassen. Vor diesem Hintergrund wird der Frage nach Konkurrenz und/oder Übernahme nachgegangen.

Die archäologischen Funde und Befunde in Carnuntum ermöglichen ferner eine anschauliche Darstellung des Alltags in all seinen Facetten. Das Spektrum reicht hier von Exponaten des täglichen Lebens, wie Hausratgegenständen und Schmuck, bis hin zu den Bestattungssitten des 4. Jhs.

Ein Schwerpunkt wird den politischen, also staatlichen Voraussetzungen gewidmet, die zu den bedeutsamen Veränderungen in der ersten Hälfte des 4. Jhs. führten. Das System der Tetrarchie seit Diokletian, die Kaiserkonferenz des Jahres 308 n. Chr. sowie die Person und die Politik des Konstantin werden dem Besucher anhand von Exponaten, Texten und Animationen nahe gebracht.

Ein eigener Themenblock ist dem frühen Judentum gewidmet, das – wie einige Neufunde der letzten Jahre belegen – bereits im 2. Jahrhundert n. Chr. am Donaulimes und auch in Carnuntum vertreten war.

Ein wesentlicher Schwerpunkt der Ausstellung gilt schließlich der Geistes- und Glaubenswelt der frühchristlichen Zeit, wobei die wichtigsten christlichen Symbole sowie biblischen Motive, die besonders Alltagsgegenstände des 4. bis 6. Jahrhunderts schmückten, vorgestellt werden. Aufgezeigt wird aber auch die vielfache Weiterverwendung und Übernahme heidnischer Elemente und ihre christliche Umdeutung.

Einen Einblick in den christlichen Totenkult und die Jenseitsvorstellungen (Errettung und Auferstehung) der ersten Jahrhunderte gewähren zudem ausgewählte Exponate sowie ein Kurzfilm über eine bemalte Grabkammer des 4. Jhs.

Thematisiert werden des Weiteren das kirchliche Leben und der Ort der liturgischen Feiern, wofür eigens ein maßstabsgetreues Modell eines frühchristlichen Kirchenbaus angefertigt wurde, an dem die Charakteristika der Gotteshäuser im norisch-pannonischen Raum vom 4. bis zum 6. Jh. vorgestellt werden.

Nicht vergessen wurde natürlich auf die hoffentlich zahlreichen jungen Besucher im Schulalter, für die einige interaktive Stationen – wie etwa ein Memory oder ein Fragespiel – eingebaut wurden. Sie sollen helfen, die Inhalte der Ausstellung in lebhafter Weise zu vermitteln.